Tägliche Kirche, Nr. 73, Herz Jesu, Forst

Herz Jesu in Forst ist die heutige tägliche Kirche. Sie ist eine Verbindung von Wien in die Niederlausitz. Denn der Architekt Friedrich von Schmidt (1825-1891) leitete die Vollendung des Stephansdoms. Die Forster Kirche steht neben ihrem Vorgängerbau und bezieht sich stilistisch sogar auf diesen. D.h. bereits um 1850 gab es in Forst eine katholische Gemeinde. Diese wurde von dem Schlosskaplan des Grafen von Brühl mitbetreut. Der Forster Stadtherr stiftete auch Baugrund und Baugeld. So konnte 1857 auch hier eine einfache Kapelle als rechteckiger Saalbau, die Marienkapelle, errichtet werden. Der Zustrom katholischer Arbeiter nach Forst ließ aber diese Lösung bald zu klein werden.

Die Marienkapelle, Foto: S. Mummert, 2012 (CC BY-SA 3.0),
Q: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Katholische_Kirche_-_Marien_Kapelle.JPG
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Bau- und Gemeindegeschichte

1874 wurde durch den Fürstbischof von Breslau die Pfarrei Herz Jesu in Forst kanonisch errichtet. Mitten im Kulturkampf trieb der Bischof das Neubauprojekt für die Kirche voran. Die Wahl des etablierten Wiener Architekten von Schmidt ist dabei durchaus als programmatisch zu werten. Dieser arbeitete dort im katholischen Habsburgerreich. 1876 konnte dafür die markante Forster Kirche fertiggestellt werden, 1878 folgte die Fertigstellung des Hauptaltars und der Nebenaltäre durch den Breslauer Tischler Buhl. 1910 folgte ebenso auf dem Grundstück die Errichtung des Pfarrhauses. Alle drei Gebäude weisen, ausgehend von der Marienkapelle, folgerichtig Stufengiebel auf.

Herz Jesu in Forst, Ansicht mit Marienkapelle, 2011
Q: BLDAMhttps://ns.gis-bldam-brandenburg.de/ImageService/getImage?fileName=SPN-Forst-HerzJesuKi-3_RW_2011.jpg (Zugriff: 1.6.20)

Baubeschreibung

Der „neue“ Kirchenbau ist ebenfalls ein rechteckiger Saalbau. Die Gliederung der Wandflächen wird dadurch erreicht, dass unterschiedlich helle Steine und Lisenen hafte Vorlagen, die in Zackenfriesen enden verwand wurden. Darüber hinaus verstärken spitzbogige Schallöffnungen und Blendnischen unterhalb des Stufengiebels des Turms die gotische Wirkung.

In dem um 1968 purifizierten Innenraum der Kirche erzeugt eine bauzeitliche, in das Dach hineingezogene holzfarbene Decke, ferner Raumhöhe. Der eingezogene, niedrigere Chor weist außerdem ein Kreuzrippengewölbe auf. Anfangs war auch Herz Jesu zeittypisch historistisch ausgestattet. In den 1920er Jahren erhielt der Raum sogar eine reiche Ausmalung, die heute übertüncht sind.

Würdigung

Aufgrund der konsequenten Abtreppungen der gesamten Anlage ist die Forster Kirche eine Besonderheit des katholischen Kirchenbaus, dies mag an der im Vergleich relativ frühen Ausführung von 1876 liegen. Hinzu kommt ferner die räumliche Nähe zum Vorgängerbau. Nur selten wurden erste Kirchen nicht abgerissen, wenn ein Neubau errichtet war. Herz Jesu hingegen kenne ich selbst bisher nur von Bildern und aus dem Netz. Nun hoffe ich endlich selbst einmal die Kirche besuchen zu können. Jeder der den Bau kennt ist somit eingeladen mir noch mehr Infos und Bilder zu schicken ;-). Übrigens Forst gehört zum Bistum Berlin.

Verlinkungen

Diese Reihe komplett: https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

Hier die Seite zu dem Heft in dem dieser Text erstmals erschien.
Seite der Gemeinde auf bistum-goerlitz.de

Weitere Bilder auf http://www.kulturwege-forst-lausitz.de/kulturweg-251-105.php#

Unter Verwendung eines Fotos von S. Mummert, 2011 (CC BY-SA 3.0)
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Katholische_Kirche_Forst_(Lausitz).JPG (Zugriff. 1.6.20)

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