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Christuskönig-Kapelle, Berlin-Friedrichshain

Eine Wiederentdeckung hat mir derzeit im Bann. Es handelt sich um zwei Schwarzweiss-Fotos einer künstlerisch aufwendig gestalteten Kapelle. Die Christuskönig-Kapelle im Christuskönighaus, das auch nach dem dort tätigen Orden Johanneshaus genannt wurde. Diese Einrichtung lag unweit des Baltenplatzes, der heute Bersarinplatz, heißt. Bisher habe ich noch nicht viel, doch die beiden Bilder und erste Recherchen teile ich heute. Sozusagen frisch aus der Forscherstube.

Missionare vom Hl. Johannes dem Täufer, Johannesbund, Johannesschwestern von Maria Königin

Die auf den Trierer Priester Johannes Baptista Maria Haw (1871-1949) zurückgehenden Johannesorden, die heute im Johannesbund weiter existieren, „arbeiten im Apostolat der Liebe an den Ärmsten die Johannesmissionare und die Johannesschwestern. […] Dem hl. Johannes, dem Rufenden in der Wüste, geweiht, verpflichten sich die Mitglieder außer den Gelübden der Keuschheit, des Gehorsams, der Armut, sich des Alkohols und des Nikotins zu enthalten, zur besonderen Sühne für den Mißbrauch.“ (Georg Schubert, Bistum Berlin, 1932, S.75). In den Einrichtungen der Missionare waren es vor allem junge Männer, die in der Stadt ankamen, um die man sich sorgte. Vermutlich wurden durch Bahnhofsdienst am Schlesischen Bahnhof (heute Ostbahnhof) die Menschen in die knapp zwei Kilometer entfernte Petersburger Straße 77 (heute: 72c) gebracht. Dort taten neben mindestens einem Priester auch die Schwestern Dienst, die wiederum wohl auch in der Kinderfürsorge tätig waren. Übrigens schloss sich der Orden nach Verbot der Tätigkeit unter den Nationalsozialisten und der 1941 folgenden Schließung aller caritativen Einrichtungen, 1956 organisatorisch mit dem Orden der Unbeschuhten Karmeliten zusammen.

Die Ordensniederlassungen im Bistum Berlin

Das Johanneshaus/ Christkönigshaus, Q: Schubert: Bistum Berlin, 1932, S. 74.

Beide Ordenszweige betrieben gemeinsam ein Heim in Döberitz bei Falkensee und in Berlin-Friedrichshain, dort in der Petersburger Straße 77. Ebenso ist für die Schwestern eine Haus in der unmittelbaren Nähe, auf der Rückseite in der Eckertstr. 8, vermerkt. Sicherlich hatten sie dort ihren Konvent. Das Christuskönighaus bzw. Johanneshaus war ein großer Gebäudekomplex mit Vorderhaus, Seitenflügel und einem Querhaus um einen Innenhof gruppiert. Dies ist von einer historischen Fotografie sowie aus dem Stadtplan ersichtlich. Heute steht an dieser Stelle ein DDR-Wohn- und Geschäftshaus mit der Hausnummer 72c. Einem Foto nach stellten die Männer vor Ort in Werkstätten Teppiche und vermutlich andere Gegenstände her. Mehr ist mir über die Örtlichkeiten und ihre Arbeitsweise bisher nicht bekannt.

Erzeugnisse der Arbeit in Döberitz, Q: Schubert: Bistum Berlin, 1932, S. 75.

Christuskönig-Kapelle

Nun aber zur Christuskönig-Kapelle bzw. den dazu gefundenen Fotos. Die Kapelle lag im Gebiet der Pfarrei Ss. Corpus Christi, in der heutigen Conrad-Blenkle-Straße 64, einst Thorner Straße, unweit der Fleischgroßmarkthalle, heute sind dort die Sportanlagen rund ums Velodrom. Aus den Einträgen im Amtlichen Führer für das Bistum Berlin ist zu erfahren, dass die Christuskönig-Kapelle am 28. August 1932 benediziert wurde. Dies übernahm der Generalvikar des Bistums Prälat Paul Steinmann. Vor Ort gab es einen der Patres als Rektor des Hauses und der Kapelle, 1935 war dies P. Petrus Appel MSJ, 1938 ist statt seiner P. Andreas Schmitt MSJ vermerkt. Weiterhin war ein Ruhestandsgeistlicher aus dem Bistum Münster dort tätig, er hieß Albin Burg. Es gab drei Sonntagsmessen, mindestens zwei am Werktag und dazu Segensandachten, kurzum: ein reichhaltiges Angebot an Gottesdiensten. Dies lässt auf eine große Einwohnerzahl schließen. Dabei sind die Größe und Ausmaße der Kapelle unbekannt.

Das Hauptaltar der Kirche mit Malereien im Stil der Beuroner Schule, Q: Archiv Ss. Corpus Christi

Zur sichtbaren Ausstattung: Hauptaltar

Offensichtlich gab es mindestens zwei Altäre. Dabei war der Hauptaltar mit einem breiten dreigliedrichen Bild hinterfangen. Dies war im Stil der Beuroner Schule gearbeitet. Im Schmalen Mittelfeld war Christuskönig, Jesus als Hoher Priester, in Orantenhalten mit offenem Herzen und vermutlich gekrönt dargestellt. Unter dem Bild die Inschrift: „Wer dürstet der komme zu mir und Trinke(t)“. Sicherlich als Verweis auf die Alkoholsucht gewählt, i. S. v. Christus stillt alle Laster. Ihn flankiert, bildrichtig links, die Gottesmutter, ein kniender Engel mir Rauchfass und ein Tondobild mit Krippen (?). Dazu ein oberes Textband mit der Inschrift: „König ist der Herr mit Majestät umkleidet um | gürtet ist der Herr mit Macht und Herrlichkeit“. Rechts ist Johannes der Täufer, der Namensgeber des Hauses und Gründerordnens. Ebenfalls neben ihm ein Engel mit Rauchfass, die Weihrauchwolken verbinden beiden Seitenflügel. Im Tondo zwischen Kopf des Heiligen und Engelschwingen sind eucharistische Symbole abgebildet. Die oberhalb befindliche Inschrift lautet wohl: „Er hat die Welt gegründet sie wanket nimmermehr fest | steht dein Thron von Urbeginn Du Bist von Ewigkeit.“ (Alle Inschriften durchgehend in Majuskeln, der Strich zeigt die Zeilentrennung). Quasi als unteres Schriftband, an der Stelle einer Predella (zw. Altartisch und -Bild) steht: „DRUM PREISET SEINE PRACHT UND HERRLICHKEIT [unlesbar] LOBET IHN IM HEILIGTUM ALLELUIA!“. In der Sockelzone ist eine marmorhafte Gestaltung erkennbar. Der Altar Tisch scheint hingegen aus echtem Stein. Die Tabernakeltür zeigt ein Relief mit Kreuz und Korpus, dieser ist gestaltet wir eine Weinrebe, vom Kopf Jesu gehen vermutlich zwei Ähren diagonal ab. Ebenfalls sind ein Alpha- und ein Omega-Symbol zu erkennen. Der Altar scheint in einer Raumnische zu stehen.

Seitenaltar

Das Seitenaltar der Kirche, Q: Archiv Ss. Corpus Christi

Das es sich um den Seitenaltar handelt, lässt die Auffindesituation der Bilder herleiten. Beide sind auf ein Blatt geklebt. Rechts steht Christkönig-Kapelle, darunter Hauptaltar mit dem Pfeil zum oben beschriebenen Kunstwerk. Daraus folgere ich, dass es sich bei dem anderen Bild um den Seitenaltar handelt, zumal dort kein Tabernakel ist. In einer grafischen Gestaltung ist hier ebenfalls streng geometrisch der Auferstandene Christus zu erkennen, zu seinen Füßen sechs Männer und Frauen unterschiedlichen Alters und Standes. Die Inschrift ist im gleichen Stil wie oben und grenzt gleichzeitig die himmlischen Sphären ab. Dort steht zu lesen: „DIE STIMME DES RUFENDEN IN DER WÜSTE SIE BEREITET DEN WEG DES HERRN“. Abermals ein klarer Bezug auf das Wirken des Johannes des Täufers.

Würdigung

Schließlich weiß ich nicht viel mehr über die Kapelle als, was ich in den Bildern gesehen und hier beschrieben habe. Mich fasziniert jedoch die Qualität der Kunstwerke, die Fülle an Gottesdiensten und die Existenz des Hauses für zehn Jahre. Heute aus der Erinnerung und der Stadt gelöscht und trotzdem gab es das Christkönighaus im Friedrichshain mit seiner durchbeteten Kapelle. Ein Ort für Menschen die Hilfe brauchten und ein Ort gelebter Nächstenliebe. Zudem ein Sakralraum der Zwischenkriegsmoderne, den ich hiermit dem Vergessen ein Stück entreiße.

Hier ein KI-generiertes Bild, es zeigt eine lateinische Messfeier vor dem Hochaltar,
die Kolorierung ist kunstlich generiert, die echte Farbigkeit ist unbekannt.
Erstellt am 14.3.2026 mit ChatGPT.

Wer mehr dazu weiß, bitten melden! Unter: kmanthey@kirchenbauforschung.info oder über die Kommentarfunktion.

Weiterleitungen

Eine Kirche von Carl Kühn
Ebenfalls vergessen und zerstört
In Lübars

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