Das Tischgebet (Kalender 16)

Das Tischgebet ist ein Werk von Fritz von Uhde (1848-1911) aus dem Jahr 1885. Die Werke des ehemaligen Offiziers und Künstlerautodidakten waren in seiner Zeit weit verbreitet. So wurden sie beispielsweise regelmäßig über die bekannten Schokoladenbildchen der Marke Stollwerck publiziert. Ferner orientierte Uhde sich an u.a. an den Altniederländern und bezog impressionistische Malweisen in seine Arbeit ein. Somit entstanden eine besondere Farbigkeit und ein eigener Pinseldukuts. Ebenso wählte Uhde, der später in München zum Professor avancierte, oft ganz alltägliche Sequenzen als Bildthemen. Darüber hinaus befasste sich der Künstler mit christlichen Szenen. Dabei ging es um neutestamentlicher Bildthemen genauso wie um alltägliche Momente religiösen Lebens. Allerdings brachte der Maler diese durchaus belehrenden Sujets in direkte Verbindung mit den Menschen seiner Zeit, des späten 19. Jahrhunderts. Indem er die Situation in Räumen und mit Menschen jener Jahre inszenierte. Dadurch entstand durch Fritz von Uhde ein „Arme-Leute-Jesus“. Zwar wurde solch einen lebensnahe Darstellung nicht zuletzt von kirchlicher Seite beargwöhnt. Dennoch wurden seine Bilder genau dadurch beliebt.

Fritz von Uhde, Das Tischgebet, 1885, Detail, Foto: K. Manthey 2007

Zum Bild „Das Tischgebet“

Bei unserem Bild wird das Tischgebet anscheinend Realität. Und zwar dergestalt, dass die gesprochene Formel: „Komm Herr Jesus, sei unser Gast und segne was du uns bescheret hast“ zutrifft. In ein einfaches Familienheim kommt der Gottessohn. Dort wartet der Eintopf schon auf den Verzehr. Vermutlich hätte der Vater gleich zum Gebet angehoben. Da kommt Jesus (vielleicht ist er sogar erschienen), er schreitet zum Tisch hin. Denn „alle Augen warten auf dich, denn du gibst Speise zur rechten Zeit“ wie es im Psalm 145,15 heißt. Vielleicht wird er sich dazu setzen. Viel wichtiger jedoch ist das verbildlichte Zeichen, der Gottessohn ist da, mitten unter den bittenden Menschen. Er nimmt Anteil an dem Mahl dieser Familie. Für mich ist dieses Bild, welches ich seit über 15 Jahren kenne, darum immer ein wichtiges Ziel bei einem Besuch der Alten Nationalgalerie in Berlin. Mag es manch einem zu einfach, zu plakativ, zu kitschig sein, mich bewegt es sehr. Uhde zeigt hier eine Frömmigkeit und ein Vertrauen, die uns oft verloren gegangen sind.

Fritz von Uhde, Das Tischgebet, 1885, Ausschnitt, Foto: K. Manthey 2007

Würdigung

Obwohl es auch kirchliche Kritik an dieser „Vereinfachung“ heiliger Themen gab folgten auf den Münchner Professor Uhde weitere Künstler, welche die alltägliche Darstellung christlicher Inhalte weiterführten. Infolgedessen kam es zu einer stärkeren Nähe von Lebenswelt der Betrachter und dem Dargestellten. Wenn wir in der „Sakralkunst“ nach 1918 verstärkt Alltagsfiguren, wie Arbeiter, Bäuerinnen, Kinder in üblicher Kleidung u.v.m. wahrnehmen können, liegt das auch an der populären Kunst eines Fritz von Uhde.

Weiteres im Netz

Informationen zu dem Werk auf den Seiten der Staatlichen Museen zu Berlin https://smb.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=143863

Ein ganz anderes Bild jener Zeit

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