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- Author: Konstantin Manthey
- Posted: 26 April, 2026
- Category: Aktuelles
Gebrochene Verheißung – Ausstellung in Dessau bis 12.5.2026
Gebrochene Verheißung, das klingt schon sehr theologisch. Dabei geht es um Kirche und Kaufhaus. Zwei Tempelsorten die anscheinend ausgedient haben. Nicht schnell genug konnten und könnten wir beide einst zeichenhaften Architekturtypen abwickeln. Jedoch eint beide das Problem des langen (Be)stehens. Denn beide Gebäudearten sind zu sperrig, um direkt weiter verwertet zu werden. So bleiben Gottes- und Kaufhäuser Ladenhüter. Sie bedürfen einer besonderen, sensiblen und selten -in kapitalistischen Logiken- verwertbaren Weiterbenutzung.

Dieser unerwarteten Parallelität der Schicksale widmet sich noch bis zum 12. Mai 2026 die Ausstellung: Gebrochene Verheißung – Kirchen und Kaufhaus. Sie ist ein Programmpunkt in der Teilausstellung „renais-source“ der Fachbereiche Design und Architektur der Hochschule Anhalt in Dessau. Dieser Satellit zeigt im ehemaligen Kaufhaus Zeeck bzw. Magnet in der Dessauer Kavalierstraße 72, im Zusammenhang der großen Schau des Bauhaus Dessau: „Algen | Schutt | CO2“, drei künstlerische Sichtweisen zu Kirchen und Kaufhäusern und der weiteren Nutzung heute. Drei Stipendien wurden vergeben und finden an drei Orten auf einer ehemaligen Kaufhausetage statt.

Auf dem Weg in die Schau, die bis auf Montag täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist, zieht einem der Duft des Vietnamesischen Restaurants im Erdgeschoß in die Nase. Über das historische Treppenhaus und vorbei an einer noch leerstehenden Etage kommt man zum Ausstellungsprojekt mit dem Schwerpunkt ökologisch-nachhaltige(s) Bauen und Materialien. All das ist bereits sehr interessant. Die drei Werkgruppen zu Kirchen und Kaufhaus sind es ebenfalls.

Gebrochene Verheißung – die drei Stipendien


Im Werkraum, als teil der gesamten Etage, ist Karla Zipfels Arbeit „TikTok Aesthetics“ zu sehen. Während Betrachtende unter zwei schiefen Heiligenscheinleuchten stehen, schauen Sie auf den Eingang eines Einkaufzentrums der 1990er Jahre in klein. Darin sind zwei Handydisplays hochkant gestellt und bilden die Türen. Wie bei einer VR-Brille sieht man zwei Filme jedoch zeigen Sie unterschiedliches. Social-Media-mäßig wird über die Hoffnungen und den Zweck der „Mals“ reflektiert – eine ironische Brechung oft geplatzter Träume.


Im sogenannten Tapetenraum werden neben einer Übersicht von Grundrissen von 234 Kirchen in Sachsen-Anhalt drei Fallbeispiele durch dekliniert. Die Architekten Marius Busch und Maximilian Hartinger zeigen mit „+“ Ideen zur energetischen Nutzung von Sakralbauten aus unterschiedlichen Epochen vom Mittelalter, über das 19. Jahrhundert bis in die Nachkriegsmoderne.


Schließlich zeigt der Fotograf Louis Volkmann zwei Sakralräume. In „Dächer gleicher Ordnung“ dokumentiert er die Kirchen mit HP-Schalendach. Die eine ist die Laurentius-Halle in Dessau, deren Weiternutzung ungewiss ist, die andere St. Gabriel in Leipzig – Wiederitzsch mit der bedeutenden künstlerischen Ausstattung von Friedrich Press.
Würdigung
Alle drei Bereiche hat ein Stipendium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz möglich gemacht. Dies wurde vom neu entstandenen Deutschen Forum für Kirche und Kulturerbe eingeworben, welches Prof. Dr. habil. Karin Berkemann an ihrer Professur unterhält. Es lohnt sich diese Standpunkte wahrzunehmen. Bilden sie doch eine wichtigen Beitrag zu einem Thema was noch richtig groß werden wird. Die Frage wie nutzen wir Kirchenräume in Zukunft? In Dessau, im Stadtzentrum, in einem ehemaligen Kaufhaus finden sich noch bis Mitte Mai kreative und nützliche Antwort-Ansätze. Wer also Zeit hat oder eine Reise in die Region plant, sollte diese Schau mit ihren vielen Facetten auch mitnehmen.

Alle Fotos: K. Manthey 2026
Links zu Gebrochene Verheißung
Die Seiten zur Ausstellung Gebrochene Verheißung:
https://www.hs-anhalt.de/fachbereiche/forschung/kirchenbau.html
Die Seite zur Hauptausstellung des Bauhaus Dessau:
https://bauhaus-dessau.de/ausstellungen/algen-schutt-co2






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