Tägliche Kirche, Nr. 24, Heilig Geist in Lychen, Brandenburg

Der erste fertiggestellte Bau von Carl Kühn nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, war die Kirche Heilig Geist in Hohen-Lychen, heute Lychen. Es galt als „märkisches Interlaken“, eine kleine Stadt umgeben von sieben Seen im Norden Brandenburgs. Zur Erholung lungenkranker Kinder wurde dort ab 1902 ein Sanatoriumsbetrieb eingerichtet. Ab Oktober 1904 gab es auf dem Gelände der Heilanstalt die Helenenkapelle für beide Konfessionen.

Die Helenenkapelle in Lychen
Foto: Hans G. Oberlack, 2017
Q: Wikipedia commons https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a9/Helenenkapelle_Lychen_2017_SW.jpg

Die Mutterpfarrei dieses Gebietes war ursprünglich im gut 44 km entfernten Prenzlau. Seit 1907 war ein Seelsorger in Templin tätig und 1912 entstand dort eine eigenständige Kuratie. Dazu zählte auch Lychen mit der Familie des Landwirts Anton Kleineidam, hier wurde der 1. Gottesdienst abgehalten. Unter Kuratus Kurt Ueberholz erwarb man ein Baugrundstück.

Carl Kühn, perspektivische Ansichten der katholischen Kirche in Lychen, 1933, oben die voll ausgebaute Kirche (nie realisiert), Q: PfAR Herz Jesu Templin

Baubeschreibung

Kühns Entwurf ist mit dem 19. April 1933, seinem sechzigsten Geburtstag, datiert. Das Skizzenblatt zeigt neben der zu erbauenden Kirche auch eine perspektivische Ansicht, die bereits eine mögliche Kirchenerweiterung zur Straße hin mit einbezog. Entstanden war ein verputzter Backsteinbau.

Straßenansicht Hl. Geist in Lychen, 1934, Foto: K. Manthey, 2014

An der Straßenseite wurde ein niedriger Turm mit quadratischem Grundriss und offener Glockenstube gebaut. Zur Straßenseite gliederte sich der Giebel durch drei hohe schmale Fenster. Die Langhausseiten sind durch niedrige Spitzbogenfenster durchbrochen. Der Altarraum ist auf der Nordseite ebenfalls spitzbogig befenstert. Der Bau wurde als Pauschalbau für 16 000 M errichtet.

Seitenansicht Hl. Geist in Lychen, 1934, Foto: K. Manthey, 2014

Innerhalb der Kirche ergab sich durch die Dachlösung ein hoher Raum. Das Ständerwerk der Holzkonstruktion teilt die Kirche in eine Art Hauptschiff und zwei Seitengänge. Der Laienraum hatte zwei Bankreihen (ca. 70 Sitzplätze). Im hinteren Bereich platzierte Kühn den Taufstein und an Giebelwand den Beichtstuhl. Der Chor ist eingezogen.

Innenraum von Hl. Geist in Lychen, 1934, Altarraumumgestaltung durch Paul Stippekohl, 1981, Foto: K. Manthey, 2014
Innenraum von Hl. Geist in Lychen, 1934, Blick zur Rückwand, Foto: K.

Für die Innenraumgestaltung liegen Skizzen von Carl Kühn vor. Zur Kommunionbank u.a. Ausstattungen lieferte er Detailskizzen. , die die Befestigung an der Wand und die Pfosten zeigt. Er notierte Anweisungen, wie diese zu arbeiten seien.

Carl Kühn, Entwurf für den Chorraum von Hl. Geist in Lychen, 1933,
Q: PfAR Herz Jesu, Templin

Die einfachen, bleiverglasten Fenster von Carl Busch enthalten verschiedene Familiennamen von Stiftern aus Lychen am unteren Rand. Die Benediktion hielt Nikolaus Bares, der zweite Bischof von Berlin, am 10. Juni 1934.

Stifterfenster vom Glasmaler Carl Busch, Foto: K. Manthey, 2014.

Wirkung

An Heilig Geist ist ersichtlich, wie umfassend Kühn in der Planung arbeitete, dies lag in der Effizienz und Kostenersparnis einer Konzeption aus einer Hand, begründet. Großteils wurden hier die Geldmittel durch die Gemeinde besorgt. Der Bonifatiusverein gab insgesamt laut Unterstützungsliste 2 100 M für den Bau. Heilig Geist ist der letzte Kühnbau des Turmgestaltung expressionistische Anklänge aufweist. Nun kamen Bauten, deren Bezüge in historischen heimatlichen Stilen lagen. So wie es die Staatsdioktrin im NS vorgab.

Links von draußen

Bilder der Helenenkapelle: https://www.uckermark-kirchen.de/uckermark_l-o/kirchenfotos_lychen_kapelle.htm#f01

Die Seite der Pfarrei: http://www.pfarrei-templin.de/

Weiterleitungen Innerhalb

Die Reihe im Überblick: https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

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