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Die neapolitanische Krippe von Sankt Hedwig Mitte (2025-02)

Die neapolitanische Krippe von Sankt Hedwig Mitte hat eine wechselvolle Geschichte. Nach vielen Jahren unterwegs und in Restaurierung ist sie mittlerweile fest in der Krypta von Sankt Hedwig Mitte eingezogen. Dabei kam wieder einmal alles anders als gedacht.

Ein Geschenk für das Kaiserpaar

Zunächst schenkte ein gewisser Adolf Leinhaas, seines Zeichens Krippensammler ein Konvolut an meist neapolitanischen Figuren dem deutschen Kaiserpaar. Anlass war deren Aufenthalt zur (provisorischen) Eröffnung des Deutschen Museums in München, 1906. Der Schenkende hatte gemeinsam mit Wilhelm II Zeichenunterricht erhalten und stand lange in Diensten der Mutter des Regenten. Vom Kaiserhaus gelangten die Figuren, die wohl seit der Übergabe keine komplette Szenerie ergaben, in das Märkische Museum. Von dort wurden zumindest Teile in einer Krippenausstellung im Frauenbundhaus 1929 gezeigt. Dort fielen die wertvollen historischen Figuren auf. Da für die baldige Kathedrale eine Krippenszenerie gesucht wurde, ging die fürstbischöfliche Delegatur in Verhandlungen mit dem Museum für deutsche Volkskunde. Wohl auch, da eine neapolitanische Krippe nicht in das Sammlungsgebiet fiel. Schließlich wurde für 5.500 RM der Verkauf durch eine Fachkommission genehmigt. Immerhin gut die Hälfte eines damaligen Jahresgehalts des Berliner Dompropsts.

Die Krippe in der Aufstellung durch Leo Zogmayer, 2024

Die neapolitanische Krippe von St. Hedwig

Nun wurde aus vorhandenen Kulissen und Figuren eine Krippe für die Kathedrale inszeniert. Diese konnte im Bombenkrieg in der Krypta gesichert werden. 1945 wurden Teile der Ausstattung sowie die Krippe vor Plünderung geschützt und in das Kloster St. Gabriel nach Berlin-Westend gebracht. Dort verlieb zumindest die neapolitanische Krippe bis in die 1960er Jahren. Währenddessen erkundigte sich u.a. das Domkapitel im Auftrag der Bischöfe immer wieder nach dem Verbleib.

Auffindesituation und erste Sichtung durch Restauratoren 2013, Foto: Bildarchiv St. Hedwig

Bis 1996 war die Krippe in der Kirche St. Kamillus und wurde dort auch gezeigt. 2012/13 wurden die in Koffern gelagerten Figuren wiederentdeckt. Nun folgte eine restauratorische Notsicherung und Dokumentation. Es bildete sich eine Arbeitsgruppe. Deren Ziel die Restaurierung und Wiederaufstellung wurde. Die Restaurierung konnte bis Ende 2022 fachmännisch abgeschlossen werden. Daher wurde die Krippe in großen Teilen ein letztes Mal vor der Wiederaufstellung in der Katholischen Akademie gezeigt.

Ausstellung der ersten Restaurierungsergebnisse in der Vorhalle von St. Hedwig, Advent 2018

Die Neuaufstellung in Sankt Hedwig

Während der gut 10jährigen Aufarbeitungszeit, wurde die Krippe von einer Arbeitsgruppe in Berlin und Krippenexperten aus dem Raum München begleitet. Der Traum war die Wiederaufstellung der Figuren als neapolitanische Szenerie. Aufgrund der vorhandenen Materialien wäre eine Anbetung der Hirten als Darstellung in Frage gekommen. Dafür bedurfte es jedoch einiger Ergänzungen. Darüber hinaus war unklar, wie ein nahezu musealer Aufbau in die neue künstlerische Konzeption der Krypta und ihrer Kapellen durch Leo Zogmayer passen würde. Zunächst war die Idee den Bruch auszuhalten. Nach weiteren Überlegungen kam man dann zur jetzigen Lösung. Übrigens ist diese Krippe nicht die einzige an der Kathedrale, vielen bekannter dürfte die große Krippe mit Holzfiguren sein, die wohl von einem Herrgottschnitzer aus Oberammergau in Bayern stammt und in den 1980er Jahren nach Ost-Berlin gekommen sein soll. Diese wurde und wird immer wieder zu Weihnachten in der Kirche aufgestellt.

Nun stehen die neapolitanischen Figuren in kleinen Gruppen in einer Vitrine in der Weihnachtskapelle, dem ersten Raum beim Rundgang der Krypta. Zwar fehlt ihnen der historische Zusammenhand, dafür sind Sie in den Gesamtzusammenhang der erneuerten Kathedrale gestellt worden. Mehr oder wenige in einem Halbkreis umstehen mehr als 30 Persönchen die Heilige Familie. Wenn Betrachter vor die Scheibe der dezenten Vitrine treten ergänzen sie den Kreis voll. Das Kind in Windeln in einer Krippe wird zum Zentrum der Gemeinschaft – einer Communio. So wie in der Kirche, oben rund um den Altar oder in der Krypta, unten rund um den Taufstein. Durchaus ein starkes Bild.

Links zum Thema

Erste Ausstellung, Post 2018
Noch eine Ausstellung von 2020

Krippenseite:
https://www.hedwigs-kathedrale.de/kathedrale/die-neapolitanische-krippe

Suchanfrage für diesen Blog, es gibt schon einiges dazu:
https://kirchenbauforschung.info/?s=neapolitanisch

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