Tägliche Kirche, Nr. 60, Trinitatis in Wiesa (Erzgebirge)

St. Trinitatis in Wiesa im Erzgebirge ist kirchenbaulich eine Seltenheit. Denn 1904 wurde hier eine Kirche im Jugendstil eingeweiht. Auf einer Reise im Jahr 2007 konnte ich diese Sakralbau besichtigen. Der Jugendstil war aus heutiger Sicht nur eine kurze Stilepoche. Doch seine Bezüge zu Formbeispielen aus der Natur und die Bereitschaft somit Gestaltung neu zu wagen ist einmalig. Insofern ein Stil, der eigentlich auch zu Sakralbauten passt. Jedoch kam es nur zu wenigen Kirchen in dieser Bauform. Ein Grund dürfte in der Fixierung auf die Neostile, beispielsweise nach gotischen Prinzipien gewesen sein.

Kirchentür und Christusbild, Foto: K. Manthey, 2007

Die 1. Kirche

Wiesa war bereits seit dem Mittelalter Kirchort. Eine Kirche ist für die Zeit um 1500 vermutet. Doch dieser Bau war Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr ausreichend. Zwar war die Kirche baulich intakt. Doch entsprach er nicht mehr den Sicherheitsanforderungen und war zu klein geworden. Einige Zeit hieß es deshalb man wolle die Kirche umbauen bzw. erweitern. Dagegen sprachen jedoch verschiedene Stellen, wie das zuständige Amt in Annaberg. Schließlich können nur ein Neubau alle gestalten Anforderungen erfüllen. Mit dem Architekturbüro Schilling und Graebner aus Dresden gelang es Meister des Fachs zu gewinnen. Nichtsdestotrotz musste noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Denn all zuviel kosten durfte das Neubauprojekt auch nicht. Die Bauausführung lag bei der Firma Louis Brettschneider aus Annaberg. Dieser schuf dann zügig nach Beauftragung Fakten. So dass die alte Kirche abgerissen und Gräber umgebettet waren, als im Juni 1903 der Grundstein gelegt wurde.

Schilling und Graebner, Eine Entwurfsvariante, publiziert in Deutsche Bauzeitung (DBZ) Heft 3, 1903

Der Kirchenbau

Ursprünglich war eine Doppelturmfassade angedacht. Diese wurde als nicht zur Landschaft passend verworfen. Nachdem kam es zu mindestens einem Entwurf mit seitlich gestelltem Turm. Stattdessen kam es zur Ausführung eines bis heute weit sichtbaren Vierungsturms.

Auch die Ausstattung der Prinzipalstücke lieferte das Büro, d.h. Kanzel, Altar und Taufstein. Ebenso hatte man einen Orgelprospekt entworfen. Das Instrument der Firma Jehmlich jedoch wegen eines Baustopps im Winter 1903/04 bis zum Einbau ausgelagert werden. Die Weihe fand im November 1904 statt. Vor 13 Jahren war die Ausstattung nahezu vollständig bauzeitlich, so dass sich ein hervorragender Eindruck der Gedankenwelt von Architekten und Künstlern gewinnen lässt. Neben vielen lokalen Handwerkern zeichnet der Dresdner Kunstmaler Paul Perks für die reichhaltige Ausmalung verantwortlich.

Detail des Chorbogens (Darbringung?), gemalt von Perks, Foto: K. Manthey, 2007

Würdigung

Zeigt sich der Bau von außen zurückhaltend, findet man in den Details und im Inneren eine Vielzahl an kunstvollen Neuigkeiten. Diese „moderne Monumentalität“ zeichnete die Dresdner Architekten Schilling und Graebner aus. Wer bei einem Besuch in der Erzgebirgsregion die Gelegenheit hat sollte an und in der Trinitatis-Kirche einen Stopp einlegen und sich von den Ideen um 1900 berauschen lassen.

Weiterführungen im Netz

Alle täglichen Kirche, seit Anbeginn: https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

Seite der Gemeinde in Wiesa: http://kirche-wiesa.de/kirchen/kirche_wiesa/

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