Tägliche Kirche, Nr. 79, St. Marien zu Lübeck

Die Marienkirche in Lübeck war einer meiner ersten bewusst besuchten Kirchenräume. Ich war 18 und musste bei meinen paar Stunden Lübeck unbedingt dort hin. Heute weiß ich, dass dieser Kirchenbau aus dem 13. Jahrhundert am Anfang der norddeutschen Backsteingotik steht. Darüber hinaus ist St. Marien eine Bürgerkirche. D. h. die nun neu entstehende starke Schicht im Machtgeflecht des Mittelalters, die Bürger, bauen dort einen Sakralbau. Gott und auch ein wenig sich selbst zu Ehre.

Der Innenraum, Mittelschiff in Richtung Chor, nach Osten, vor 1942, Q. wikipedia.commons, https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/dd/Marien_Mittelschiff_nach_Osten_191684.jpg (Zugriff. 7.6.20)

(sehr) Kurze Baugeschichte

Anfänglich bestand im 12. Jahrhundert eine romanische Kirche. Um 1265 entschied man sich dafür den Bau in Art und weise der französischen (gotischen) Kathedralen fortzuführen.

Blick ins Hochschiff, Foto: M. Manthey, 2020

Im 14. Jahrhundert gewann die Kirche dann ihre imposante Höhe. Eine Basilika mit Doppelturmfassade. Von nun an wurde die Kirche ausgestattet. Als sich 1530 die Reformation durch Johannes Bugenhagen durchsetzt wird auch St. Marien nach den Neuerungen umgestaltet.

Der Innenraum Richtung Orgelempore nach Westen vor 1942, Q: wikipedia.commons, https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e5/Marienkirche_before_1942.jpg (Zugriff: 7.6.20)

Eingreifende Änderungen kamen hingegen im Barock in den Kirchenraum. 1942 nahm die Kirche großen Schaden bis 1959 dauerte der Wiederaufbau an. Nun orientierte man sich an der ursprünglichen gotischen Bauart.

Heutiger Blick nach Westen, Foto: M. Manthey, 2020

Ausstattung und Kunst (Uecker)

Durch die Beschädigung ist St. Marien zu Lübeck mittlerweile ein Ort, wo ganz verschiedene künstlerische Positionen genauso zur Sprache kommen. Darunter sind Werke aus allen Epochen zu finden.

Heinrich Brabender sog. „Brabenderreliefs“, Das letzte Abendmahl, 1515, Foto: M. Manthey, 2020
Günther Uecker, Verletzungen – Verbindungen, 2000, Foto: M. Manthey, 2020

Ebenfalls haben Künstler des 20. Jahrhunderts, darunter die großen Namen, sich hier verewigt. So leiste diese Kirche ihren Beitrag dazu , den Verlust der durch den letzten großen Krieg in unserem Land dieser Kirche und allen Menschen geschehen ist. Doch dies fängt die Arbeit von Günther Uecker ein. Seine Installation „Verletzungen – Verbindungen, 14 gebrochene Kreuze“ schuf der Künstler für die Expo 2000. Sie stehen indes in der Seitenapside des Chores.

Der Altarraum, vorne: Abendmahltisch, Mitte: Tauffass von 1337, hinten: Hochaltar „Maria auf der Mondsichel“ (sog. „Swarte-Altar“) und darüber Kreuz von Gerhard Marcks (1957), Foto: M. Manthey, 2020

Schluss

Die Bilder und Materialien über St. Marien zu Lübeck verdanke ich meinen Eltern, die dort zu Besuch waren. Gleich darauf erinnere ich mich an meine Eindrücke von diesem Raum vor über 20 Jahren. So hoffe ich selbst bald wieder dort sein zu können und wünsche ebenso anderen Besuchern ein wunderbares Raumerleben.  

Mehr noch…

Reihung von 78 Kirchen: https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

Die Seite zur Kirche: https://st-marien-luebeck.de/page/11/die-marienkirche-l%C3%BCbeck

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