Neues Kühnprojekt – Kapelle auf dem St.-Matthias-Friedhof, 1914

Mit dem Anwachsen der Stadt Berlin und somit auch der Zahl von Katholiken wuchs der Bedarf an katholischen Friedhöfen. Zumal, den Kulturkampf in den Knochen, ungern auf evangelischen Friedhöfen bestattet wurde.
So erschien es dem Pfarrer von St. Matthias auf dem Winterfeldplatz als besonders wichtig hier Abhilfe zu schaffen. 1891 erwarb Pfarrer Kappenberg in den „Rauhen Bergen“ von Mariendorf die ersten 20 Morgen. Die erste Leichenhalle war derart einfach, dass es aufgrund ihrer Unwürdigkeit bereits kurz nach der Errichtung Proteste gab.
So bat man Carl Kühn, der sich bereits mit der St. Norbert-Kirche bewährt hatte um einen Entwurf. Dieser wurde auch bei den Baubehörden eingereicht, die Genehmigungen mehrfach durch den ersten Weltkrieg hindurch verlängert, und schließlich verworfen.

Carl Kühn, Ansichten zum Projekt: Friedhofskapelle, Mai 1914
Q: Pfarrarchiv St. Matthias, Berlin

Mittlerweile war der Bedarf noch einmal gewachsen Graf von Galen, der damalige Pfarrer von St. Matthias, hatte den Friedhof vergrößert und versuchte dort ein Kloster einzurichten. Statt Kühn war nun ein junger Architekt Gerlach gefragt, ein Sohn der Pfarrei.
Auch Josef Weber plante an dem Kirchhof mit. Er lieferte 1921 einen Vorschlag zur Gestaltung der Gesamtanlage. Die Kirche wurde samt Kloster für die Herz-Jesu-Priester aus Hiltrup errichtet und 1927 durch Heinrich Gerlach fertiggestellt. Sie erfuhr verschiedenen Erweiterungen und fiel dem Bombenkrieg zum Opfer. 1953 konnte die Nachfolgekirche von Felix Hinssen eingeweiht werden.

Die St. Fidelis-Kapelle von Gerlach, nach der Zerstörung um 1941,
Q: Pfarrarchiv St. Matthias, Berlin

Das Projekt von Carl Kühn, hatte dann sicher niemand mehr im Sinn. Dabei ist diese Leichenhalle ein weiterer Beleg für das entwerferische Spielen mit barocken Formen.
Verschiedene Projekte waren im ersten Weltkrieg nicht realisiert worden, die dem „Prunkstil“ nachempfunden waren. Sicher auch als eine Replik auf süddeutsche, katholische Kirchen.

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