Tägliche Kirche, Nr. 105, St. Peter und Paul, Garrel

St. Peter und Paul in Garrel im Oldenburger Land habe ich bei einem Urlaub kennen gelernt. So etwas hatte ich zuvor noch nicht gesehen. 1869-71 errichtete Johann Bernhard Hensen (1828-70) aus Sögel die dreischiffige Hallenkirche in Garrel. Die in Backstein erbaute Kirche war ebenfalls Ersatz für eine Vorgängerkapelle. Davor gehörte die Gemeinde nach Cloppenburg. Im Jahr der Fertigstellung wurde die Gemeinde ebenso selbständige Pfarrei.

St. Peter und Paul in Garrel, Foto: Flodur63, 2014 (CC BY-SA 4.0), Q: wikimedia, https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:St._Peter_und_Paul_(Garrel)?uselang=de#/media/File:Garrel_-_St_Peter_u_Paul_v_S.JPG (Zugriff: 3.7.20)

Kirchenerweiterung 1966

Der Kirchenbau wurde darüber hinaus Mitte der 1960er Jahre durch ein große Querschiff erweitert. Somit passen nun 1200 Gläubige in die Kirche. Die seit 2004 bestehende St.-Johannes-Gemeinde mit ihren 4 Kirchen hat übrigens ca. 7800 Seelen, wobei gut 5500 in Garrel selbst wohnen. unter dem Strich ist St. Peter und Paul eine große Kirche. Durch die Erweiterung 1966 blieb das Kirchenschiff und der Turm im Osten erhalten. 2015 und 16 gab es Erweiterungspläne um ein neues Pfarr- und Gemeindezentrum mit Angeboten für die Stadt.

Blick zum Altarbereich im Querbau von 1966, Foto: K. Manthey, 2018

Im Spannungsfeld: alt und neu

Beeindruckend war für mich hingegen das Nebeneinander. Während der historistische Bauteil bauzeitlich restauriert wurde.

Blick ins historische Kirchenschiff, Foto: K. Manthey, 2018

D.h. eine Farbliche Gestaltung und Ausstattung der Neugotik erhielt, bricht der neuere Teil deutlich damit.

Die Altarinsel im neuen Teil, Foto: K. Manthey, 2018

Dort befindet sich mit dem Altarraum das liturgisch und bauliche Zentrum der Kirche. Bestimmt Helligkeit den Altbau wirkt demgegenüber der neue Teil düsterer. In dem Beton sichtigen Querbau erzeugen Glasbetonsteine eine fast mystische Stimmung. Übrigens befindet sich die Orgel an der Chorwand im Westen.

Der Tabernakel, Foto: K. Manthey, 2018

Ausstattung

Zur historischen Ausstattung zählt eine spät manieristische Pietà (urspr. aus der St.-Andreas-Kirche in Cloppenburg). Außerdem stammen eine weitere Pietà, die  Strahlenkranzmadonna sowie weitere Heiligenfiguren schon aus dem 18. Jahrhundert. Das großes Kruzifix von 1854 stammt vermutlich vom nazarenischen Bildhauer und Ehrenbürger Münsters, Wilhelm Achtermann (1799-1884). Ebenso befindet sich ein neugotischer Taufstein zwischen altem und neuem Kirchenteil.

Taufstein, Foto: K. Manthey, 2018

Fazit

St. Peter und Paul in Garrel ist ein Raum voller Brüche. Ungeachtet dessen erzeugt der Raum eine spannende Atmosphäre. Der Übergang von altem zum neuen Bauteil ist so abrupt, dass es für mich schon wieder funktioniert. Dort versucht sich nichts optisch zu verbinden. Schließlich lebt der Raum mit dem Widerspruch. So wie der Glauben ebenfalls stets kontrovers ist. Sollte es ferner zu Erweiterungsbauten, wie vor fünf Jahren geplant, kommen, bleibt es abzuwarten wie diese sich einfügen in diese Dualität.

Weiterführungen

Die täglichen Kirchen https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

Die Seite der Gemeinde: https://www.kirche-in-garrel.de/einrichtungen/kirchen/st_peter_und_paul_garrel

Erweiterungsentwürfe 2015 von g+h Architekten: http://www.goeken-henckel.de/wettbewerb/st-johann-baptist-garrel/#

Entwürfe zur Erweiterung 2016 von Königs Architekten https://www.koenigs-architekten.de/projekte/umbau-st-peter-und-paul-kirche-in-garrel/

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