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- Author: Konstantin Manthey
- Posted: 29 März, 2026
- Category: Aktuelles
Palmesel und Totengedenken in Bernau
Palmsonntag, Jesus zieht in Jerusalem ein und die Menschen bedecke für ihn den Weg mit Zweigen. Er reitet auf einem Esel, zwar ein wichtiges Arbeitstier aber nicht des Reittier der Könige. Sein Einzug, ob nur Legende oder nicht, ist ein Symbol gegen geltende Herrscherbilder. Für uns Christen beginnt so die heilige Woche. An deren Ende steht Ostern, nichts Geringeres als die Auferstehung von den Toten. Als ich heute die Palmenweihe, bei uns in der Region verwendet man stattdessen Buchsbaumzweige, und die Prozession in die Kirche erlebte erinnerte ich mich an das Bild des Palmesels in der St.-Marien-Kirche zu Bernau.

Der Palmesel der Marienkirche in Bernau (b. Berlin)
Die Marienkirche in der Hussitenstadt Bernau zählt zu den besterhaltenen Stadtkirchen der Mark Brandenburg, reichhaltige Ausstattung vom Mittelalter bis heute neben dem berühmten dreifach wandelbaren reich ausgeschmückten Hochaltar aus der Zeit um 1515, gibt es Wandmalerei und Skulptur des Spätmittelalters. Darüber hinaus Totenkronen und anders Ausstattung aus den evangelischen Jahrhunderten sowie mindestens ein Kunstwerk des Expressionismus – dazu später noch mehr. Darunter eine für den Norddeutschen Raum seltene Holzfigur auf Rädern, einen Jesus auf einem Esel. Diese Prozessionswagen sind vor allem für den süddeutschen Raum bekannt.

Dass am Palmsonntag Prozessionen abgehalten werden, die sich auf das biblisch berichtete Ereignis des Einzugs Jesu in Jerusalem beziehen ist seit dem 7. Jahrhundert bekannt. Seit dem 10. Jahrhundert ritten Geistliche auf Eseln im Rahmen dieser Liturgie. Schließlich soll ab dem 13. Jahrhundert Eselfiguren mitgeführt worden sein auf denen Jesus saß. Die meisten heute überlieferten Stücke sind aus dem Spätmittelalter um 1500. Das wiederum passt zu Bernauer Kirche, die in dieser Zeit eine Blüte erfuhr, kurz vor der Reformation. Dort befindet sich ein solches Stück. Als ich zu Besuch war stand der Palmesel in der Südkapelle, die dem Totengedenken gewidmet ist. Damals waren bereits Farbschichten abgenommen, vermutlich ist er nun restauriert. Jesus sitzt auf dem Esel, sein Blick ist starr nach unten auf den Weg gerichtet. Seine linke zeigt einen Segensgestus, die rechte Hand hielt wohl etwas. Das fahrbare Untergestell ist deutlich später, vermutlich eine Ergänzung. Mehr kann ich zu diesem Objekt derzeit nicht sagen. Auffällig ist neben der Seltenheit dieser Figuren im Norden Deutschlands noch ein weiteres Kunstwerk.

Foto: K. Manthey 2024
Totengedenkmosaik von Ewald Dülberg
In der zweigeschossigen Südkapelle der Kirche zur Innenstadt Bernaus hin sind u.a. unten Grabsteine und Totengedenktafeln zu sehen sowie oben ein Mönchschor. An der Westwand befindet sich ein Mosaik von Ewald Dülberg. Dieser kam am 12.12.1888 in Schwerin zur Welt und starb am 12.7.1933 in Freiburg. Dülberg hieß eigentlich: Emil Franz Constantin Dülberg. Es war in vielen Gebieten der Kunst tätig u.a. als Maler, Bühnenbildner, Regisseur, Textilkünstler und Holzschneider. Stilistisch zählt der zeitweilige Hochschullehrer am ehesten zum Expressionismus. Vor blauem Hintergrund treten verschieden große Kreuze hervor. Ganz im Vordergrund in rot die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindeglieder. Das Kreuz in der Mitte überragt die anderen, es ist in weiß gehalten, die anderen dunkel. In seiner Vierung der Balken steht in Gold: „DAS REICH MUSS UNS DOCH BLEIBEN“. Dies meint sicherlich das himmlische Reich.

Weder ist bekannt, wie es zu Dülberg kam, er war als Professor bis 1931 in Kassel und Weimar im Staatsdienst. Doch da das Werk links unten mit seinem und rechts mit dem Namen der Werkstatt Puhl, Wagner und Heinersdorff beschriftet ist, ist Ewald Dülberg eindeutig als Künstler der Totengedenkens von Bernau zu identifizieren. Die Entstehungszeit ist auf zwischen 1919 und 33 einzugrenzen, da in dem letzten Jahr der Künstler stirbt. Wahrscheinlich ist sogar 1926-33, denn oft kam das künstlerische Gedenken erst ab Mitte der 1920er Jahre in die Kirchen. Vielleicht kam der Künstler erst nach seiner Zeit als Kunstprofessor, also nach 1931 und über die Berliner Mosaikwerkstätten zu dem Auftrag. Diesen Fragen werde ich weiter nachgehen.


Würdigung der beiden Ausstattungen
Auf jeden Fall freue ich mich über diesen Zufallsfund. Da wollte ich einen mittelalterlichen Palmesel und finde ein Kunstwerk der Zwischenkriegsmoderne, zudem noch von einem bekannte expressiven Künstler, der später sogar von den Nazis als „entartet“ geführt wurde. Zudem passen beide besonders heute, am Palmsonntag 2026, inhaltlich gut zusammen, obwohl sie Jahrhunderte trennt. Denn das Reich, das bleiben muss ist das Paradies, oft gleichgesetzt mit dem himmlischen Jerusalem. Dorthin zieht Jesus auf dem Esel. In der Stadt wird er verurteilt und schließlich qualvoll sterben, so wie auch viele Soldaten in den Kriegen der Welt. Von Christus glauben wir die Auferstehung an Ostern, für unsere toten erhoffen wir diese. Eine gute Heilige Woche!
Links zum Thema Palmesel und Totengedenken
Mehr zur Marienkirche in Bernau:
https://www.kirche-bernau.de/gemeinden/st-marienkirche-zu-bernau
Eintrag zu Ewald Dülberg bei wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ewald_Dülberg





