Neapolitanische Straßenszene (Kalender 23)

Weihnachtskrippen sind eine spätmittelalterliche Erfindung. Traten die aus Figuren zusammengestellten Szenen rund um das Weihnachtsgeschehen wohl zuerst in Klöstern auf, findet diese Miniaturszenerie ab 1600 ihren Weg in die Welt. Weiterhin kommt die Krippentradition vermehrt in die Familien und in die Kreise der Adligen und gehobenen Stadtbevölkerung. Besonders im 18. Jahrhundert treten die Krippen nun ihren Siegeszug an. Dabei stellt Neapel im Süden Italiens die prominenteste Krippenstadt dar. Dort gibt es eine lange Tradition. Die Krippe (Il Presepe) wird dort am 8. Dezember aufgestellt. Dies ist übrigens das Hochfest der Empfängnis Mariens (deren Geburtstag am 8. September begangen wird).

Was wird gezeigt

Die Szenerie der Krippen ist dabei unterschiedlich. Gern werden besonders alltägliche Szenen gezeigt, beispielsweise ein städtischer Markt oder Platz mit vielen Figuren und Einzelheiten. So zum Beispiel auch die hier gezeigte Straßenszene aus dem Bayrischen Nationalmuseum in München.

Ein Mann mit Esel, geht zum Markt, Foto: K. Manthey 2020
Derweil im Hintergrund, Foto: K. Manthey 2020

Das Jesuskind kommt natürlich erst am Heiligen Abend dazu. Zudem unterscheiden sich neapolitanische Krippen von Jahr zu Jahr. In einigen Regionen werden Krippen darüber hinaus das ganze Jahr gezeigt und ebenfalls nach den Festen im Kirchenjahr umgebaut (Jahreskrippen). Die kunstvolle Welt der neapolitanischen Krippen sowie ihrer Figuren und ihre unterschiedlichen Darstellungsweisen des Kindes in der Krippe besticht Liebhaber, Sammler und Kunstinteressierte weltweit.

Die »Presepe napoletano« (neapolitanische Krippe) wird dazu durch ihre sehr naturgetreue, filigrane Machart und Ausstattung der Figuren (»Pastori«) bestimmt. Hinzu kommen mannigfaltiges Zubehör, beispielsweise Töpfe, Früchte oder andere Marktwaren, die »Finimenti« heißen sowie Architekturelemente, die meist als Kulisse fungieren. Große Meisterwerkstätten mit speziell ausgebildeten Handwerkern schufen ferner eine Fülle von Darstellungen der Geschichte der Geburt Jesu. Weiterhin liefern diese Kunstwerke Einblicke in das Leben der normalen Menschen im barocken Neapel. Dabei wurden individuelle Charaktere als Figuren geschaffen.

Fokus auf das Jesuskind

Besonders Kunstvoll bleibt jedoch das Jesuskind in der Krippe dessen Großteils hervorragende Darstellungen die Kernaussage klarmachen: Gott wird Mensch. Die Begeisterung für die Krippe als kleines Theatrum sacrum (Heiliges Theater) ist bis heute nach wie vor ungebrochen. Bereits in der Zeit des Barocks zogen die Krippen im deutschen Raum ein. Auch hier mit ihren jeweiligen Eigenarten, schau man beispielsweise auf die Klosterkrippen in Oberbayern. Ein theologisches Motiv des Barock übrigens ist die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit in der Hoffnung auf eine Unendlichkeit. Übrigens wird derzeit die neapolitanische Krippe von St. Hedwig in der Katholischen Akademie in Berlin e.V. gezeigt.

Am Brunnen, Foto: K. Manthey 2020

Weiteres im Netz

Link zur Straßenszene im Bayrischen Nationalmuseum München
https://www.bayerisches-nationalmuseum.de/index.php?id=498&tx_paintingdb_pi%5Bp%5D=3&cHash=67f70d4caa29f5374288d807a3203370&L=1

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