Tägliche Kirche, Nr. 87, Wieskirche

Detail aus der Wieskirche mit der Rokokokanzel im Vordergrund, Foto: K. Manthey, 2020

Die Wieskirche konnte ich kurz vor den durchgreifenden Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Erkrankungen endlich einmal besuchen. Inzwischen ist der 1. Post dieses Beitrags genau 3 Monate her. Demgemäß passt auch diese Rokoko-Kirche zu der aktuellen Unsicherheit. Deswegen ist der Bau und sein Ausstattung das Zeugnis von der Verehrung und Wichtigkeit des Pilgerziels Tausender Menschen: des gegeißelten Heilands. So übrigens lautet der richtige Name der Kirche: Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies.

Das Wallfahrtsbild des gegeißelten Heilands aus den 1730er Jahren, Foto: K. Manthey, 2020

Geschichte der Heilandsfigur

Die Prozessionsfigur des Jesus an der Martersäule war ursprünglich eine von vielen Figuren, die während der Karfreitagsprozession des vom nahe gelegenen Prämonstratenserklosters in Steingaden (zu dessen Kirche später mehr) durch die Straßen getragen wurde. Das war in den 1730er Jahren im sogenannten Pfaffenwinkel. Dem Landstrich in Bayern, der übrigens die höchste Kirchendichte aufweist. Doch die Heilandsfigur aus Pappmaschee, Holz und anderen Materialen zusammengestückelt, war anscheinend nicht schön genug. Sie soll hingegen nach 2 Jahren, 1734 auf einen Dachboden verräumt worden sein. Dort entdeckte ihn die Bäuerin Maria Lory und erbat den heiligen Herrn für sich. 4 Jahre später hat die Familie Lory überdies Tränen im Gesicht des Heilands erkannt. Dieses Wunder wurde begutachtet, doch so recht wollte es niemand bestätigen. Doch wie das Leben so ist, die Angelegenheit machte die Runde. Pilger fanden seitdem ihren Weg und eine erste Kapelle wurde errichtet, 1744 eine weitere.

Der Turm der Wies zwischen Prälatenhaus und Kirche, Foto: K. Manthey, 2020

Baugeschichte der heutigen Kirche

Bis 1754 errichteten jedenfalls die Brüdern Johann Baptist und Dominikus Zimmermann im Auftrag von Abt Marinus II. Mayer die heutige Wieskirche. Darüber hinaus zeichnen die Brüder für fast alle Ausstattung und die Architektur verantwortlich.

Schattenbild eines Seitenaltars, Foto: K. Manthey, 2020

Das Hauptaltarbild ist übrigens dem Münchener Hofmaler Balthasar Augustin Albrecht zugeschrieben. Im Hauptraum sind außerdem die vier Kirchenlehrer voll plastisch durch den Bildhauer Anton Sturm dargestellt. Auch wenn dieser Kirchenbau den Bauherren schließlich sein Amt kostete, weil die Kosten fast auf das fünffache der geplanten Summe anstieg, ist Sie seit 1987 Weltkulturerbe.

Eine der Deckenbilder, Jesus und Maria Magdalena, Foto: K. Manthey, 2020

Bei einer Führung durch den heutige Wiespfarrer Monsignore Fellner erfuhr ich, dass sogar die Nazis vorhatten aus der populären Wallfahrtskirche einen Tanzsaal zu machen. Doch die bis heute nicht vorhandene Beheizbarkeit, hat dies schließlich verhindert.

Kreuzigungsszene zur Fastenzeit, sie verdeckt das Hochaltarbild, Foto: K. Manthey, 2020

Kommt ihr Sünder, kommt gegangen, schaut den wahren Gottessohn! Auf der Wies ist er gefangen, hat gelitten Spott und Hohn. Schönster Jesus auf der Wies, der so voller Gnaden ist.

(aus dem Pilgerlied zum Wiesheiland)

Tor zum Himmel (aus dem Fresko an der Hauptschiffdecke) – doch wer hat den Schlüssel ? (Jesus), Foto: K. Manthey, 2020

Möge der gegeißelte Heiland uns behüten und seine Gnade schenken!

Eine der vorderen Kirchenbänke – Ritzereien seit 1773, Foto: K. Manthey, 2020

Weiterführende Links

Kirche in Reihe: https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

Der 1. Post zu Beginn von Corona, vor genau drei Monaten

Seite der Wieskirche

Artikel zur Kirche bei wikipedia.de

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