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- Author: Konstantin Manthey
- Posted: 25 Januar, 2026
- Category: Aktuelles, Hintergrund
Wie viele Kirchen gibt es wirklich?
Wie viele Kirchen gibt es wirklich? Und welche Zahlen stimmen eigentlich? Seit langen schleiche ich um die Frage herum, woher kommen unsere Zahlen, wenn es um den Bestand an Kirchen geht. Denn die herumgeisternden 44-45.000 erscheinen mir zu wenig. Vor allem dann, wenn wir nicht nur auf jede Einzelstehende Kirche im Ort achten sondern auch auf eingebaute Gottesdienstorte Rücksicht nehmen. Darüber hinaus natürlich die Frage was fällt hierbei unter den Begriff Kirche. Dann vielerorts, gerade in der Diaspora, sind Gotteshäuser einfach und klein, dort werden Räume bereits Kirche genannt die in Mehrheitsregionen der jeweiligen Konfession gerade mal eine Kapelle bilden. Zudem war eine Kirche Voraussetzung für die Bildung von Pfarreien (o.ä.), da genügten auch einfache, behelfsmäßige Räume, wie die Kirchengeschichte zeigt.
Die häufig genannten Zahlen
Eingebürgert hat sich mittlerweile ein Wert zwischen 40.000 und 45.000 Kirchen in Deutschland. Dabei sind wir meistens bei Zahlen um das Jahr 2020 von gut 44.000 Gebäuden dieses Typs. Jedoch geben diese Angaben keine ausreichenden Details her. Doch wenn ich es richtig nachvollzogen habe, geht es hierbei um Sakralbauten in Gemeindenutzung – Soweit so gut, so unklar. Meist findet sich heute bei Online-Recherchen die Zahl 44.000. Doch woher diese Zahl genau kommt, ist nur ungenügend nachvollziehbar.
Sie wurde zuerst im Jahrbuch der Stiftung Baukultur 2018 genannt (Danke an Karin Berkemann für den Hinweis). Vor acht Jahren hatten wir eigentlich überhaupt keinen Überblick, umso besser, dass es dort einen Anfang gab. Folgende Beschreibung aus dem o.g. Buch:
In Deutschland existiert insgesamt ein bemerkenswerter Bestand an Kirchengebäuden
– in allen Größen und in allen Siedlungsstrukturen, von der Dorfkapelle über das
multifunktionale Gemeindezentrum der Nachkriegssiedlung bis zur großstädtischen
Kathedrale. Allein die beiden großen Konfessionen verfügten 2016
zusammen über annähernd 45.000 Sakralgebäude: Rund 24.000 Kirchen und
Kapellen sind im Besitz der katholischen Kirche, 20.500 gehören der evangelischen
Kirche. Hinzu kommen noch einige Hundert evangelisch und katholisch
genutzte Kirchen, die in staatlichem oder kommunalem Besitz sind.Q: Bundesstiftung Baukultur/ Reiner Nagel (Hg.): Baukultur Bericht. Erbe – Bestand – Zukunft 2018/19, Potsdam 2018, S. 87.

Vieles ist Definitionsfrage
Dabei ist eigentlich nicht klar, was „im Besitz“ und „gehören“ in diesem Zusammenhang heißen. Gleichwohl wird angedeutet, dass es auch Kircheneigentümer, wie den Bund, Länder oder Kommunen gibt, die die Kirchen den Konfessionen überlassen. Dies beruht größtenteils auf historisch gewachsenen Traditionen. Für den Raum Berlin-Brandenburg sind hierbei Immobilien zu nennen, die einst dem König- und Kaiserhaus gehörten u.v.m. Weiterhin gehen Kenner bei diesen Zahlen von Kirchenbauten aus, die als Gemeindekirche dien(t)en. Dort wo sich Menschen regelmäßig zum Gottesdienst versammeln, versammelt haben.
Im Jahr 2000, vor den Zusammenlegungswellen, gab es bei beiden Kirchen ca. 26.000 Gemeinden und Seelsorgestellen. D.h. bei der katholischen Kirche, z.B., Pfarreien, Rektorate, Kuratien, in denen eigene Kirchenbücher geführt wurden (vgl. DBK 2000, S. 16). Pro Seelsorgebereich, Pfarrverband oder Pfarrei also der kirchlichen Strukturebene gäbe es somit vor 25 Jahren rechnerisch ca. 1,7 Kirchengebäude bei der Zahl von 44.000. Hinzu kommen an vielen Orten Kirchen, die hier gar nicht mehr extra erfasst sind. Beispielsweise sind bereits in vielen Teilen Deutschlands vor 2000 Gemeinden zusammengelegt worden, die meisten Sakralorte blieben aber als Filiale erhalten. Zudem gab und gibt es in vielen Seelsorgebereichen mehr als eine Kirche, einen Gottesdienstort.
Das Problem mit den Zahlen
An eine verlässliche Gesamtzahl nach den vielen Strukturprozessen in den beiden großen Kirchen, zum Bestand an Sakralbauten, ist derzeit nicht zu denken. Also behelfen wir uns mit den Schätzwerten und alten Angaben bis heute. Zudem kommen Ungereimtheiten, die evangelischen Kirchen werden für 2021 mit einer Zahl von 20.372 genannt. Darüber hinaus wird jedoch ebenso die Zahl der Gemeindezentren mit integriertem Kirchenraum von 3.064 genannt (EKD 2021), faktisch also: gemeindliche Sakralräume. Schon wären wir eher bei 48.000.

Ähnlich ist es bei den Zahlen über die vollzogenen Schließungen von Kirchen, denn hierfür gibt es eigentlich auch nur ungefähre Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK).
Die Deutsche Bischofskonferenz spricht für den Zeitraum von 2000 bis 2024 auf DW-Anfrage von 611 geschlossenen und profanierten Kirchen. Die Evangelische Kirche in Deutschland schätzt die Zahl der dauerhaft in den deutschen Landeskirchen geschlossenen Kirchen für diesen Zeitraum auf 300 bis 350; exaktere Zahlen liegen dort nicht vor. (Q: DW 2025)
Auch diese Angaben sind, meines Wissens nach, keine Summierungen von genauen Angaben der Gliedkirchen sondern weiterhin Schätzungen. Denn jede Landeskirche, jedes Bistum ist selbständig und rechnet hiermit alles für sich selbst und allein zusammen. Aus verschiedenen Kirchenregionen weiß ich, dass man immer noch nachzählt oder beim Schätzen des Bestandes bleibt. Dabei ist noch gar nicht einberechnet wie sich die Zahlen ändern wenn, derzeit nicht richtig erfasst, immer mehr Kirchen geschlossen werden.
Die Zahl ist also viel höher und das Problem viel größer
Hinzukommt, dass die Gesamtzahl an Kirchorten viel höher ist. Meine These: wir kennen nur die Spitze des Zahleneisbergs. Beispielsweise hatten schon damals viele Seelsorgebezirke mehr als zwei Kirchen. Darüber hinaus sind sicherlich nicht die ordenseigenen Kirchen berechnet. Orden sind selbstständige Institutionen. Bei den Zahlensammlungen, die ich kenne, sind Ordenskirchen nicht erfasst. Übrigens gibt es auch keine zentrale Erfassung der Gebäude in kirchlichen Besitz insgesamt. Damit steht der Bautyp Sakralbau in der Architekturgeschichte Deutschlands aber nicht allein. Zurück zur Suche nach den Zahlen.
Allein das Beispiel der Orden lässt einiges an höheren Zahlen vermuten. Das bedeutet in Zeiten des unübersichtlichen „Zumachens“ von Kirchen und Kapellen sieht keiner mehr durch. Wir wissen nicht was wir bisher haben bzw. hatten, noch welche Bauten wir erinnern sollten. Zudem ist Partizipation durch falsche, zu ungenaue und schlechte Zahlen erschwert oder nicht eingeplant. Ähnlich steht es bei Kapellen und Kirchen in staatlichem oder privaten Besitz, hier sei nur an die ca. 25.000 Schlösser und Burgen gedacht. Zwar ist hierbei ebenso wenig klar wie viele davon vergangen bzw. Ruinen sind (vgl. DW 2018), doch vermutlich hatte nahezu jedes dieser (Wehr-)gebäude mindestens eine Kapelle. Hinzu kommen christliche Institutionen, somit sind es katholisch und evangelisch noch mehr Orte. Weiterhin sind andere christliche Gemeinschaften zu bedenken, wie bspw. die Neuapostolische Kirche in Deutschland mit mehr als 1.400 Gemeinde mit eigenen Gottesdienstorten usw. usf. Noch sind getauschte Kirchen, z.B. bei Abgabe an orthodoxe Gemeinde oder Schließung kein Faktor für die Gesamtzahl – noch.

Schätzung der Zahl christlicher Sakralräume in Deutschland, Stand: 25.1.2026
Wie viele Kirchen gab und gibt es im (Erz-)Bistum Berlin?
Nehmen wir das nur das Gebiet des (Erz-)Bistums Berlin in den 1960er Jahren. Damals gab es ca. 100 Ordensniederlassungen von ca. 35 verschiedenen Kongregationen in der Stadt sowie in den Regionen Brandenburg und Vorpommern. Die Niederlassungen hat oft mehrere Sakralräume. Hier sei als Beispiel an die Schwestern der Heiligen Elisabeth oder die Dominikanerinnen aus Arenberg gedacht. So wie bei den zuletzt genannten gab es Kirchen in den mischgenutzten Ensembles. D.h. dort gab es ein Kloster, eine Schule oder ein Krankenhaus oder ein Heim und oft auch noch eine Gemeindekirche. Auch wenn die Kirche mitgezählt wurde, war dies bei den Kapellen in den betriebenen Einrichtungen im Kloster nicht der Fall. D.h. (vermutlich) eingerechnete Kirche plus 2.

Konservativ geschätzt: Nehmen wir für Berlin also einmal den Faktor 1,5 an in Bezug auf den Baubestand und ebenso bei den Niederlassungen, wäre die Rechnung für Sakralräume außerhalb von Gemeindenutzung: 150 Ordensniederlassungen x 1,5 Sakralbauten = 225 Sakralräume/ -bauten. Die Diskussion um die Unterscheidung eines eigenständigen Baus und eine eingerichteten Raum lasse ich hierbei außen vor, denn es sind alles „Gotteshäuser“. Dazu zu zählen sind die anderen Sakralräume noch mindestens 12 Friedhofskapellen (Stand heute), mind. 12 Kapellen in den 12 Katholischen Krankenhäusern im Erzbistum, Kapellen/ Andachtsräum in öffentlichen und sozialen Anlagen, bspw. Kasernen, Gefängnissen, Verkehrsbauten usw.: 10, die Bischofskapelle und Sakralräume in kirchlichen Häusern: 10. Kapellen in Alten- und Pflegeheimen: 50 und Stand heute ca. 220 Gemeindekirchen. Daraus ergibt sich für das Erzbistumsgebiet eine Schätzzahl von 539 Sakralräumen. Ausgehend von früheren Zahlen und weniger konservativ geschätzt, um 1938: 330 Gemeindekirchen, zzgl. 400 anderen, mehr als 730 Sakralräume.
Eine Verlustgeschichte am Bespiel der katholischen Sakralräumen im Raum Berlin
Jede dieser Kapellen und Kirchen, jeder Sakralraum, hatte eine Ausstattung ob Turnhalle oder Baracke oder Kirche auf dem Platz. Was das für den Kunstgutbestand bedeutet kann hier nur angedeutet werden. Einen Ansatz von Überblick ist mir hierfür ebenso nicht bekannt. Von den Vergleichbarkeiten durch die Jahrzehnte ganz zu schweigen. Wir verlieren viel mehr als wir bemerken. Besonders die Schließungen (ehemaliger) Ordensliegenschaften ist im vollen Gang. Meines Wissen nach, sind in den letzten drei Jahren allein in der Stadt Berlin vier große Kloster-Objekte geschlossen worden.

Greifswalder Straße 18a, 10405 Berlin – Prenzlauer Berg.
Dort war lange die katholische Berufsfachschule Edith Stein untergebracht.
Nun entsteht hier ein Design-Campus, die Kirche wird Eventort, unter dem schönen Namen:
kloster.berlin – mehr dazu unter: kloster.berlin (extern)
Das sind zuletzt: das ehemalige St.-Katharinen-Stift der Dominikanerinnen in der Greifswalder Straße, die ehemalige Pfarrkirche St. Kamillus, einst extra für die pastorale Arbeit in Charlottenburg errichtet (dafür änderte der Kamillianerorden sogar seine Statuen), beide 2025 geschlossen, das Mutterhaus der Karmelitinnen vom göttlichen Herzen Jesu in der Pappelallee im Prenzlauer Berg, 2024, sowie die Klosteranlage der Rosaschwestern, dem 3. Steyler Orden in Westend (2023). Bis auf das letztgenannte, wo nun eine Privatschule die Räume nutzt, ist nicht bekannt wer die Investoren sind und was diese dort vorhaben. Alle diese Ensemble hatten mind. zwei Sakralräume, einen für die Öffentlichkeit (Gemeinde, Kranke, usw.) und eine Schwesternkapelle. Und das war erst der Anfang viele weitere Verkäufen folgen bald auch auf Pfarrebene. D.h. das Kulturgut Kirche ist in seiner Gesamtheit bedroht.
Wie viele Kirchen werden verloren gehen?
Und das betrifft nicht nur einzelne Landeskirchen oder Bistümer, es betrifft uns alle und damit die Gesellschaft. Denn wenn bald von 100.000 Sakralräumen nur noch 30.000 oder so übrig sind, also nach jetzigen Plänen sollen in gut 10 Jahren, bereits 30% abgebaut werden, wird es allen innerhalb und außerhalb der Kirchen auffallen. Dann sind diese Räume meist für die Öffentlichkeit verloren, weil abgerissen, umgenutzt oder geschlossen und verfallend. Kurzum: Da müsste uns allen doch mehr einfallen.
Wenn (private) Investoren unsere Objekte ausbauen und sogar gewinnbringend nutzen können, könnte Kirche das nicht auch? Denn eines ist nun schon lange deutlich. Nur weil die Institution Kirche nicht mehr in ihren Bauten drin ist, sind sie optisch usw. immer noch sakrale Bauten. Der erste Schritt für die Gesellschaft wäre es, zu wissen wie viele Objekte es gibt und zu erfahren, dass zehntausende bald frei werden. Daraus könnte der Heilige Geist und die könnten die Menschen vielleicht etwas machen, das weniger privatwirtschaftlich orientiert ist.
Quellennachweise
DBK 2000: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), KATHOLISCHE KIRCHE
IN DEUTSCHLAND, Statistische Daten 2000. Bonn 2002.
EKD 2021: Evangelische Kirche in Deutschland: Gezählt 2021, Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben, Hannover 2021, S. 33.
DW 2025: Axel Rowohlt, Christoph Strack, Wenn Gott hier nicht mehr wohnt – Umnutzung von Kirchen, Beitrag bei Deutsche Welle vom 26.12.2025, unter: https://www.dw.com/de/wenn-gott-hier-nicht-mehr-wohnt-neues-leben-in-ungenutzten-kirchenräumen/a-75196739.
DW 2018: Geschätzt 25.000 Burgen in Deutschland, Beitrag bei Deutsche Welle vom 19.1.2018, unter: https://www.dw.com/de/geschätzt-25000-burgen-in-deutschland/a-42214756.
Zu den Ordenszahlen: https://www.orden.de/presseraum/zahlen-fakten
Für die anderen christlichen Gemeinden: https://www.oekumene-ack.de
Verlinkungen zur Thema: Wie viele Kirchen gibt es?
Weitergehende Zahlen zu den Glaubensgemeinschaften hat die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (hier das Beispiel NAK): https://fowid.de/meldung/entwicklungen-neuapostolischen-kirche
Beim Berliner Kirchenbauforum an der Katholischen Akademie in Berlin e.V.
geht es am 16.3.2026 um 18 Uhr um:
NEUE NUTZUNGEN VON KIRCHENRÄUMEN IN BERLIN. Beispiele seit 1990.
Eine gute Übersicht zu den christlichen Kirchen beim Bundesinnenministerium: https://www.bmi.bund.de/DE/themen/heimat-integration/gesellschaftlicher-zusammenhalt/staat-und-religion/christliche-kirchen/christliche-kirchen-node.html





