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St. Oswald, Buchen (Odenwald)

St. Oswald ist eine mittelalterliche Stadtpfarrkirche in die ich, bei einem kurzen Besuch in der Odenwaldstadt, hineingestolpert bin und einige Aufnahmen machen konnte. In Vorbereitung meines Kuraufenthalts in der Nähe, stieß ich auf diese Kirche. Aufgrund ihres mir bisher nicht untergekommenen Patroziniums, war die Kirche sogleich im Kopf. Bei dem Besuch des, mit für die Odenwaldregion ebenso typischen rotem Mainsandstein erbauten, Sakralraums bestätigte sich die ersten Vermutungen ein spannender Ort, für den ich zwar wenig Zeit hatte, dafür jedoch hier einiges vorstellen kann.

Zum Patron St. Oswald

Kopfreliquiar des Hl. Oswald, ca. 1185/89, aus dem Diözesanmuseum Hildesheim
Q: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Kopfreliquiar_des_heiligen_Oswald-WUS04553.jpg (9.2.24)

Oswald lebte du wirkte in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts. Seit Herrschaftsgebiete war Nordumbrien, ein Königreich auf den britischen Inseln, dort zählten Briten, Pikten und Schotten zu seinen Untertanen. Er war ein großer Förderer der Mission, vor allem des europäischen Festlandes. Somit kam es besonders im Süddeutschen Raum zur Verehrung des Heilige Königs. Da die Missionare die Geschichten des Königs verbreiteten und später auch zahlreiche Reliquien, des in einer Schlacht zerstückelten Königs. Oswald zählt im Alpenraum als Nothelfer. Zudem hielt man ihn für einen der Wetterherren. D.h. nach dem Wind an Oswalds Jahrestag richteten Bauern Ernte und Saat aus.

Über die Stadt Buchen

Luftaufnahme Buchen (Odenwald), Blick aus südwestlicher Richtung auf die Innenstadt, 2012
Q: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/99/Buchen-Aerial-2012-59.jpg
Christian Berberich, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0,
via Wikimedia Commons (9.2.24)

Das Gebiet von Buchen war bereits in der Urgeschichte besiedelt. Da unweit auch der Limes verlief gab es ebenso Siedlungen in der Römerzeit. Im 8. Jahrhundert gibt es im Zusammenhang mit einer Schenkung erstmals die Erwähnung des Ortes. Im 13. Jahrhundert bekam Buchen Stadtrecht und wurde alsbald kurz nach 1300 an Kurmainz verkauft. Für gut 500 Jahre, nach der napoleonischen Neugliederung gelangte Buchen schließlich nach Baden. D.h. es war ein Ort inmitten deutscher Geschichte. So wurde dort in Buchen auch der Reichsritter Götz von Berlichen, den Goethe bekannt machte, 1525 gegen seinen Willen zum Hauptmann eines Bauernhaufens verpflichtet.

St. Oswald, historische Außenansicht, Blick von Norden, Foto: Karl Weiß (1905-10), Q: Sammlung Bezirksmuseum Buchen, https://bawue.museum-digital.de/object/5606 (Zugriff: 9.2.24)

(Bau-) Geschichte der Kirche St. Oswald

Zur Zeit der Stadtgründung wurde erstmalig eine Pfarrei erwähnt. D.h. es gab einen Pfarrherren mit Rechten, Pfründen und Pflichten. Sicherlich gab es auch einen Gottesdienstort, wahrscheinlich bereits vor der Errichtung der Pfarrei. Da diese  erst errichtet wurden, wenn bestimmte Strukturen, wie ein Sakralraum vorhanden waren. Diese ersten Kirchenräume waren meist einfache Häuser, z.B. aus Holz oder Lehm, sowie auch die meisten Wohnbauten sehr einfach zu denken sind.

Die Sakramentsnische aus dem 14. Jahrhundert in der nördlichen Turmwand, dem ehemaligen Altarraum, Foto: K. Manthey, 2024

Um 1320 wird eine St.-Peters-Kirche beurkundet, ob dies ein älterer Bau war ist unbekannt. Schließlich wird diese niedergelegt und durch eine repräsentativere Kirche aus Stein und vermutlich in frühen gotischen Formen errichtet. Von dieser 1341 zu Ehren der Hl. Maria, der Apostel Petrus und Paulus und des Hl. Oswald geweihten Kirche sind noch heute Teile vorhanden: „die Untergeschosse von Langhaus und Turm, das Tympanon mit der Kreuzigungsdarstellung, die Sakramentswand an der nördlichen Turminnenwand.“
(Q: https://www.buchen.de/tourismus/sehenswuerdigkeiten/175-stadtkirche-st-oswald.html, 7.2.24).

Tympanonrelief über dem Portal mit der Darstellung einer Kreuzigung
aus der Mitte des 14. Jahrhunderts,
Foto: K. Manthey 2024

Spätgotische Veränderungen

Kurz nach 1500, in der Spätgotik, erfolgte ein erneuter Umbau zur dreischiffigen Staffelhalle, d.h. das mittlere Schiff ist leicht erhöht. Die Konsekration des neuen Hochaltars auf die Heiligen Oswald und Kilian erfolgte 1505. Dieser neue Bau maß 25 m in der Länge und 17 m in der Breite, also eine ordentliche Hauptkirche für eine relativ kleine Stadt, mit wahrscheinlich wenigen tausend Einwohnern.

Blick auf die Südseite, Foto: K. Manthey, 2024
Die Nische mit der Ölbergszene in der Südwand,
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/74/Buchen_%28Odenwald%29%2C_Kath.Pfarrkirche_St._Oswald%2C%C3%96lberg_20170623_002.jpg
Q: Tilman2007, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons (Zugriff: 9.2.24)

Zudem entstand 1507 in der Südwand eine Ölbergkapelle. Das beliebte Bildmotiv erinnert an die Nacht vor der Kreuzigung, als Jesus mit seinen Jüngern am Ölberg betete. Zudem fuhr er dort auch in den Himmel auf. Dies knüpft an die messianische Tradition der Juden an, denn sie erwarten die Wiederkunft vom Ölberg her.

Blick auf die Kirche von Osten mit dem Turmhelm, Foto: K. Manthey, 2024

Der Turm von St. Oswald im Osten über dem Chor konnte erst 1642 fertiggestellt gestellt werden. Seine Haube stammt aus dem Jahr 1877. Der Innenraum erhielt nach 1500 reichverzierte Netzgewölbe für die Schiffe. Außerdem entstanden Sternengewölbe im östlichen Seitenschiffbereich. Das Mainzer Rad bei den Schlusssteinen verweist auf die Landesherrschaft. Ebenso zeigt das Stadtwappen im Turm an, wer die Kirche zu zahlen hatte. An den Brüstungen der Seitenschiffemporen findet sich Fischblasenornament.

Barocke Kreuzwegstation, vielleicht aus der damaligen Ausstattung. Foto: K. Manthey, 2024

Weiterhin kann man anhand von barocken Vasa sacra feststellen, dass ebenso in dieser Epoche die Kirche ausgestattet wurde. Außerdem gibt es heute wieder einen barocken Kreuzweg, der zwischenzeitlich durch einen historistischen ersetzt war.

Blick ins Gewölbe in Richtung Osten, Foto: K. Manthey, 2024
Blick ins Gewölbe des Hauptschiffs im Osten bzw. Turm, reichverziert mit Wappenschlusssteine und einer Heiligendarstellung, vielleicht dem Kirchenpatron
Q: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f9/Blick_in_die_Stadtkirche_St._Oswald_Buchen._01.jpg
Holger Uwe Schmitt, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Spätere Umbauten an St. Oswald

Historische Fotografien in der Sammlung des Museums Buchen zeigen die Neugotisierung der Kirche. Gut möglich, dass es im Zusammenhang mit den Arbeiten am Turm 1877 steht. Anschließend kam es zwischen 1879 und 81 zur (weiteren) Ausmalung und Umgestaltung.

Die neugotischen Umbauten

Innenaufnahme; Blick nach Südosten. Im Turmchor ist der in den 1950er Jahren entfernte neogotische Flügelaltar der Kunstwerkstatt Marmon aus Sigmaringen von 1880 zu erkennen, an der Stirnwand des südlichen Seitenschiffs das bekannte Grabmal des in Buchen geborenen Theologen Konrad Koch, gen. Wimpinia (gest. 1531). Links davon die St. Rochus-Statue, als Pilger dargestellt wie er auf seine Pestwunde zeigt. Das Rochusfest in Buchen geht auf ein Gelübde im Jahr 1635 zurück, als die Pest in Buchen wütete [Bildbeschreibung Bezirksmuseum Buchen].
Foto: Karl Weiß (1905-10), Q: Sammlung Bezirksmuseum Buchen,
https://bawue.museum-digital.de/object/5608 (9.2.24)

Ebenso war im Turmchor ein neugotischer Flügelaltar der Kunstwerkstatt Marmon aus Sigmaringen. Dieser im Rahmen der Sanierung um 1960 entfernte Hauptaltar zeigt im Mittelschrein Maria und Johannes unter dem Kreuz, die Seitenschreine haben zwei Bischofsfiguren getragen. Außerdem zeigen die Innenseiten der Altarflügel Szenen der Heilsgeschichte, rechts eine Auferstehung oder Himmelfahrt, links vermutlich die Geburt Jesu. Also wurde nun ein herkömmliches christliches Bildprogramm gewählt, einschließlich Engeln mit Spruchbändern in der Predella. Als Datierung fand ich in der Fotobeschriftung 1880.

Innenaufnahme; Blick nach Osten auf den neogotischen Marienaltar – als Maialtar geschmückt – im südlichen Kirchenschiff. Die neogotische Ausstattung, in den Jahren 1879 bis 1881 von der Kunstwerkstatt Marmon in Sigmaringen geliefert, wurde im Zuge der Kirchenerweiterung 1957/58 restlos entfernt [Bildbeschreibung Bezirksmuseum Buchen].
Foto: Karl Weiß (1905-10), Q: Sammlung Bezirksmuseum Buchen,
https://bawue.museum-digital.de/object/5609 (9.2.24)

Außerdem ist ein Bild des Marienaltars derselben Werkstatt überliefert. Dort steht die heute noch vorhandene vorhandene Madonnenfigur mit Kind flankiert von zwei weiblichen Heiligen. Zudem ist der Altar festlich geschmückt inklusive Leuchtschrift, da die Aufnahme aus dem Marienmonat Mai stammt. Dies sind nur einige der Umbauten im neugotischen Stil. Darüber hinaus machen diese auf die vielen, heute unbekannten, Veränderungen in dieser historisch gewachsenen Kirche aufmerksam.

Die Baugestalt von St. Oswald heute

Wie vielerorts, vor allem in Westdeutschland kam es in Folge des wirtschaftlichen Nachkriegsaufschwungs zu Kirchenerweiterungen. Dies wurde zum einen in der Hoffnung getan, dass die Kirchen, die in den 1950er Jahren durch Geflüchtete und alte Gewohnheiten voll waren, dies weiterhin blieben. Dabei entstanden spannende Räume. Etliche davon war sehr gut eingefügt in das vorhandene Bauwerk. Oft erweiterte man die Kirche, indem man eine der Schmalseiten öffnete und durch querhausartige Anbauten erweiterte. Teilweise vergrößerte sich das Raumvolumen stark, bspw. verdoppelt. So also auch in Buchen.

Erweiterung um 1960

Der Innenraum von St. Oswald, Blick zum Chor im Westen, Foto: K. Manthey, 2024

In den Jahren 1958 bis 61 orientiere man die Kirche gen Westen. D.h. ursprünglich war der heutige Turm und seine Vorläufer ein Chorturm. Zwar kamen nun moderne Stilelemente zum Zug mit einer großen Apsis, deren Abschluss eine Glaswand mit bodentiefen Fenstern von Emil Wachter bildete. Ein gros der anderen Fenster scheint von der historistischen Neugestaltung des 19. Jahrhunderts zu stammen

Fensterwand „Sanctus“ von Wachter, Foto: K. Manthey, 2024

Als Motiv wurde „Sanctus“ gewählt. Die Zeit der Heiligenlegenden war vorbei, man entschied sich für theologische Kernaussagen. Dort also das Heiligheilig für den Altarbereich. 1989/90 kam es wieder zu einer Neugestaltung, daher ist mir nicht bekannt, wie die Gestaltung der Prinzipalien um 1960 war. Der gesamte Altarraum wurde durch Gertrude Reum (1926-2015) neu ausgestattet. Sie war eine ortsansässige Bildhauerin, bekannt für ihre geschwungenen aufwärtsstrebenden Metallarbeiten. Auf den Fronten von Altarstipes, Lesepult und Leuchtern, erscheinen dieses linearen nach oben laufenden Formen ebenso. Somit verweisen diese Arbeiten deutlich gen Himmel.

Hauptaltar Stadtkirche St. Oswald, Buchen (Odenwald), gestaltet von Gertrude Reum,
Von Hubert Berberich (HubiB) – Eigenes Werk, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110741249
Kreuz in der Apsis, vermutlich ebenfalls von Gertrude Reum (1989/90);
Harald Genzwürker, CC0, via Wikimedia Commons, Q: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/26/Landappbw_759394_1820_Pfarrkirche_St._Oswald_Buchen.jpg
(Zugriff: 9.2.24)

Gemeinde und Tradition

Heute gehört die Gemeinde als Seelsorgeeinheit Buchen zum Erzbistum Freiburg. Dort in der Stadt ist auch der leitende Pfarrer und Dekan von Mosbach-Buchen ansässig. Außerdem gibt es eine aktive Kolpingsfamilie, die genau an meinem Besuchswochenende eine vielbeachtete Karnevalssitzung veranstaltete. Zudem gibt es in der Region, die Besucherwirksam „Madonnenländchen“ heißt noch spürbar kirchliche Traditionen von den Bildstöcken bis hin zur alljährlichen Dank- und Bittprozession zu Ehren des Hl. Rochus. Für den Schutzheiligen gegen die Pest wird diese seit den schweren Zeiten Pandemiezeiten in Buchen seit 1635 abgehalten.

Meine Zusammenschau

Mich hat die Kirche beeindruckt, das Gefühl war Stimmigkeit. Obwohl es ohne elektrische Beleuchtung zunächst dunkel wirkt erschließt sich der Raum nach und nach. Für meine siebenjährige Tochter war es zu dunkel, so dass wir nur einen kurzen Moment hatten. Spannend für mich waren die vielen historischen Schichten, die man auch dieser Kirche ansehen kann. Spannend wäre hier etwas Information im Kirchenraum, immerhin hat er seit dem Mittelalter viele Umwandlungen erlebt. Eine schöne Besonderheit war die Aufstellung bei den Votivkerzen. Dort waren Josef, eine Pieta und Maria mit Kind versammelt. Einerseits ein Sammelsurium jedoch andererseits die passende Konstellation für Bitten aller Art.

Votivecke, Foto: K. Manthey, 2024
Blick zum Turm, Foto: K. Manthey, 2024

Weiterführende Links

St. Oswald auf den Seiten der Stad Buchen
https://www.buchen.de/tourismus/sehenswuerdigkeiten/175-stadtkirche-st-oswald.html

Die Webpräsenz der Seelsorgeeinheit Buchen
https://www.kath-buchen.de/pfarrgemeinden/st-oswald-buchen/

Über den Kirchenpatron St. Oswald
https://www.heiligenlexikon.de//BiographienO/Oswald.html

In der Nähe
Eine andere stark erweiterte Kirche im Oldenburgischen

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