19.XXII: Wandbild im Dominikanerkloster Berlin

Das Wandbild im Dominikanerkloster in Berlin begrüßte mich in diesem Jahr mehrfach. In Berlin Moabit besteht seit 1867 eine Niederlassung des Orden. Dort in Moabit nahe der damaligen Borsigwerke konnte der Vater des Klosters P. Ceslaus schließlich eine Kapellengemeinde gründen. Zunächst musste der Pater und seine Mitbrüder Klinken putzen „um die katholische Bevölkerung mehr zu aktivieren“ (Q: Geschichte des Klosters). Weiterhin kam es dann zum Erwerb eines Grundstücks, dort wurde das erste Kloster eingerichtet. Doch die Öffentlichkeit, angeheizt durch verschiedene Zeitungen, war über das Kloster erzürnt. Somit kam es im August 1869 zum Moabiter Klostersturm. Schließlich musste in den Folgen des Kulturkampfes 1875 das Kloster schließen. Erst 1887 konnte das Kloster wieder eröffnet werden. Die weitere lebhafte Geschichte wird heute hier nicht referiert, dennoch das Kloster mit der St. Pauluskirche von Engelbert Seibertz steht bis heute.

Das Wandbild

Wandbild von W. Plotzke OP am Ende des Eingangsbereichs, Foto: K Manthey 2022

Wer durch die Pforte das Haus betritt, sieht links am Ende des Flures dieses Wandbild. Darüber weiß ich noch nichts dennoch begeistert mich die Präsenz und Farbigkeit. Das Buch zeigt vermutlich den Ordensgründer, den Hl. Dominikus neben dem Kreuz. Im Hintergrund ist eine Stadtansicht zu erkennen. Darin vermutete ich übrigens zunächst Halberstadt. Denn von dort kamen aus dem 1810 aufgelösten Dominikanerkloster kamen die ersten katholischen Geistlichen in Berlin und Brandenburg im 18. Jahrhundert, wie z.B. der erste Seelsorger Potsdams, Raymundus Bruns OP. Hingegen dieser Vermutung fand ich später den Hinweis, dass es sich um eine Berliner Ansicht handelt.

Matthäus Merian, Merian Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae, Ansicht Berlins von Nordwest, 1652
via wikimedia commons Q: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berlin-1652-Merian_nordwest.jpg (18.12.22)

Dieser Hintergrund geht auf einen Stich von Matthäus Merian den Älteren zurück. Gut zu erkennen sind auf der Vorlage sowie auf dem Wandbild die zweitürmige Berliner Hof- und Domkirche, die aus der ursprünglichen Dominikanerklosterkirche in Kölln hervorging. Dort gründete der Orden um 1300 seine erste Berliner Niederlassung.

Detail mit der ehem. Dominikanerklosterkirche, Foto: K. Manthey, 2022

Das gutgearbeitete Bild mit reduzierten Details und die Farbigkeit sowie Flächigkeit weisen auf die Zwischenkriegsmoderne hin. Im Inventar von Dr. Christine Goetz fand ich dann einige Details: „Stadt Berlin nach Merian mit Dominikus unter dem Kreuz, Wandgemälde von W. Plotzke, 1937 (260 x 235 cm, spitzbogig)“ (Inv. Erzbistum Berlin, St. Paulus, Kloster, v. Dr. Chr. Goetz).

Der Künstler des Wandbilds, Wolfram Plotzke

Wolfram Plotzke wurde als Felix 1908 in Stettin geboren. Sein älterer Bruder war auch Dominikaner. Wolfram legte 1931 seine feierlichen Gelübde ab und wurde 1933 zum Priester geweiht. Neben seiner seelsorglichen Tätigkeit durfte er aufgrund seine Talents sich in der Malkunst ausbilden lassen. Als unser Wandbild entstand war P. Wolfram im Berliner Kloster zu dieser Zeit entstanden weitere zwei Wandbilder im Eingangsbereich des Klosters. Erst 1939 wechselte er als Seelsorger ins Dominikanerinnenkloster Christinenhof in Cappeln-Schwichteler. Die dortige neubarocke Kloster- und Pfarrkirche des 2015 aufgebenen Klosters von 1929, malte der Künstlermönch zehn Jahre später aus. Übrigens gibt es mindestens 12 Kunstwerke von Plotzke in Moabit. Ein Bild aus dem Jahr 1950, das Judas Thaddäus zeigt, ist wohl sein letztes Werk im Berliner Haus. 1954 starb Pater Wolfram Plotzke OP in Düsseldorf.

Wandbild von Plotzke, Ausschnitt mit dem Hl. Dominikus. Gut möglich, dass ein Mitbruder Vorbild für die Gesichtszüge des Ordensgründers war, Foto: K. Manthey, 2022

Links aus dem Kontext des Wandbildes

Geschichte des Berliner Klosters

Artikel auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfram_Plotzke

Eine Kirche von Seibertz

Bilder der Kirche in Cappeln-Schwichteler: https://www.thuelsfelder-talsperre.de/Region/24621-Cappeln-Schwichteler—St.-Maria-Immaculata.html

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