Tägliche Kirche, Nr. 50, St. Johann Nepomuk (Asamkirche), München

Die Asamkirche in München ist nicht nur eine der bekanntesten Barockkirchen der Welt. Sie, die eigentlicht dem heiligen Johann(es) Nepumuk geweiht ist, wurde ohne Auftraggeber gebaut. Denn die Bauherren sind die ausführenden Künstler. Eine echte Künstlerkirche, zeitweise war der damalige Künstlerseelsorger von München-Freising, mein sehr geschätzter Kollege Pater Georg Maria Roers SJ hier Kirchenrektor und brachte ebenfalls zeitgenössische Kunst in dieses spätbarocke Meisterwerk der beiden Künstlerbrüder Asam.

Wunderszene an der Eingangstür, Foto: K. Manthey, 2017

Vorgeschichte

Der Bau selbst ist auf dem privaten Gelände der Asams entstanden. An der Sendlingerstraße kauften diese Gründstücke für Privathäuser. Die Herausforderung war allein schon die Grundtsücksgröße von 22 mal 8 Meter.

Blick in die Sendlingerstraße mit Asamhaus und Kirche, Aufn. um 1900
Q: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:M%C3%BCnchen,_Bayern_-_Sendlingerstra%C3%9Fe,_Asamhaus_und_St._Johanniskirche_(Zeno_Ansichtskarten).jpg

Daher ist Sie vollkommen in die Häuserfront eingebunden. Aus den Privaträumen der Bauherren konnte man, so wie es sonst nur hochrangigen Bauherren vergönnt war, auf den Hochaltar blicken.

Blick über den Altar, hier wird eine hohe Tiefenwirkung aufgebaut, Foto: K. Manthey, 2017

Geschichte des Kirchenbaus

Beschwerden aus der Bevölkerung sorgten dafür, dass die Kirche dann öffentlich zugänglich wurde. Der Bildhauer und Stuckateur Egid Quirin Asam (1692-1750) plante darauf hin die Kirche mit ihren sieben Beichtstühlen skulptural als eine Buß-Kirche für junge Menschen um. Dadurch entstand ein Gemeinnutzen. Dies verdeutlichen künstlerisch die sieben allegorischen Bildwerke an den einzelnen Beichtorten.

Der Tod durchschneidet einen Lebensfaden, Bild über einem Beichtstuhl, Foto: K. Manthey, 2017

Zusammen mit seinem Bruder dem Architekten und Maler Cosmas Damian Asam (1686-1739) begann er den Kirchenbau 1733 (1746 fertiggestellt). Natürlich kamen auch andere Künstler hinzu, wie z.B. der ebenfalls berühmte Ignatz Günther (1725-75) mit dem Zech-Epitaph. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bau stark zerstört und 1975 bis 83 restauriert.

Blick nach oben, links das Kreuz über dem Altar, Foto: K. Manthey, 2017

Bildprogramm und Patron

Die Kirche ist ferner horizontal in drei Zonen gegliedert. Von der dunklen irdischen Schicht bis hin zum göttlichen Himmelreich ist alles dabei. Ebenso verdichten etliche kunstvolle Werke und Ausstattungen diesen Raum zu einer repräsentativen Pracht. Schließlich widmet sich der Raum bildlich ganz dem Patron. Denn der Altar ist mit der zentral gezeigten Reliquie Johann Nepomuks ein Schaugrab.

Das Heiligengrab im Hochaltar, Foto: K. Manthey, 2017

Das Deckengemälde zeigt außerdem in vielen Szenen Leben und Sterben des Heiligen. Er wirkte im 14 Jahrhundert als Priester in Böhmen und wurde 1729 Heilig gesprochen. Johann Nepomuk ist der Patron des Beichtgeheimnisses und somit absolut passend zur öffentlichen Funktion dieser Kirche.

Würdigung

Die St.-Johann-Nepomuk-Kirche umschließt überdies den Besucher regelrecht mit Barocker Kunst. Außerdem ist in diesem Sakralbau alles gestaltet und nichts dem Zufall überlassen. Tritt man aus der belebten Sendinger Straße in den kleinen Kirchenraum kommt man folglich in eine andere Welt.

Die ganze Pracht, Eindruck seitlich über dem Hochaltar, Foto: K. Manthey, 2017

Trotz der etlichen Besucher bleibt dieses Gefühl der Erhabenheit zur Ehre Gottes und zum Ruhm der beiden Künstlerfürsten Egid Quirin und Cosmas Damian Asam, die kurz nach der Fertigstellung ihrer Kirche verstarben. Kurzum, ein berühmter Kirchenbau am Ende des Barocks in Süddeutschland und Pflichtprogramm bei einem Münchenbesuch.

Weitere Links

Die anderen 49 Kirchen: https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

Historische Farbbilder vor der Kriegszerstörung im Farbdiaarchiv des ZI für Kunstgeschichte: https://www.zi.fotothek.org/objekte/19003552/006-19003552

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