St. Ewald, Bodstedt, Ansicht von Süden, Foto: K. Manthey, 2021

St. Ewald, Bodstedt

St. Ewald in Bodstedt liegt unweit des gleichnamigen Boddens auf der Binnenseite des Darß. Touristisch gut erschlossen, kommen überdies viele Besucher mit dem Fahrrad dort vorbei. Bereits im Mittelalter existierte der Ort und war ein Zentrum für Fischerei und Seefahrt. Dementsprechend war dieser Ortsteil von Fuhlendorf in der DDR-Zeit ein Zentrum für betriebliche Erholung in Ferienlagern. Mittlerweile gibt es solche Großurlaubsanlagen dort nicht mehr. Jedoch ist Bodstedt weiterhin ein beliebter Ort mit Hafen, Gastronomie und der spätgotischen Kirche. An einer Nebenstraße zur Landstraße gelegen, fällt die Backstein-Kirche aus dem 15. Jahrhundert dem Durchreisenden nicht sogleich auf. Doch sie ist sehr besuchenswert, heute stelle ich diesen neuesten Urlaubsfund vor.

Geschichte des Kirchenbaus

Ansicht von Osten mit dem Chor, Foto: K. Manthey, 2021

Ein Vorgängerbau soll bereits 1388 bestanden haben, vermutlich eine Kapelle aus Holz. Es wird davon ausgegangen, das dieser einer Sturmflut zum Opfer fiel. Der heutige Saalbau mit Fünfachtelschluss ist geostet und wurde um 1463 errichtet. Dies ist durch die Ausstattung mit Stiftungen nachgewiesen. Die Kirche hatte ursprünglich einen Turm. Jener war vermutlich freistehend und diente als Wegmarke für die Schifffahrt auf dem Bodden und in den angrenzenden Bereichen der Ostsee. Die St.-Ewald-Kirche war lange Zeit auch der Gottesdienstort für die Darßer Bevölkerung, die mit Booten sonntags übersetzte. Ebenso bietet dies eine Erklärung für die Lage dicht am Bodden. Übrigens, der Turm fiel deshalb einer Unterspülung zum Opfer und schließlich Mitte des 18. Jahrhunderts abgetragen. In diese Zeit fällt darüber hinaus die Erweiterung um ein Joch im Westen, welches mit einem hochgezogenen Giebel als Glockenträger errichtet wurde.

Blick zum Bodstedter Bodden, Foto: K. Manthey, 2021

Ein Wunder als Auslöser

Ab 1474 gab es eine Wallfahrt zur Kirche hin, die nunmehr als Gnadenort galt. In Folge dessen errichtete man weiterhin eine einfache Kapelle an der Nordwand der Kirche. Dorthin gelangte man von Boddenseite ebenso wie von der Landseite. Bis heute ist dieser Anbau in Teilen mit Pultdach erhalten.

Heutiger Bestand des Anbaus im Norden, Foto: K. Manthey, 2021

„Berichtet wird von der wunderbaren Errettung aus Seenot, als am 26. Januar 1457 der Barther Fischer Claus Schrieber mit seiner 23-köpfigen Mannschaft auf Heringsfang war und in ein lebensbedrohliches Unwetter geriet. Sie riefen Gott und St. Theobald um Hilfe an, und sogleich hörte der Sturm auf.“

(Q: https://www.fischland-darss-zingst.de/service/provider/details/stamm/show/wallfahrtskirche-in-bodstedt; Zugriff: 29.7.21)

Die Wallfahrt nach St. Ewald

Im Hochmittelalter verehrte man besonders im norddeutschen Raum den Hl. Theobald von Thann. Dabei handelt es sich um einen Heiligen italienischen Bischof des 12. Jahrhunderts. Dieser Ubald von Gubbio übrigens war ein Volksheiliger, arm und bescheidende lebend war er sehr beliebt. Ein Fingerreliquie von ihm wurde alsbald ebenso im Elsässischen Thann verehrt. Dort entstand ab 1400 das gotische Münster. Wohin etliche Pilger auch aus dem Ostseeraum wallfahrten. Somit wundert es nicht, dass der erhörte Barther Fischer, diesen Heiligen Ewald anrief. Ebenso fuhr einer der geretteten Seemänner stellvertretend nach Thann um dem Heiligen zu huldigen. Nach Bodstedt pilgerten Menschen um 1500 ebenfalls, da es unweit des bekanntesten Wallfahrtortes Vorpommern, der St.-Marien-Kirche in Kenz lag (gut 8 km entfernt).

Heutiger Radweg am Bodden entlang, Foto: K. Manthey, 2021

Bemerkenswert darüber hinaus ist, dass bis heute das Patrozinium der Kirche bekannt ist und genannt wird. Denn bei vielen evangelisch gewordenen Kirchen des Mittelalters ging diese Tradition bald unter. Darüber hinaus gibt es auch heute wieder Wallfahrten, die auch St. Ewald als Ziel haben, wie das Pilgern auf dem Greifenweg.

Weitere Geschichte

In der Region Barth wird 1533 die lutherische Lehre übernommen. Ab 1560 hat Bodstedt einen eigenen nachreformatorischen Prediger (zuvor gehörte die Gemeinde zu Barth). Dieser hatte vermutlich die Ausläufer der Wallfahrt geduldet. Doch die kam sicherlich nach und nach zum Erliegen. Generell war es um die Pfarre nicht sonderlich gut bestellt zwischen 1613 und 32 war die Pfarrstelle vakant. Ebenso gab es lange kein Pfarrhaus und auch für einen Küster reichte das Geld nicht.

Epitaph des Pfarrers Franciscus Fleming aus dem 17. Jahrhundert, Foto: K. Manthey, 2021

Ab 1740 zeugt die Barockisierung der Kirche mit Neuausmalung und -Ausstattung von einer Konsolidierung der Gemeindesituation. Ab 1788 war der einstige Hauslehrer von Ernst Mortiz Arndt (1769-1860), Joachim Gottfried Danckwardt (1754-1825), dort Pfarrer bis er 1813 nach Prerow wechselte. Eine umfassende Innenraumsanierung gab es letztmalig 1934.

Bernhard Hopp (1893-1962)

Diese führte der Hamburger Maler und Architekten Bernhard Hopp durch. Er gründete in Zusammenarbeit mit dem Architekten Rudolf Jäger eine Arbeitsgemeinschaft. In den letzten drei Jahren der Weimarer Republik leitete Hopp die „Werkstätte für Kirchliche Kunst“ in Hamburg. Somit avancierte er aufgrund seiner sachlich, modern-reduzierten Arbeit zu einem landesweit bekannten Kirchenkünstler. Aufgrund der politischen Umwälzung siedelt er nach Born auf dem Darß. Dort realisierte er mit Jäger, 1934, die Fischerkirche. Er war später u.a. zeitweilig Denkmalpfleger der Hansestadt Hamburg und setzte verschiedene Kirchen(um)bauprojekte mit seinem Partner um. Zwar ist der Innenraum sanierungsbedürftig, doch die Kirche erscheint baulich gesichert und relativ trocken.

Die Kirche St. Ewald und ihre Ausstattung heute

Bei Betreten der Kirche stehen die Besucher unter der hölzernen Orgelempore. Darauf befindet sich eine Orgel von 1887. Diese schuf der Stralsunder Orgelbaumeister Friedrich A. Mehmel.

Orgel von Mehmel, Foto: K. Manthey, 2021

Lässt man die Empore hinter sich steht man im Kirchensaal und sieht die Holzbalkendecke mit Ihrer floralen Ornamentik in Akanthusformen. Darunter findet sich auch das schwedische Wappen, lange Zeit stand Vorpommern unter deren Herrschaft.

Bemalte Decke, Foto: K. Manthey, 2021

An den Wänden findet sich ebenfalls mittelalterliche Dekormalerei an der Nordseite des Kirchenschiffs, wie auch moderne bildhafte Malerei von Bernhard Hopp aus dem Jahr 1934. Diese im Rahmen der Sanierung angebrachten Putzbilder zeigen u.a. die Verkündigung an Maria (s. Abb. oben).

Innenraum, Blick zum Chor, Foto: K. Manthey, 2021

Der Chorraum wird beherrscht von dem barocken Altar vor dem Scheitelfenster. Es stammt aus dem Jahr 1741. Das Altarbild zeigt eine Abendmahlsszene im Aufbau darüber sieht man eine Darstellung der Verklärung des Herrn. Zwei Heiligenfiguren flankieren die die Hauptzone. Ihre Gesichtszüge wirken auf mich so, als seien die Figuren späteren Herstellungsdatums. Gleichwie sehr lebendig blicken Sie in die Gemeinde.

Davor steht rechterhand ein Lesepult getragen von einer Engelsfigur aus der Zeit um 1700. Auf der anderen Seite an der Wand finden wir die reich verzierte Kanzel weist an Korb und Aufgang biblische Szenen und Evangelisten-Bilder auf.

Das älteste Ausstattungsstück ist die Cuppa eines mittelalterlichen Taufbeckens aus Granit. Für die neuneckige Arbeit wird übrigens ein slawischer Ursprung vermutet. Sie ist mindestens 800 Jahre alt.

Cuppa, Oberteil eines Taufsteins, 12. Jh., Ansichten des Engelpultes, Foto: K. Manthey, 2021

Würdigung

St. Ewald ist ein lohnenswerter Abstecher auf dem Weg nach Barth, auf den Zingst oder zum Bodstedter Bodden. Dort begegnet einem eine gut erhaltene Kirche, die bis heute ein Ort christlichen Lebens ist. Derzeit findet sich dort übrigens eine Bilderausstellung zur Geschichte der Gemeinde. Die Kirche lädt ein zum zur Ruhe kommen. Darüber hinaus kann man an den historischen Malereien und Skulpturen seine Kenntnisse zur biblisch-christlichen Tradition auffrischen oder ausprobieren. Hinzu kommen für Seemannskirchen typisch, Modelle von ortsüblichen Schiffen.

Schiffsmodell im Chor, Foto: K. Manthey, 2021
Umgebung der Kirche, Foto: K. Manthey, 2021

Quellen und Links zu St. Ewald

Norbert Buske: Die Verehrung des Hl.Ewald und die Errichtung der Bodstedter Kapelle: Ein Beitrag zur Patrozinienkunde und zur Geschichte der Wallfahrtsorte in Pommern. In: Baltische Studien 58 (1972),
Online unter: https://www.digitale-bibliothek-mv.de/viewer/image/PPN559838239_NF_58/34/

Seiten der Kirchengemeinde: https://www.kirchen-am-bodden.de/kirchen/bodstedt/

Beitrag in der OZ zu den Westfenstern:
https://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Ribnitz-Damgarten/200-Jahre-verschlossenes-Fenster-geoeffnet

Infoseite zu Dorfkirchen:
https://www.dorfkirchen-in-mv.de/content/Version_1/detail_gesamt.php?Reg_Nr=006

Gut 13 km entfernt liegt diese Kirche…

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