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Hinterglasbild: Heilige Familie (2025-28)

Hinterglasbild, das ist ein auf die Rückseite einer Scheibe Glas gemaltes Bild. Anders als, z.B., Kirchenfenster benötigen diese Werke kein durchstrahlen des Lichtes um zu scheinen. Stattdessen werden der Glanz und die Farbkraft des Trägermaterials so ausgenutzt. Dafür muss das Bild gespiegelt gemalt werden. Die Hochphase hatte diese Technik in der Volkskunst seit dem 18. Jahrhundert. Dennoch gibt es diese Gattung bereits im späten Mittelalter sozusagen parallel zu Fensterkunst. Im süddeutschen und österreichischen Raum sind Hinterglasgemälde oft als Votive in Kirchen zu finden. Außerdem werden dort weiterhin in Manufakturbetrieben neue Bilder geschaffen, oft nach althergebrachten Techniken

Mein Bild an der Wand

Heilige Familie

Heute am Fest der Heiligen Familie (Übersicht der Beiträge zum Thema), der Erinnerung daran, dass Jesus, Maria und Josef neben ihrer einzelnen Leben ebenfalls Familie sind, möchte ich mein Kunstwerk dieser Art zum Thema machen. Zum einen ist das heutige Fest vor allem bei den einfachen Menschen beliebt, zum anderen ist es mir persönlich wichtig, da ich Familie habe und ohne diese nicht sein will. Sicherlich fasziniert viele, dass wir wenig über das Familienleben Jesu wissen und es daher von uns ausgeschmückt werden konnte und kann. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass es in Nazareth im Hause Josefs ein typisches Leben gab. Biblische Szenen wie die Suche nach dem 12jährigen Jesus, die Flucht nach Ägypten und das Geschehen rund um die Geburt zeugen davon.

Das Bild ohne Rahmen

Wie ich bei meinen Recherchen gelernt habe heißt der Bildtypus meines Kunstwerks: Heilige Familie auf Wanderschaft (Heiliger Wandel). Der Typus des Heiligen Wandel entstand im frühen 17. Jahrhundert in Folge der Gegenreformation. Die Familie wird als Gehende dargestellt, der junge Jesus schreitet dabei oft zwischen den Eltern und wird an der Hand gehalten. „Das Andachtsbild symbolisiert das Schreiten auf dem Lebensweg und soll zu christlicher Lebensführung ermahnen.“ (Q: Auktionshaus Fischer, unter: https://www.auctions-fischer.de/kataloge/online-kataloge/195-ii-kunst-antiquitaeten.html?kategorie=36&artikel=7955&L=&cHash=5f3516b407, Zugriff: 28.12.25)

Hinterglasbild mit der Heiligen Familie

Meine liebe Frau brachte mir im letzten Jahr ein wunderbares Geschenk mit. Einen Flohmarkt von Usedom ein Hinterglasbild mit der Heiligen Familie. Darauf die drei bekannten Mitglieder der Familie vor deinem Baum. In dessen Krone ein Vogel, wohl eine Taube als Zeichen des Heiligen Geistes. Hingegen fehlt ein Gottvater um die Dreifaltigkeit zu vervollständigen.

Der Vogel im Baum

Das Kind in der Mitte der Eltern ist bereits größer, vielleicht sogar genau der 12jährige. Maria und Josef tragen die üblichen Gewänder in rot und blau. Außerdem halten beide den Knaben und der Ziehvater zudem Blumen mit weißem Tupfer, wohl als Unschuldigkeitssymbol Mariens. Gekauft wurde es von einer Dame, deren Schwiegermutter es einst gemalt habe. Da für die katholischen Flüchtlinge aus dem Osten, d.h. vermutlich einem der Ostseebistümer Danzig oder Ermland bzw. den (hinter-)pommerschen Teilen des Bistums Berlin, keine Bilder da waren.

Nahsicht mit Rahmen

Nun ist das herstellen einer Hinterglasmalerei keine Leichtigkeit. Also muss die Künstlerin die Technik des Auftragens der Vorzeichnung und der Farben gekonnt haben. Zudem lehnt sich die Gestaltung des Bildes dicht an bekannte Heilige-Familie-Bilder hinter Glas an. Somit wurde hier ein bekannter Typus reproduziert mit der Besonderheit, dass mein Bild spiegelverkehrt ist. Daher scheint die Künstlerin bewusst oder aus praktischen Gründen diese Regel der Hinterglasmalerei missachtet zu haben. Gut möglich, dass es keine Möglichkeit gab ein Spiegelbild zu erzeugen.

Hier eine sehr passende Vorlage aus dem Kunsthandel
Q: https://www.auktionshaus-wimberger.de/produkt/0436-hinterglasbild-hl-familie-19-jhdt/

Wie immer freue ich mich über Hinweise!

Würdigung von meinem Hinterglasbild

Für mich bleibt mein Geschenk ein Faszinosum. Denn wie es entstanden ist und woher die Urheberin stammt bzw. wie es zu der Bildidee kam bleibt im Dunkeln. Dennoch am heutigen Festtag, dem der Heiligen Familie, denke ich an alle Familien in Sorge und Leid und auch an uns mit unseren vollen Alltagen. Außerdem denke ich an die Künstlerin von der Ostsee, die in den Nachkriegsjahren, vielleicht zum Trost und als gemaltes Gebet diesen kleinen Schatz schuf. Es ist auf jeden Fall ein Unikum, da es nicht der althergebrachten Aufbaus folgt sondern spiegelverkehrt ist. Ebenso frage ich mich, woher die Künstlerin das Ursprungsmotiv kannte und hatte. Zudem finde ich „meine“ Umsetzung des Motivs gelungener als andere. Übrigens, den Preis dieses Kaufs hat mir meine Gattin bisher nicht verraten wollen.

Die Rückansicht

Weiterleitungen zu Hinterglasbildern, der Hl. Familie u.a.

Die Seiten der Restauratorin und Wissenschaftlerin Susanne Bretz:
https://bretz-hinterglas.com/hinterglasmalerei/

Ein Beispiel im Bestand des Spencer-Museum, in Kansas USA:
https://spencerart-temp.ku.edu/art/collections-online/object/43008

Noch im Handel:
https://www.hinterglaswerkstaetten.com/Produkte/Namens-Patrone/Familie.html?listtype=search&searchparam=Heilige%20Familie

Eine Museumskirche mit dem Patronat
Eine Kühn-Kirche aus Berlin
Hl. Familie von Ämir
Ein barocker Bildstock

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