Christuskönig, Küstrin

Christuskönig in Küstrin (kriegszerstört, Tägliche Kirche, Nr. 81)

Christuskönig in Küstrin existiert heute nicht mehr. Daher ist schwierig dem Bau nach zu spüren. Doch diese und andere Kirche sind eine Erinnerung an die Veränderungen, die der zweite Weltkrieg für Menschen, Gemeinden und Grenzen bedeutet hat. Eine der späten Kirchen vor dem allgemeinen Bauverbot im Jahr 1938 war die neue katholische Kirche Christuskönig in Küstrin, der Garnisonstadt östlich der Oder. Der Bau lag zwischen Alt- und Neustadt in der Warnicker Straße. In dieser Straße wurde in den 1970er Jahren eine neue katholische Kirche errichtet. Übrigens berichtete Klaus Thiel 2012, er habe in den 1960ziger Jahre noch vor der relativ erhaltenen Ruine gestanden. Doch die Trümmersteine aus Küstrin wurden oft woanders in Polen wieder verbaut.

Außenbau von Christuskönig

Erbaut hatte diese übrigens der Berliner Architekt Wilhelm Fahlbusch (1877-1962).  Ein Kirchenbaumeister der behutsam die Moderne in den regionalen katholischen Sakralbau brachte. Die Gemeinde in der Oderstadt, war eine Gründung von der Katholischen Enklave Neuzelle aus. Damit gehörte Küstrin später zum Erzbistum Breslau. Seit 1861 gab es eine einfache Kapelle. In den 1930er Jahren wurden schließlich die Pläne für einen größeren Neubau realisiert. Dabei kam ein Großteil der Gelder vom Bonifatiusverein und der Wehrmacht. Da dort auch Militärs den Gottesdienst besuchten, dann die Garnison bestimmte das Leben der 21.500 Einwohnerstadt und war ebenso Ursache ihres Untergangs 1945.

Christuskönig, Küstrin
Turmansicht der Kirche Christuskönig von Wilhelm Fahlbusch, Foto vom Februar 1938
Q: PfAR Frankfurt, Bildmappe 16

Der Innenraum von Christuskönig

1936 genehmigte Erzbischof Kardinal Bertram den Bau. Die neu-sachliche Kirche überzeugte durchaus mit Größe und Weite. Allein die Christuskönigskulptur über dem Eingang war überdies 2,5 Meter groß.  Trotz einfacher Baustruktur wies die Kirche einen sehr wirkmächtigen Innenraum auf. Klaus Thiel erinnert sich:

„Von außen war sie durch ihre klaren Formen bestechend schön, aber das Innere wurde durch die großen, bis zum Fußboden reichenden Glasfenster bestimmt – es war eine Kathedrale des Lichts, kein Gebäude, das sich zwischen die Andächtigen und den lieben Gott zu stellen versucht. Und dann die überwältigende Fülle der Eindrücke! Die Musik, das Licht, das durch die farbigen Fenster brach, die Messgewänder, der Weihrauch! Eine katholische Messe wendet sich ja nicht nur an den Verstand, sondern bewusst an alle Sinne der Gläubigen. Für mich nüchternen kleinen Protestanten musste dieses “Gesamterlebnis” einfach überwältigend sein.“
(Klaus Thiel: Die vier Küstriner Kirchen, 2012, auf den Seiten des Museums Küstrin)

Blick durch die Tür / Innenansicht
Blick durch die Tür / Innenansicht Q: Cuestrin.de, Andy Steinhauf

Schluss

Bereits Ende des Krieges war die Kirche stark zerstört. Damit ist der Bau wohl einer der am kürzesten existierenden Kirchen im Berlin-Brandenburgischen. Das Weihejahr der Kirche ist unklar. 1938 wurde sie bereits genutzt. Vermutlich gab es eine Benediktion (Einweihung zur Nutzung) und eine extra Konsekration (pontifikale Altarweihe als festliche Kirchweihe). Thiel schreibt, dass die Kirche nur sieben Jahre bestand hatte, passt also soweit. Zur weiteren Geschichte der geflohenen deutschen Gemeinde finden Sie in diesem Artikel mehr. In Küstrin wurden zunächst nur Eisenbahner und Fabrikarbeiter der Papierfabrik angesiedelt. Die Stadt war zunächst gesperrt. Doch 1946 gab es wieder erste Gottesdienste in der ehemaligen Alt-Lutherischen Kirche, ebenfalls in der Warnicker Straße. Ehe es zu einem Kirchneubau kam. Christuskönig von Wilhelm Fahlbusch ist ein fast vergessener Sakralbau, den man nun hoffentlich etwas besser kennt. Wer mehr über diese Kirche und ihre Geschichte weiß, ich freue mich über eine Nachricht.

Weiterführungen

Die Reihe: https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

Hier geht es zur sehr guten Seite über Küstrin von Andy Steinhauf

Lebensbericht von Matthias Stenzel auf den Seiten des Vereins für die Geschichte Küstrins: https://www.vfdgkuestrins.de/texts/110-meine-ersten-12-jahre-in-kuestrin-1933-1945.html

Bericht von Klaus Thiel aus dem Jahr 2012 auf den Seiten des Museums Küstrin: http://archiwum.muzeum.kostrzyn.pl/ARCH/2012/W2012/18KWIETNIA/niemiecki.pdf

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