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- Author: Konstantin Manthey
- Posted: 24 Dezember, 2025
- Category: Kalender, Uncategorized
Harvestehuder Altar (2025-24)
Harvestehude ist heute ein gut situierter Ortsteil an der Alster und Außenalster in Hamburg. Dort ist im 13. Jahrhundert auch ein Zisterzienserinnen-Kloster zu verorten. Auf dessen Geschichte sich auch das heutige Kloster St. Johannis, ein Diakonissinnenstift, beruft. Um 1310 entstand im Zusammenhang dieses Nonnenkonvents ein beeindruckender Altar, der heute in der Ausstellung der Hamburger Kunsthalle gezeigt wird. Dort im Ausstellungssaal gleich zu Beginn des Rundgangs steht unser Werk im Schatten des berühmten Hauptwerkes seines Meisters Bertram von Minden. Dem Grabower Altar, besser bekannt als der ehemalige Hochaltar von St. Petri, der ältesten Kirche der Hansestadt.

Bertram von Minden (1345-1415)
Anhand späterer Quellen nimmt man Minden als Geburtsort der Bertram an. Dort soll er um 1345 geboren worden sein. Durch Rechnungen des Malers an die Stadt Hamburg ist er dort 1367 nachweisbar. Dabei ist nur der große Hochaltar von St. Petri ihm direkt zuordenbar. Wo er gelernt hat bleibt unbekannt. Wahrscheinlich war er in Doberan tätig und ebenso in Lübeck. Schließlich ist er mit Testament und Abänderungen dessen in Hamburg belegt. Übrigens ist daher auch eine Romwallfahrt um 1390 bekannt. Vermutlich stirbt er 1415 mit gut 70 Jahren. Über den Umfang seiner Arbeit wird diskutiert. Ebenso sind die meisten seiner Werke stilistische Zuordnungen. Wir wissen nicht, ob Bertram Maler und Bildhauer war oder nur eines von beidem.

Harvestehuder Altar – Mittelteil
Mir fiel der viel kleinere Bruder des Großwerkes sogleich auf. 63 cm hoch, 72,5 cm breit und schließlich nur 12 cm tief ist der Hauptschrein des Harvestehuder Altars. Die Skulpturen darin sind teil einer intimen Familienszene, die sich dennoch in einen großen Zusammenhang stellt, nicht nur wegen der goldenen Altarflügel, sondern auch weil es die Heilige Familie ist. Das Kasten artige Wohnzimmer ist der Stall. Links sitz Maria auf einem gemütlich scheinen Bett und wirkt aufmerksam. Rechts steht Josef erkennbar als Versorger mit Kessel in der linken und Schale in der rechten Hand. In der Mitte, wohl etwas zu hoch sind die Köpfe von Esel und Ochs zu erkennen. Sie wirken ein wenig aufgesetzt oder wie Kommentatoren des Geschehens.


Das besondere an der Szenerie ist, dass das Kind weg ist. Jesus ist nicht im Bild. Offensichtlich ist es über die Jahrhunderte verloren gegangen. Doch für mich hat es auch eine andere Seite. Was wäre Weihnachten ohne Kind? Es wäre schrecklich. Nur, dass wir es den Figuren des Hauptaltarschreins nicht ansehen. Denn die Zuwendung Mariens scheint etwas zu gelten, dass sie zwischen den Händen hält – ihr Kind. Für den Betrachter eine interessante Szenerie. Für die Akteure ist das Kind da. Und wir sehen es nicht mehr. Darauf kann sich ein eigener Reim gemacht werden.
Würdigung des Harvestehuder Altars
Außerdem kommt die Frage auf, welche Funktion hatte dieser kleine Altar? War er für Reisen? Galt ihm die private Andacht einer wohlhabenden Nonne oder gar der Äbtissin oder stand er in einem Kirchenraum? Es ist ein vollständiges Christologisches Bildprogramm. Denn die beiden Goldgrundtafeln zeigen mit der Anbetung der Könige und der Darstellung im Tempel in Kurzform die gesamte Wirkmacht des mittelalterlichen Christentums weltlich und geistlich. Als deren Ausgangspunkt und Mitte die Geburt des Erlösers – Jesus Christus. Kurzum: Faszinierend knapp. Für welchen Nutzen auch immer es ist ein Meisterwerk im Posterformat.
So oder so: FROHE UND GESEGNETE WEIHNACHTEN – mit Kind.
Weiterleitungen passen zum Thema: Harvestehuder Altar
Das Werk online bei der Hamburger Kunshalle:
https://online-sammlung.hamburger-kunsthalle.de/de/objekt/HK-502/altarretabel-aus-harvestehude?term=Bertram%20Minden&position=1#bibliographie





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