St. Peter und Paul, Potsdam, 150. Weihetag

St. Peter und Paul ist eine der prominentesten katholischen Kirchen in der Region. Ebenso ist der Ziegelbau auch eine der ältesten Kirchen. Mit gut 230.000 Besuchern in normalen Jahren ist der Kirchenbau ferner ein Besuchermagnet. Dies liegt sicherlich an seiner zentralen Lage. Heute vor 150 Jahren am 7. August 1870 wurde die Potsdamer Kirche eingeweiht, d.h. benediziert. Ihre Lage geht auf Bestrebungen Friedrich Wilhelms IV zurück. Für seine Residenzstadt Potsdam benötigte man zum einen nach langer Zeit der Notbehelfe eine richtige katholische Kirche. Zum anderen schloss das Bauprojekt eine Magistrale der Stadt am Ende der Brandenburger Straße ab. Dort steht bis heute am Beginn das gleichnamige Tor.

Der Vorgängerbau auf dem Gelände der Gewehrfabrik in Potsdam,
Q: stadtbild-deutschland.org, http://abload.de/img/katholischekirchegewecwq31.jpg
(Zugriff: 6.8.20)

Vorgängerbau

Mit den vorrangig aus dem Lütticher Raum angeworbenen katholischen Arbeitern in den Waffenfabriken des preußischen Königs entstehen um 1723 erste Gemeinden, so auch in Potsdam. Für diese und die Militärs wurden Geistliche angestellt. So konnte 1738 in Potsdam die erste Notkirche in einem ausgedienten Stall eingeweiht werden, ausgestattet durch den königlichen Hofmaler Antoine Pesne. Dieser wurde darüberhinaus mehrfach erweitert. Schließlich wurde unter Feldprediger Raimundus Bruns OP an gleicher Stelle ein einfacher Fachwerkbau errichtet (s. Bild oben). Bis heute sind einige dieser Bilder in der Potsdamer Peter-und-Paul-Kirche erhalten. Viele positive Entwicklungen sind vorrangig Pater Bruns OP (1706-80) zu verdanken. Er wirkte von 1731-42 in Potsdam und war Mitglied des königlichen Tabakkollegiums.

Eine italienisierende Skizze von F. A. Stüler, 1856, zu einer katholischen Kirche in Potsdam, Q: Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte / Michael Lüder [CC BY-NC-SA], https://nat.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=227933&cachesLoaded=true
(Zugriff: 6.8.20)

Vorgeschichte des Baus

Die erste Kirche wurde für die wachsende Gemeinde zu klein. So kam es zu ersten Überlegungen eines Kirchenneubaus. Dabei spielte der preußische König Friedrich Wilhelm IV (1795-1861) eine entscheidende Rolle. Er sorgte dafür, dass der lange Zeit als Ablauf- und Sammelbecken des Holländischen Viertels genutzte Bassinplatz zur Verfügung stand. Dabei dauerten allein die Arbeiten zur Herstellung des Baugrunds Jahre. Weiterhin hatte der Italien begeisterte König klare Vorstellungen von der Außenwirkung des Baus.

Baudetail am Giebel mit Zwerggalerie, gut zu erkennen die vereinfacht wieder hergestellten Fialen, Foto: K. Manthey, 2020

Der Schinkelschüler Friedrich August Stüler (1800-65) lieferte bereits 1845 einen ersten Ideenentwurf. Darauf folgten etliche Varianten, z. B. mit einer Doppelturmfassade und schließlich ein Entwurf den vor allem sein Mitarbeiter und ebenfalls Schüler Schinkels Wilhelm Salzenberg (1803-87) umsetzte, d.h. baureif überarbeitete. Allerdings lag die Bauleitung in den Händen des königlichen Landbaumeisters Albert Badstübner. Bemerkenswert ist hierbei, dass der Bauherr der preußische Staat war und die Architekten wo auch in Jahren zuvor Baubeamte waren. Kurze Zeit später wurden die Kirchenbauprojekte durch die Gemeinden selbst geregelt und katholische Privatarchitekten traten auf den Plan. In Potsdam hatte der Staat auch das Interesse, dass diese neue Kirche den Soldaten dienen sollte daher auch die schließlich erreichte große Sitzkapazität von 1200 Plätzen.

Der Bau

Außen

Von außen ist St. Peter und Paul ein mächtiger Bau aus gelb-orangen Ziegelsteinen diese stammten aus der Region, aus Glindow. Historisierend in der Manier Schinkels orientiert sich der Bau an Kirchen der italienischen Romanik dabei wurde Stüler vermutlich durch den König inspiriert. Sein hoher quadratischer Fassadenturm (64 m) mit spitzem Kegelhelm aus Ziegeln nimmt ebenso Bezug auf St. Zeno in Verona wie auch der Aufbau der Vorderseite.

Historische Fotografie von St. Zeno in Verona aus: A history of architecture in Italy […], 1901, Q: wikipedia.commons, https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/af/A_history_of_architecture_in_Italy_from_the_time_of_Constantine_to_the_dawn_of_the_renaissance_%281901%29_%2814783738492%29.jpg/1132px-A_history_of_architecture_in_Italy_from_the_time_of_Constantine_to_the_dawn_of_the_renaissance_%281901%29_%2814783738492%29.jpg (Zugriff: 6.8.2020)

Entstanden ist ein Zentralbau mit einem Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes. Dabei ordnen sich um das Mittelquadrat zwei sich kreuzende Bautrakte mit Satteldächern und kleeblattförmig angeordneten Chorapsiden. Diese haben Halbkuppeln als oberen Abschluss ganz nach dem Vorbild der Hagia Sophia. Die Kirche ist geostet.

Seitenansicht von Süden, Foto: K. Manthey, 2013

Die Nord- und Südarme wurden als Giebelfassaden mit Ecktürmchen und großen Radfenstern gestaltet auch die verweist nach Italien. Unter dem Dachgesims umläuft eine Zwerggalerie den gesamten Bau. Drei rund bogigen Eingangsportale gewähren dem Besucher Zugang. Das mittlere, das Turmportal, ist leicht vorgestellt.

Frontansicht, Foto: K. Manthey, 2020
Supraportenfiguren, Foto: K. Manthey, 2020

Darauf befinden sich in einer Nische Terracottafiguren. Dort wird die thronende Gottesmutter mit Kind von den Kirchenpatronen, den Hll. Petrus und Paulus flankiert. Diese Skulpturen stammen von Friedrich Albert Jungermann (gefertigt 1869).

Blick in den Innenraum, Foto: K. Manthey, 2020

Innenraum

Im Inneren befinden sich abgeschrägte Ecken, die dem Hauptraum einen leichten oktogonalen Charakter verleihen. Dort befinden sich über den Pfeilern Figuren der Vier Evangelisten, ebenfalls von Jungermann. Im Westen befindet sich die Orgelempore.

Blick zur Nordempore, Foto: K. Manthey, 2020

Darüberhinaus weisen auch die beiden seitlichen Armen Emporen über Rundbogenarkaden auf. Diese dreiseitigen Emporen sind für katholische Kirchen in der Region sehr unüblich. Damit sollte sicherlich die hohe Sitzanzahl erreicht werden.

Der Kirchenraum ist auf den lichten und großzügigen Altarraum hin ausgerichtet. Demgemäße weißt der Chor eine große reich befensterte Hauptapsis und zwei Nebenapsiden auf. Somit wird, ebenfalls von außen ersichtlich, eine Dreikonchenanlage nachgestellt.

Das Oberlicht, Blick entlang der Brandenburger Str. am Ende das Tor, Foto: K. Manthey, 2020

Die hölzerne Deckenkonstruktion ist aufwendige gebaut. Die Balken sind ornamental bemalt. Ferner weist der Scheitelpunkt eine große quadratische Mittelöffnung aus farbigem Glas auf.

Innenraumeindruck, Foto: K. Manthey, 2020

Der gesamte Innenraum hat ein farbiges Raumbild, welches sich bei Sonnenschein besonders hervorhebt, da die Fenster nur leicht farbig bemalt sind und daher Licht einlassen. Zum Chorraum hin wird die Wichtigkeit durch figürliche Ausmalung gesteigert. Die übrigen Wände hingegen wurden mit farbiger Schablonenmalerei gestaltet. In den Jahren 1977-89 wurde St. Peter und Paul nach Befund restauriert und rekonstruiert. Deutlich erkennbar sind im gesamten Raum die überkommenen Stilformen des Klassizismus.

Durchblick zum Altarraum, Foto: K. Manthey, 2020

Ausmalung

Die Apsiden wurden hingegen mit Wandmalerei von Paul Stankiewitz, im „byzantinischen“ Stil, blau, ocker und goldgrundig gefasst. Bei der Restaurierung erfuhren die Bilder zuletzt teilweise eine starke Übermalung. Die Bilderwelt des Altarbereichs wird folglich durch die Beschriftung am Chorbogen „GLORIA IN EXCELSIS DEO ET IN TERRA PAX HOMINIBUS BONAE VOLUNTATIS“ (Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade) eingeleitet.

Blick nach Oben im Altarraum, Foto: K. Manthey, 2020

Im vertikalen Bildaufbau ist dort die heilige Dreifaltigkeit Gottes zusehen. Mit dem Vater in der Glorie (oben), Sohn als Allherrscher und Heiligen Geist in kleinem Farbfenster am Scheitel der Apsis. Diese Gestaltung als Taube mit runder Gloriole erinnert weiterhin, wiewohl nicht unbeabsichtig an St. Peter in Rom.

Weiterhin finden wir in der Chorwölbung 4 Engel auf blauen Grund sowie in der Horizontalen in den drei Konchen Christus, Maria und Joseph. An den darunter liegenden Wänden sind die Patrone der Kirche Petrus und Paulus mit zwei Evangelisten (Markus und Lukas) sowie vier Kirchenlehrer (Athanasius, Hieronymus, Gregorius mit der Papstkrone Tiara und Hirtenstab, Augustinus mit Schriftrolle „De civitate Dei“, d.h. Der Gottesstaat, wichtige Schrift des Hl.) dargestellt.

Historische Innenansicht, mit Hochaltar und ursprünglichen Gestaltung,
Historische Ansichtskarte, Q: Slg. Manthey

Ausstattung

Der Hochaltar heute, Foto: K. Manthey, 2020

Der Hochaltar in der Hauptapsis hat einen dreistufigen Antritt. Die Verkleidung des Sockels (Stipes) und die Mensa (Platte) sind ferner aus weißem Marmor. Der Aufsatz mit dem Tabernakel dort im Zentrum erhielt einen Tempel artigen Aufbau, einen Baldachin zur Aussetzung des Allerheiligsten in einer Monstranz. Dafür wurde weiß gefasstes Holz mit goldenen Rahmungen und Profilen als Material verwandt. Diese spätklassizistische Anlage entstand ebenso wie die Kanzel nach Entwurf von Salzenberg, 1868/69.

Die Kanzel, Foto: K. Manthey, 2020

Dabei wurde der Altar bereits in den 1950er vereinfacht. Die gewölbte Apsiswand hinter dem Hochaltar hinterfängt den Opfertisch als plastisch gemalter Vorhang mit Hirsch-Motiv sowie Engel- und Pelikanfries. Ursprünglich zog sich überdies das Vorhangsmotiv bis auf die Wände der Nebenapsiden. Dort lockerte der Vorhang auf und fand einen geschwungene Abschluss.

Detail der Bemalung der Hauptapsis, Foto: K. Manthey, 2020

Heute findet man da schlichte blaue Felder vor. Übrigens, zwischen Hauptapsis und Zentralraum, befindet sich seit 1989 die um 5 Stufen erhöhte Altarinsel mit dem „Volksaltar“.

Ferner sind in den Seitenkonchen zwei Tafelbilder von 1739 als Altar aufgestellt. Das eine zeigt eine Engelszene, das andere die Rosenkranzspende an den Hl. Dominikus. Diese Gemälde waren einst Bilder der Seitenaltäre in der alten Kirche. Alle Bilder stammen von preußischen Hofmaler Antoine Pesne (1683-1757).

Der erste Altar mit der Ölbergszene von Pesne (um 1729), Foto: K. Manthey, 2020

Übrigens ist der ursprüngliche Altar heute wieder als Seitenaltar in historischer Rahmung aufgestellt. Er ist vermutlich aus der Zeit um 1729 uns stammt ebenfalls von Pesne. Sein Bildthema ist dort die Ölbergszene. Ein Engel reicht Jesus den Kelch. Dies war sicher als tröstendes Motiv für die Soldaten, die ebenfalls die Kirche nutzten gedacht.

Die Kreuzigungsgruppe an ihrem jetzigen Ort, Foto: K. Manthey, 2019

Ein weiteres Kunstwerk: Kreuzigungsgruppe

Da die Kirche voller spannender Ausstattung vom Barock bis heute ist, kann längst nicht alles Erwähnung finden. Die relativ arme Gemeinde hob vieles auf, so dass in der vor 150 Jahren benedizierten Kirche vieles weitergenutzt wurde und bis heute erhalten blieb. So gab es lange ein barockes Kreuz rechts im Chorraum, dass eigentlich zu groß war. Es gehört zu einer heute wieder hergestellten Figurengruppe, welche wohl zuvor in er ersten Kirche einen Platz hatte.

Maria Magdalena von Benkert, Foto: K. Manthey, 2019

Die zweite Person am Kreuz ist übrigens Maria Magdalena sie schuf, als Spätwerk Johann Peter Benkert (1709-65 oder 69). Er war Hofbildhauer in Potsdam und stiftete somit seiner Kirche eine passende Figur zum älteren Kreuz. Dies könnte wiederum auf Paul Egell (1691-1752) zurückgehen. Die Gruppe befindet sich nach Wiederherstellung an der Rückwand des südlichen Querarmes.

Noch eine weitere Kuriosität sollte Erwähnung finden. St. Peter und Paul verfügt über zwei Ewiglichtampeln. Die eine war eine Stiftung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. Die andere hingegen stiftete der katholische Herzog Stephan von Lothringen für die Vorgängerkirche. Beide Ampeln aus dem Wettstreit wurden aufgehängt, bis heute. Üblich wäre indessen nur ein ewiges Licht.

Blick entlang der Brandenburger Str. am Ende das Tor, Foto: K. Manthey, 2019

Würdigung

St. Peter und Paul in Potsdam ist grundlegend für den katholischen Kirchenbau in Preußen nach St. Hedwig. Es ist ein staatliches und stattliche Bauprojekt inmitten der stolzen Residenzstadt Potsdam. Darüber hinaus ist die Kirche ein bauliches Kleinod. Hier ist Italien besser seine Idealvorstellung des 19. Jahrhunderts lebendig. Darüber hinaus ist die Gemeinde und Stadt so vital, dass man die 150 Jahre kaum glauben mag. Übrigens, die Konsekration (eigentl. Kirchweihe) wurde erst nach der Wiederherstellung der Kirche 1950 vollzogen. Weiterhin ist die Kirche in der Regel täglich geöffnet und auf jeden Fall ein Besuch wert. Herzlichen Glückwunsch in brandenburgische Landeshauptstadt und für die katholische Gemeinde!

Vortragekreuz und Scheitelfenster des Chores, Foto: K. Manthey, 2020

Weiterführendes im Netz

ganz neu und auch in Potsdam

Die Seite der Gemeinde: https://www.peter-paul-kirche.de/potsdam

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