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- Author: Konstantin Manthey
- Posted: 22 März, 2026
- Category: Aktuelles
PLANETARES BLAU – St. Nikolaus Innsbruck
PLANETARES BLAU ist eine von sieben Interventionen in Innsbrucker Kirchen, die sich in die Tradition der Verhüllung und Schließung von Altären in der vorösterlichen Bußzeit stellen. Es ist eine Aktion der Diözese. Vor allem unterstützt vom Bischof Hermann Glettler, der selbst immer wieder neue Kunst in alte Kirchen bringt, teilweise sogar eigene Werke. Zudem arbeitete der Diözesankonservator Dr. Stefan Schöch bei dem Projekt mit. Durch ihn gibt es auch ein Begleitprogramm. An diesem Wochenende war ich in der Tiroler Landeshauptstadt und konnte im Rahmen eines Seminars eines der Kunstwerke betrachten.

Die St.-Nikolaus-Kirche von Friedrich von Schmidt wurde 1885 fertiggestellt. Sie befindet sich im gleichnamigen Stadtteil, nördlich vom Inn. Dort ist derzeit eine Installation des Innsbrucker Künstlers Thomas Feuerstein (Jg. 1968). Der Konzeptkünstler arbeitet breit aufgestellt. Ein Themenfeld sind Arbeiten, die sich mit biologischen Abläufen befassen. In einer aktuellen Serie färbt Feuerstein vorhandene alltägliche Gegenstände in ultramarin blau ein. Die Farbe ultramarin ist ebenso als Fra Angelico Blau bekannt, da der Künstler prominent mit diesem Blauton arbeitete. Es war bis ins 19. Jahrhundert sehr teuer, da es aus Lapislazuli-Gestein gewonnen wurde. Welches wiederum zumeist aus Asien kam. Also „azurro ultramarine“ das Blau von jenseits der Meere. Erst in den 1820er und 30er Jahren entstehen verlässliche Verfahren für die synthetische Herstellung des Farbtons.

Links der Tragfläche das Kreuz auf dem Schalldeckel.
Hier setzt Thomas Feuerstein an. Er selbst hat nun eine patentierte Form gefunden, diese bis heute begehrte und beliebte Farbe, aus anderem natürlichen Material herzustellen: Kieselalgen. Diese faszinierenden Meereswesen in ca. 6000 Arten binden Kohlenstoff und bilden noch mehr Sauerstoff. Ein wichtiger Teil unserer Ökologie. Somit könnte nun diese besondere Farbe wieder natürlich hergestellt werden. In dem der Künstler Objekte ultramarin gestaltet werden diese wertvoll und zugleich zumindest mit ihrer Farbschicht Teil des Kreislaufes der Natur.

Bei dem riesigen Segelflugzeug in der Kirche St. Nikolaus, PLANETARES BLAU, ist das schiere Ausmaß faszinierend. Als ich mit meinen Kollegen die Kirchen betrat, fiel das Objekt sogleich auf. Trotzdem war der ganze neugotische Raum sichtbar und in seiner Wirkung nicht beeinträchtigt. Schließlich haben wir uns erst nach einer längeren Seminareinheit, also 60 Minuten nach dem Betreten, mit diesem „blauen Elefanten“ im Raum befasst. Da das lange genutzte Segelflugzeug aus den 1960er Jahren mit seiner Spannweite von 15 Metern steil nach oben steht, nimmt es die Dynamik des Baus auf. Ebenfalls, so berichteten die Kollegen entstehen Bezüge zur Ausstattung, so beispielsweise mit dem nahen Kreuz auf dem Kanzeldeckel.

Würdigung
Jetzt einen Tag später bin ich sehr fasziniert wie sehr sich dieses starkblaue Objekt „weggeschaut“ oder vielleicht auch einpasst. Da hängt ein riesiges Fluggerät in der Vierung einer neugotischen Sakralarchitektur und trotzdem bleibt die Kirche irgendwie ungestört und in ihrer Pracht unbeeindruckt. Ein völlig anderer Körper durchbricht eine riesige Kirche und passt dadurch hinein. PLANETARES BLAU ist wirklich eine besondere Zugabe einfühlsam – trotz oder gerade wegen der Größe.
Links
Seite zu den Kunstinterventionen 2026 in Innsbruck:
https://www.dibk.at/Glaube-Feiern/fastenzeit-2026/kunstinterventionen-2026
Wikipedia-Beitrag zum Künstler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Feuerstein
Zeitgenössische Kunst auf kirchenbauforschung.info:





