6. Januar: Hl. Dreikönige – Rahnsdorf

Da wollte ich einfach einmal wieder eine Kirche vorstellen, deren Patrozinium zum Tage passt und dann… 

Im Bereich des (Erz-)Bistums Berlin gibt es nur eine Dreikönigskirche. Dieses Kirchlein steht in einem, vor allem in den 1920er Jahren, neu besiedelten Teil Rahnsdorf. Hier sammelte ein Kirchbauverein ab 1929, ausgehend von der Mutterpfarrei Berlin-Friedrichshagen, für einen Kirchenbau.
Pfarrer Melchior Grossek, selbst Künstler und auch in der Künstlerseelsorge aktiv, war der Bauherr. Er war wohl auch der Impulsgeber für die Namensgebung.
Das realisierte Bauwerk war als Notkirche gedacht. Später sollte in den kleinen Saalbau der Pfarrsaal einziehen. Doch mehr als diese, im Juli 1934 geweihte Kapelle, wurde nicht in Rahnsdorf errichtet.

Außenansicht von Süden her, im Untergeschoss war die Pfarrwohnung

Der an einem Hang stehende, kubische Bau mit eingezogenem quadratischen Chorraum weist verschiedene, teilweise bauzeitliche Ausstattung auf. Die Fenster die den Kirchenraum einseitig von Osten beleuchten sind ebenso wie ein Rundfenster über der Empore von 1946, hergestellt durch August Wagner. Der Urheber des an der Westwand befindlichen Triptychons aus den 1920er Jahren zeigt ist unbekannt. In der Mitte zeigt das Bild die Kreuzigung, links die Kreuzabnahme und rechts Christus am Ölberg.

Innenansicht mit Blick zum Altarraum (umgestaltet 1981)

Am auffallendsten ist das Dreikönigsfenster an der Chorwand, von Hannes Schulz-Tattenpach (1905-1953), einem später als Odo Tattenpach vor allem im Leipziger Raum bekannt gewordenen Künstler.

Die Fenster von Schulz-Tattenpach von 1934 (Detail)

lt. Inventar signiert mit: „Entw. Hannes Schulz Tattenpach Ausführung G. Schulz und Jost Berlin […]“

Von ihm stammen auch drei Zement-Relief-Arbeiten die in die Kirchenwand eingelassen waren. Ein weiteres Relief von Tattenpach aus dem Jahre 1941 zeigt das Pastor-Bonus-Motiv und befindet sich links neben dem Altarraum.

Tattenpachs Guter Hirte von 1941
Alle Bilder: Bildarchiv der Kunstbeauftragten des EBO, Fotos: F. Vetter
Für mich wesentlich aber leider unklar, ist die Frage nach dem Erbauer und seinen Berliner Jahren. Einem Architekten dessen besonderer Name durch mich bisher nur mit dieser Kirche in Verbindung gebracht wurde: 

Josef Vassillière, fälschlicherweise oft Vassilière geschrieben. Dabei handelt es sich bei dem 1897 geborenen und 1967 verstorbenen Architekten um ein Schwergewicht der frühen Moderne.
Er studierte an der Baugewerkeschule in Aachen und kam 1922 nach Berlin. Hier arbeitete er im Büro von Mies van der Rohe und galt als Spezialist für Villen und Kirchen. Auch zu Carl Sonnenschein uns seinem Künstlerkreis hatte er Kontakt und schuf auch Illustrationen für seine Schriften. Selbst Albert Speer war an Vassillière interessiert, doch dieser lehnte ab und verließ 1939 mit seiner Familie Berlin.
Er ließ sich in Bad Wimpfen nieder und wurde Stadtbaumeister ebendort. Seither war er viel im Bereich des denkmalpflegerischen Arbeitens tätig und avancierte zu einem Spezialisten für Burgen-An- und Umbauten.

Wenn jemand mit solch einem Hintergrund vor dem Krieg als Spezialist für Kirchenbau galt, welche Entwürfe und Projekte stammen wohl noch aus seiner Hand (die Berliner Denkmalliste führt nur eine Doppelwohnhaus auf)?

Es beginnt mit der Erscheinung des Herrn und führt zu vielen Fragen ;-).

Kommentar (1)

  1. Pinkback: Martin teilt den Mantel: Fensterbild in St. Martin Kaulsdorf - Kirchenbauforschung

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