Kalenderblatt 12: Botticelli im Treppenhaus

Das Kopieren gehört auch zu den Künsten. Wenn auch oft im Verborgenen, so ist es nahezu ein zeitloses Phänomen. Besonders interessant sind kopierte Kunstwerke im Kirchenraum. Denn eigentlich ist der sakrale Raum als Ort des Mysteriums und des Gottesdienstes ein Platz für einzigartige, hochwertige Kunst. Doch aus den unterschiedlichen Gründen wurden Bildwerke kopiert, mal war das Abbild wichtig weil dies bereits das Original war (eine Übertragung von Wirkmächtigkeit) oder das Motiv war besonders aufgeladen für die Auftraggeber (Madonna an sich oder das Bild in Florenz). Sicher war es hier und dort auch die preiswerte Lösung.
Ob die hier gezeigte Kopie besonders gut ist sei dahin gestellt, vielleicht entstand diese sogar von einem Bild und nicht vor dem Original. Doch das Motiv ist berühmt: Sandro Botticellis,  

Madonna mit dem Granatapfel, um 1487, aus den Uffizien in Florenz (externer Link).

Kopie der Granatapfelmadonna zwischen 1920 und 1930
Foto: K. Manthey, 2013

Ob die Kopie, die mittlerweile in einem Treppenhaus einer Kirche im Norden Berlins hängt sich jemals im Kircheninneren befand oder dort einen Altar zierte ist nicht bekannt. Doch das Motiv hat aufgrund des berühmten Raczynski-Tondos, Madonna mit dem Kind, in der Berliner Gemäldegalerie wohl möglich auch einen intendierten Bezug zur Diasporametropole…
 … das Original zumindest hat, ähnlich wie das Berliner Stück, eine starke Anziehungskraft, die auch bei der Berliner Kopie noch spürbar bleibt.

Sandro Botticelli, Madonna mit dem Granatapfel, um 1487
Q: EasyDB, Universität Bern, Institut für Kunstgeschichte, Universitätsbibliothek Bern, über:

       http://prometheus.uni-koeln.de/pandora/image/show/bern-a2092f63a2f91825e2c72496b104e027c2a5b0f0

 

Das Bild wurde wahrscheinlich 1487 für den Anhörungssaal im Palazzo Vecchio, wie auch von dem fleurs-de-lys auf dem Rahmen bestätigt wird. In den Uffizien befindet es sich seit 1780.

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Kommentare (4)

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