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Abendmahlbilder – St. Vitus Kloster Gröningen

Abendmahlbilder sind eine typische Ausstattung von Kirchen. Natürlich als der Bezug zum letzten Abendmahl Jesu mit seinen Freunden. Für uns Christen eigentlich das erste Abendmahl, wie eine Kollegin unlängst klugerweise betonte. Denn für uns beginnt mit der Gründonnerstagsszene unsere Beziehung zu dem Mahl mit Christus und die Geschichte einer unterschiedlichen Auslegung und dadurch auch Kirchenspaltung. In der Kunst gibt es das Motiv wohl seit Beginn der Darstellung biblischer Szenen. Zumindest finden sich erste Szene mit Bezug zum Mahl bereits in der Wand- und Deckenmalerei der frühchristlichen Katakomben Roms zw. 200 und 400. Ein berühmter Höhepunkt ist das Wandbild Leonardo da Vincis Il Cenacolo von 1495-98 in Santa Maria delle Grazie in Mailand. Dies ist wohl die prägende Komposition bis heute.

Abendmahlbilder in St. Vitus

Die Klosterkirche

Die Kirche St. Vitus

Gleichzeitig bekommen Darstellungen des letzten Abendmahls in Folge der Reformation in den Lutherischen Kirchen eine neue Bedeutungssteigerung. Nun wird es üblich an frühneuzeitliche Altären nahezu jedes Mal eine Abbild dieser Szene anzubringen. Dabei ist es im 16. und 17. Jahrhundert, meiner Erfahrung nach oft an der Predella angebracht. Dem Bauteil auf dem des Retabel steht. Meistens ist dies schmal und daher wird eine breitgezogene Tischsequenz genutzt. Als ein Beispiel sei nur der schöne nachreformatorische Altar in Horka, Oberlausitz, genannt. Als Hauptbild im Mittelteil des Aufsatzes kommt dann gut lutherisch eine Kreuzigungsszene.

Der Altar im Ostchor im ganzen

Der Altar im Chor

In der ehemaligen Klosterkirche der Benediktiner in Kloster Gröningen, Sachsen-Anhalt, St. Vitus, ist ein wichtiges Stück der mitteldeutschen Romanik erhalten. Zwar ist das 936 gegründete Kloster mit seiner Kirche, dass 1550 schließen musste, nur noch im Teil erhalten, dennoch eine echte Perle. Doch das muss wann anders thematisiert werden. Ich sage nur: Kapitelle, Berühmte Emporenbrüstung mit dem Pantokrator (Original im Bodemuseum), Wandmalerei in der Westkrypta, neuromanische Farbgestaltung, gotische Ausstattung u.v.m. Im Ostchor des lange als evangelische Kirche genutzten Sakralraums, befindet sich seit einige Jahren ein spätmittelalterlicher Marienaltar, wohl aus einer anderen Kirche der Stadt.

Das Bild im Gesprenge

Die Abendmahlbilder

Detailansicht der Szene im Gesprenge

Auf dem dreiflügligen Schreinaltar mit Maria und den Heiligen steht als Gesprenge ein Aufbau mit mit eher volkskünstlichem Rahmen, darin eine Abendmahlsequenz. Weswegen das interessante Bild nach oben gewandert ist bleibt unklar. Für normal wäre es ja, die nun holzfarbene Predalla gewesen. Außerdem ist diese Bild insofern spannend, dass es gut gemacht ist und eine fast mystische Szenerie der Sequenz zeigt. Um einen eckigen Tisch herum sitzt die Abendmahlsrunde, die Seite mit Jesus liegt im Lichtschein, die Rückefiguren eher im dunkel. Als wäre das nicht schon verwunderlich genug, fiel mir beim Gang durch die Kirche ein schwarz gerahmtes Abendmahlsbild an einem Pfeiler im Langhaus auf. Dort eine etwas weniger kunstvolle Darstellung. Deren Abmaße hingegen, nach Augenmaß, wunderbar in die Predalla passen würden.

Das Bild an der nördlichen Langwand, vermeintlich einst in der Predalla

Überlegungen zu den Gröninger Bildern

Gehen wir also nun davon aus, dass beide Bilder im Zusammenhang mit dem später dazugekommenen Altarwerk gehören. Dann ließe sich folgende Geschichte rekonstruien. Zunächst kam das einfachere Bild in der Predalla an den Altar, damit wurde ein katholisches Stück mit Marienbild in der frühen lutherischen Zeit nutzbar gemacht. Irgendwann wanderte das Motiv ins Gesprenge, darüber eine Kreuzigung. Somit war der vertikale Erzählzeitstrahl des Altares wieder hergestellt. Maria als Gottesmutter in der (zu prominenten) Basis, dem Retabel, das Abendmahl als Heilszeichen im Gesprenge, direkt unter der Reformationstheologie wieder mehr betonten Erlösungszeichen, der Kreuzigung. Und ein doppeltes Abendmahl am Gründonnerstag – gesegtnetes Triduum!

Weiterführende Links

Die Klosterkirche bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Gröningen

Das Abendmahl bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Abendmahl_Jesu

In der Autobahnkirche Duben gibt es auch eine protestantischen Abendmahl-Kanzelaltar:
https://kirchenbauforschung.info/2025/02/09/autobahnkirche-duben

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