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- Author: Konstantin Manthey
- Posted: 12 April, 2026
- Category: Kirchenporträts
St. Erich, Kathedrale von Stockholm
St. Erich, die Kathedrale des Bistums Stockholm, war beim Osterurlaub ein Wunschziel. Wie bei nahezu jeder Reise sammle ich unterwegs Urlaubskirchen. Nun ist es einmal wieder Zeit eine dieser Auslandskirchen vorzustellen. Dabei war die Kirche ganz anders als ich es erwartet habe. Vor allem, da die vorab gefundenen Informationen zu diesem Bau sehr spärlich waren. Auf der Insel Södermalm im Herzen von Stockholm entstand 1892 die erste größere katholische Kirche der Stadt seit der Reformation.
Katholische Kirche in Schweden
In der Folge der Reformation bildete sich in Schweden eine lutherische Staatskirche heraus. Im 18. Jahrhundert entstanden wieder erste katholische Strukturen in Skandinavien. In Folge des Zweiten Weltkriegs kamen viele katholische Christen hinzu. Schließlich wurde aus dem Apostolischen Vikariats des Nordens 1953 für Schweden das Bistum Stockholm. Zu dessen Kathedralkirche St. Erich erhoben wurde. Heute gibt es rund 150.000 Katholiken in Schweden, die in 44 Pfarreien organisiert sind. Darunter viele Migranten, die in dem Land leben und arbeiten. Außerdem gibt es immer wieder Konvertiten, so wie den aktuellen Bischof von Stockholm Anders Kardinal Arborelius OCD.

Medborgarplatsen, Q: Stockholms Stadsmuseum, via: wikimedia Commons (12.4.26)
Mit dem Wachstum der Städte zum Ende des 19. Jahrhunderts wuchs auch die Zahl der Katholiken. Mit einem Gesetz zur Religionsfreiheit 1860 kam die Möglichkeit zur katholischen Gemeindebildung. Die Jesuiten gründeten Ende der 1870er Jahre eine Mission in der schwedischen Hauptstadt. Sie waren zuständig für die St.-Eugenia-Gemeinde nördlich der Altstadt. Ebenso gab es bereits Ende des 18. Jahrhunderts im Bereich von Södermalm Katholiken. Dort entstand mit der St.-Erich-Kirche gut 100 Jahre später ein weiterer katholischer Anlaufpunkt. Mittlerweile gibt es allein in Stockholm neun Pfarreien.

GRÅARK, Kvarteret Nattugglan, sid. 024, Stadsmuseet i Stockholm
St.-Erich-Kathedrale
Zunächst entsteht also im heutigen Kreativstadtteil eine neue Kirche. Der Bau wirkt auf den Aufnahmen sehr würdevoll und eher groß. Jedoch ist der historistische Sakralraum klein und passt somit ganz zur nordischen Diaspora. Er weist zudem nur zwei angedeutete Türme auf, die den Portalgiebel flankieren. Da Turmbauten teuer waren, wurde an dieser Stelle gespart. Vergleichbares kennen wir aus dem deutschen Diasporakirchenbau. Als Architekt ist ein A. Gillberg zu finden, leider ist dazu nicht mehr bekannt. Bauherr war der Apostolische Vikar in Schweden und Norwegen, Albert Bitter (1848-1926), der zum Titularbischof von Doliche ernannt war und 1893 auch geweiht wurde.

Entstanden ist 1892 ein Kirchenbau als Kind seiner Zeit, dabei bezieht sich die Architektur auf romanische und ebenso byzantinische Elemente auf. Damit passt der Bau sehr gut zum katholischen Verständnis,. vor allem in überwiegen protestantischen Gegenden. Auch in Berlin gibt es viele Beispiele, wo durch die Bezüge auf vermeintlich katholische Baustile eine Standortbestimmung des Katholischen geschieht, so z.B. Herz Jesu oder Maria Rosenkranzkönigin von Christoph Hehl.

Der historische Innenraum weist heute wieder eine starke Farbigkeit auf. Eine mit floralen Ornamenten verzierte Flachdecke liegt auf Trägern mit unterzogenen Rundbogenstützen auf. Die Ausstattung passt zur Erbauungszeit. Jedoch ist der ehemals eingezogene Chor nun offen und erschließt einen neuen Bauteil.


Der Erweiterungsbau von 1983
Offensichtlich brauchte die Kathedrale mehr Fläche. So erweiterte der Architekt Hans Westman (1905-1991) den Raum radikal nach hinten. Dabei ging er schließlich so behutsam wie möglich vor.
Hans Westman mit seiner Tochter Ylva Lenormand vom Architekturbüro Westman in Malmö. Hans Westman entwarf bereits zwei weitere katholische Gebäude in Schweden: die Erlöserkirche in Malmö und das Karmeliterkloster in Glumslöv. Schon als Kind kam Hans Westman mit katholischen Kirchen in Berührung; sein Vater war Pfarrer der Schwedischen Kirche und wirkte an einigen mittelalterlichen Kirchen in Uppland mit. (Q: https://www.katolskadomkyrkan.se/historia, deutsch: google Übersetzer)





Es entstand ein bauliches Gegensatzpaar, vermutlich um nichts zu kaschieren, das nicht verdeckbar ist. Direkt hinter der alten Kirche wurde nun „ein multifunktionales Pfarr- und Diözesanzentrum“ (Art. Wikipedia) geschaffen. Der neue Hauptkirchenraum hat einen quaderförmigen Grundriss. Der Altarraum ist in eine Ecke gestellt, so dass Tabernakel und Opfertisch auch vom Eingang der ersten Kirchen zu erkennen sind. Die Ebenfalls vom Architekten entworfenen Bänke ordnen sich in mehreren Blöcken um die Hauptinsel, somit stieg die Sitzanzahl um 350 auf 600 Plätze.


Zudem ist ein Umgang entstanden, der neben Beichtorten, Seitenkapellen und Andachtsnische erschließt. Weiterhin erhielt die Kirche nun neue Zugänge. Außerdem wurden um einen L-förmigen Innenhof weitere Gebäude errichtet. Dort befindet sich auch der 27 Meter hohe Glockenturm aus Sichtbeton. Dieser wird durch ein Kronenmotiv bekrönt. Ebenfalls lassen sich Kronen überall an den Zäunen, Gittern und Türen finden. Sicherlich sind dies Bezüge auf den Patron der der Kirche Erich IX, den heiligen König von Schweden aus dem 12. Jahrhundert, der die Ausbreitung des Christentums förderte.


Innenausstattung des Neubaus

Bemerkenswert sind neben den Bänken und der Ausstattung des neuen Kirchensaals, die auf den Architekten zurückgehen. Ebenso fallen die Leuchtkörper auf, die wohl nach einem Entwurf von Peter Celsing (1920-74) gefertigt sind. Darüber hinaus ist von Westman eine sehr wirkungsvolle Akustikdecke geschaffen worden. Die Kassettendecke heißt Decibella und ist patentiert. Somit hat dieser Teil der Kirche mit den Prinzipalstücken einen anderen gestalterisch eigenen Anspruch als der Altbau. Zudem sind mittlerweile auch etliche Zutaten der lokalen Frömmigkeit hinzugekommen. Verschiedene Glasfenster von historistisch bis zeitgenössisch und andere Bildwerke ergänzen seit mehr als 50 Jahren den neuen Raum. Der große Hauptraum soll flexibel nutzbar sein.







Würdigung der St. Erich Kathedrale

Zuerst war ich wirklich etwas erschrocken. Dabei hat das Nebeneinander der Epochen sein Recht. Wie sollte ein Architekt auch in den 1980er Jahren die Neostile weiterbauen. Zudem ist der extreme Gegensatz oft das Ehrliche und durch den klaren Unterschied auch Passende. Beide Raumteile sind gleichberechtigt und erlebbar. So fiel bspw. auf, dass die üblichen Seitenaltäre im Altbau sind. Dort gab es auch viele Betende, im Neubau waren wir lange für uns. Noch eine weitere Stärke hat der Bau. Nähert man sich von Norden vom Medborgarplatsen fällt vor allem der Altbau auf, der Neubau hält sich von der historischen Schauseite zurück und entfaltet seine Wirkung von Süden her. Schließlich schätze ich diese Zeugnis des Sakralbaus der 1970/80er-Jahre, da in dieser Zeit weniger neue Kirchenräume entstanden ist das was dort in St. Erich geschaffen wurden noch einmal besonders hervorzuheben. Am besten Sie/ ihr fahrt selbst einmal dorthin und findet vielleicht noch mehr über die Kathedrale von Stockholm heraus als ich. Freue mich immer über Hinweise!





Links
Die Baugeschichte auf den Seiten der St.-Erich-Kathedrale:
https://www.katolskadomkyrkan.se/historia
Seiten des Bistums: https://www.katolskakyrkan.se
Über die Kirche beim Katholischen Geschichtsverein Schwedens:
https://www.katolskhistoria.se/sankt-erik/
Eintrag auf der Denkmalkarte Schwedens:
https://app.raa.se/open/bebyggelse/bebyggelseobjekt/97249c1f-78d3-4123-9249-1d4fb8b94cde
Der Artikel zur St. Erich Kathedrale auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Domkirche_St._Erich
Bildsammlung von Bauten des Büro Westman
https://digitaltmuseum.org/011034077561/westman-hans-1905-1991





