
- Stats: 46 0 0
- Author: Konstantin Manthey
- Posted: 19 Juli, 2026
- Category: Aktuelles, Hintergrund
Friedrich Schötschel (1926-1924)
Friedrich Schötschel war Bildhauer und arbeitete vor allem für katholische Gemeinden. Er wurde am 16. Juli 1926 in Halle geboren. Verheiratet mit der Bildhauerin Magrit Schötschel (1933-2017) lebte er seit 1964 in Biesenthal und später im Seniorenheim in Lobetal (beides Barnim). Ihre beiden Söhne verstarben bereits vor den Eltern. Einer davon war ebenfalls als Steinbildhauer und -Restaurator tätig, der andere im Sozialwesen.
Friedrich Schötschels weiterer Werdegang
In seiner Jugend hatte Fritz die Schrecken des Krieges miterlebt. Zunächst als 16jähriger Flakhelfer gehörte er zum letzten Aufgebot der Nationalsozialisten und gelangte später als Gefreiter an die Ostfront. Nach dem zweiten Weltkrieg nahmen ihn die Amerikaner gefangen und übergaben ihn in französische Kriegsgefangenschaft. Dort fertigte er kleine Kunstarbeiten an und lernte von Mitgefangenen die künstlerischen und handwerklichen Grundlagen. Nach der Gefangenschaft studierte Schötschel ab 1948 Bildhauerei bei Prof. Gustav Weidanz an der renommierten Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle. An sein Studium schloss eine Lehre zum Steinmetz an, die er 1952 beendete.

Q: Bildarchiv F. Schötschel, Repro: K. Manthey 2009
An eine Baustelle erinnerte er sich immer wieder gern. Damals war er länger beim Wiederaufbau der Oper unter den Linden beschäftigt. Dort befasste er sich auch mit dem skulpturalen Schmuck außerdem konnte er oft vom Dach die Arbeiten am Dach der St.-Hedwigs-Kathedrale, direkt gegenüber verfolgen. In einem Interview mit ihm erzählte er mir, dass die Kollegen halb im Scherz immer sagten: „Passt bloß auf der Fritz stiehlt mit den Augen.“ (1) Damit meinten sie seine schnelle Auffassungsgabe und Neugier. Ein wichtiger Bezug zu kirchlichen Auftraggebern war seine aktive Mitgliedschaft in der Gemeinde St. Augustinus, Berlin-Prenzlauer Berg. Dort war er u.a. in einem Familienkreis und freundete sich dort mit Kaplan Peter Roske an (geb. 1936), dem späteren Pfarrer von Eberswalde und Weissensee.



Q: Bildarchiv EBO
Künstler und Werk
Schötschel war als freischaffender Künstler in über 60 Orten gestaltend tätig. Aus Gewissensgründen lehnte er viele Aufträge des DDR-Staates ab. Nur Zwei Werke verwirklichte er vor 1990 im öffentlichen Raum, einen Brunnen in Berlin-Lichtenberg auf dem Roederplatz zusammen mit dem Schlosser J. Nickut von 1976, den er aus der Zusammenarbeit bei der Neugestaltung der St.-Peter-und-Paul-Kirche in Eberswalde kannte. Ein anderes Werk war der Mann mit Ziege im Bernauer Goethepark von 1989, dessen Entwurf er jedoch mehrfach überarbeiten musste. Trotz der klaren katholisch-christlichen Prägung gelang es Friedrich Schötschel und seiner Frau, Mitglied im Verband Bildender Künstler zu werden, was für beide eine soziale Grundabsicherung bedeutete. Wer es nicht in den Verband schaffte „existierte als Künstler nicht“ (1). Ende der 1990er Jahre schuf er ein Denkmal für Deserteure, welches sich in auch in Bernau befindet und für dessen Finanzierung er eng mit dem Liedermacher und Dichter Gerhard Schöne zusammenarbeitete.




Seine Werke für Kirchen, Gemeinden und Priester nehmen quantitativ einen unweit höheren Stellenwert ein nahezu unzählbar erscheinen seine Arbeiten von Rostock bis Seifhennersdorf noch darüberhinaus reicht seine Spannweite. Dabei fühlte sich der bekennende Katholik nie einer einzigen Idee oder Glaubensauffassung allein verpflichtet, auch wenn er mit mancher seiner Arbeiten aneckte. So wurde sein Corpus Christi in der Wittichenauer Krankenhauskapelle alsbald wieder abgehangen, er gefiel mit seiner Herbheit den Betenden nicht. Doch Herbheit gehört beim Werk Friedrich Schötschels dazu in einem Interview im Tag des Herrn, 2001 sagte er: „Wenn Christus so unglaublich gelitten hat, um die Welt zu retten, dann ist das keine Operette.“(2)




Nachwirkung und Würdigung
Im Herbst 2009 konnte ich eine Ausstellung mit Aquarellen von Schötschel kuratieren. Diese fand im Kathedralforum bei St. Hedwig statt. Dort wurden hauptsächlich Aquarelle gezeigt. Diese Seite des reichhaltigen Schaffenswerkes Friedrich Schötschels, stellten großteils sein Spätwerk dar. Zwar arbeitete er noch bis ins hohe Alter doch zwei Schlaganfälle ließen keine schwere Arbeite mehr zu. So begann er seine Lebensumgebung, d.h. vor allem die Landschaft des Barnim, festzuhalten. Außerdem fertigte er immer wieder Zinnguße seines Erstkommunionkreuzes an. Ein Geschenk, dass viele Pfarrer den Kindern ihrer Gemeinde zur Erstkommunion machten und das ein Entwurf des Künstlers war. Auch mein Kreuz von 1989 halte ich noch in Ehren.

Friedrich Schötschel zählt zu den großartigen christlichen Künstlern, die die DDR-Zeit prägten. Trotz Bedrängnis, trotz Materialknappheit und wenig technischen Möglichkeiten, schuf er mit seinen feingliedrigen zurückhaltenden Arbeiten, kunstvolle Ausstattungen für die Kirchen im Osten Deutschlands. Gotteshäuser, die ebenfalls in Folge der Veränderungen des Zweiten Vatikanums, neue Gestaltungsformen suchten und in ihm einen ruhigen, sicheren Partner fanden. Am 16. Juli 2026 wäre dieser Künstler 100 Jahre alt geworden. Bis zum Schluss war er voll Gottvertrauen und Zuversicht, trotz aller Melancholie war er dankbar für sein Leben (3).

Foto: K. Manthey
(1) Konstantin Manthey, Interview mit Friedrich und Margit Schötschel, Biesenthal, Mai 2009
(2) Karin Hammermeier: „Ach das Kreuz ist auch von mir“. Über den Bildhauer Friedrich Schötschel, Artikel in: Tag des Herrn, 32 / 2001.
(3) Konstantin Manthey, Gespräch mit Friedrich Schötschel, Lobetal, September 2025
Weiterführendes zu Friedrich Schötschel
Eintrag bei Wikipedia zu Friedrich Schötschel: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schötschel
Eintrag zu Margit Schötschel: https://de.wikipedia.org/wiki/Margit_Schötschel-Gabriel
Karin Hammermeier: „Ach das Kreuz ist auch von mir“. Über den Bildhauer Friedrich Schötschel, Artikel in: Tag des Herrn, 32 / 2001: https://archiv.tag-des-herrn.de/archiv_1996_bis_2007/artikel/283.php#gsc.tab=0
Zum Mann mit Ziege: https://www.bernau.de/de/rathaus-service/aktuelles/stadtnachrichten/archiv/artikel-der_mann_mit_ziege_steht_wieder_im_goethepark.html





