Tägliche Kirche, Nr. 92, Zum Guten Hirten, Berlin-Friedrichsfelde

Zum Guten Hirten zählt zu den Kirchen, die in der DDR-Zeit mit Devisen ermöglicht wurden. Dabei kam der Kirchenbau inmitten von Plattenbauten zu stehen. Zuvor gab es dort in Friedrichsfelde seit 1906 eine Notkirche. Diese war ein umgebauter Stall und wurde nach Kriegszerstörung wieder aufgebaut. Schließlich kam es in den 1983 zur Abtragung der Kirche und zum Neubau. Dabei soll die Notkirche durchaus noch nutzbar gewesen sein. Doch nun ging es voran und ein neue Kirche entstand.

Die 1906 geweihte 1. Kirche in Friedrichsfelde, hist. Ansichtskarte, Q: Slg. Manthey

Umstände

Die Rote Außenwand, Foto: K. Manthey, 2017

Deren besonderes Merkmal ist die rote Klinkerwand die ebenfalls den Giebel der Kirche bildet. Es war ein Phänomen, dass diese durch Westmark errichteten Kirchenbauten viel Kosten durften. So wählte man auch hier teurere Bauformen und -Stoffe. Als Architekten wurden überdies Rainer Rietsch, Walter Krüger und Bernd Stich, Mitarbeiter der staatlichen Bauakademie in Ost-Berlin, verpflichtet. Doch diese mussten in vielen Sitzungen erst einmal lernen, wie eine katholische Kirche zu bauen ist. Ebenso wurde dabei herausgearbeitet welche Bedarfe die Gemeinde hatte.

Der Innenhof, Foto: K. Manthey, 2017

Der Bau

Sicht von der Kurzen Straße auf die Kirche, Foto: K. Manthey, 2018

Es entstand eine Baugruppe aus Kirche, Pfarr- und Gemeindehaus. Aufgrund der Roten Klinkerwand wirkt der Stahlbetonbau gleichzeitig von der Straße her abgeriegelt. Ob dies ein bestreben des Staates oder der Kirche war bleibt unklar. Äußerlich nimmt die Kubatur das Zelt Motiv auf. Dabei wirkt es fast so als würde sich der Dachfirst als Zelt von dem höchsten Punkt der Fassade zum Glockenträger gespannt sein.

Grundriss von Zum Guten Hirten, Q: strasse-der-moderne.de / http://www.strasse-der-moderne.de/wp-content/uploads/2015/11/Berlin_Zum_Guten_Hirten_GrundrissWEB_ap.jpg (Zugriff: 20.6.20)

Der Grundriss der gesamten Kirche ist ein durch einzelne Scheiben durchbrochenes Parallelogramm. Hierbei ist ein Teil als Windfang und für Nebenräume, wie die Sakristei abgeteilt. Daher ergibt sich für den eigentlichen Kirchenraum eine sechseckige Grundform.

Der Kirchenraum, Foto: K. Manthey, 2018

Weiterhin ist der Innenraum durch eine große Diagonale, einen Träger an der Holzdecke in der Art eines Kiels, geteilt. In drei Bankgruppen ist die Gemeinde um den Altar versammelt. Dieser steht vor einer Wandscheibe, welche von Fensterbänder flankiert wird.

Einschätzung

Zum Guten Hirten ist ein Zeitzeugnis der letzten Kirchenbauphase in der DDR. Beeindruckend allemal, dennoch werden im Innenraum einige Fragen über die liturgische Funktionalität deutlich.

Der Altarraum mit einem grellen Bild des Patronats, Foto: K. Manthey, 2018

So beispielsweise ob der Altarraum ausreichend hervorgehoben wurde oder warum eine Zweischiffigkeit angedeutet und dann durch drei Bankreihen durchbrochen wird. Auch deswegen ist die Kirche bis heute unterschiedlich beliebt. Trotzdem passt dieser Bau gut in die durchaus auch uneinheitliche Umgebungsbebauung rund um den U-Bahnhof Alt-Friedrichsfelde.

Weiterleitungen

Die Reihe Tägliche Kirche im Überblick: https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

Die Tochterkirche
vergangene Einladung zur Kirchenführung mit anderen Bildern
Die Gemeindegeschichte auf der Homepage der Pfarrei

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