St. Theresia vom Kinde Jesu, Eberswalde-Finow (VI, tägliche Kirche, Kirchenführung 2.6.2021)

St. Theresia ist das Ziel der ersten Kirchenführung vor Ort in diesem Jahr. Bereits 2014 konnte ich die Kirche ausführlich besichtigen und die Archivalien sichten. Die Kleine Kirche ist der Heiligen Mystikerin und Kirchenlehrerin Theresia von Lisieux geweiht. Einer jungen Karmelitin, die mit Ihrer Frömmigkeit und ihren Texten vielen im Glauben inspirierte. Sie lebte von 1873-97 und wurde bereits 1925 heiliggesprochen. Ebenso wurd sie zwei Jahre später zur Patronin der Mission ausgerufen neben Franz Xaver. Vermutlich war dies der Grund für die Wahl dieser Heiligen als Kirchenpatronin. Die kleine Gemeinde in Finow zählte zur Kirchenweihe am 18.11.1934 nur gut 450 Seelen. Wie viele Orte in der katholischen Diaspora wurde auch der Norden des Barnim als Missionsgebiet verstanden. Und die Heilige Theresia, als ein bekanntes und beliebtes Glaubensvorbild passte hier sicher gut.

St. Theresia, Foto: K. Manthey 2014

Außenbau

Vorderansicht, Foto: K. Manthey 2014

Sie ist ein „Charakteristischer Ziegelbau zwischen Neuer Sachlichkeit und Heimatstil, mehrfarbige Ziegel, keine Ornamente.“ Wie ihn Dr. Christine Goetz in ihrem Inventar der Kunstgegenstände einst verzeichnete. Der Turm ist, wenngleich, kaum als solcher zu bezeichnen. Quer gelagert füllt er mit seinem Satteldach die Breite des Langhauses. Vermutlich „in freier Assoziation an märkische Westwerke des Mittelalters“ (Goetz: Kunstinventar). Hingegen fällt das abgestuft gemauerte Rundfenster mit einem Kreuz aus Ziegeln auf. Ein Bauelement, das nicht nur Josef Bachem anwandte. Die Stufung über die gesamte Länge des Baus hatte bereits zuvor in der Region Verwendung gefunden (wie man hier nachlesen kann).

Der Innenraum, Foto: K. Manthey 2014

Innenraum von St. Theresia

Darüber hinaus findet man nach dem Betreten der Kirche einen Kubischer Kastensaal vor. Seine holzverkleidete  Flachdecke ist übrigens nicht bauzeitlich. Damals war die Mittelzone hoher, somit wurde eine Dreischiffigkeit angedeutet. Weiterhin sind die Wände verputzt. Ferner weist der Boden immer noch einige ursprüngliche Ziegel auf. Auch sorgen geometrisch farbverglaste Rundbogenfenster aus der Bauzeit an den Seitenwänden für Belichtung. Jene stammen zwar noch von Hannes Schulz-Tattenbach (später: Odo Tattenpach).

Altarraum und -bild

Altarbild von 1934, Q: PfAR St. Peter und Paul, Eberswalde, Repro: K. Manthey 2014
Altarbild von 1946, Foto: K. Manthey 2014

Sein Altargemälde, jedoch, wurde 1946 übermalt. Dafür sind die genauen Gründe nicht bekannt. Gut möglich, dass der Stil des expressionistischen Künstlers zu modern oder zu verstörend war. Die Übermalung stammt übrigens vom bekannten Kirchenmaler Theodor Nüttgens, einem Künstler, der gefälliger arbeitete. Ohnehin, damals wie heute zeigt der dreiteilige Klappaltar Szenen aus dem Leben der Hl. Theresia vom Kinde Jesu. Die heutige Altarraumgestaltung ist schließlich von 1975. Der Altartisch wurde aus Klinkern gemauert, ebenso der Sockel des Messing-Tabernakels, den man vom ehemaligen Hochaltar (auch aus Mauerwerk) übernahm.

Altar und Tabernakel seit der Neugestaltung 1975, Foto: K. Manthey 2014

An den Seitenwänden sind zudem sieben farbige, bronzierte Skulpturen aus Holz angebracht. Dort sind dargestellt: Herz Jesu, Muttergottes, Hl. Bonifatius, Hl. Josef mit Jesuskind, Hl. Antonius, Hl. Franziskus und die Hl. Elisabeth.

Die Heiligenfiguren, Foto: K. Manthey 2014

Die Kreuzwegstationen von 1938 aus Guss-Masse sind ebenfalls metallisch gefasst. Sie sind übrigens nach Modellen von Franz Cleve (1879-1920) gefertigt worden. Heute sind diese in die Wand eingelassen, ursprünglich waren sie jedoch auf vorgezogenen Ziegeln montiert.

Kreuzwegstationen von 1938, Foto: K. Manthey 2014

Auf der Empore über dem Hauptportal befindet sich ferner eine Orgel von Ulrich Fahlberg, Eberswalde, Opus 30, aus dem Jahr 1983.

Orgelempore mit Orgel von 1983, Foto: K. Manthey 2014

Würdigung

Am kommenden Mittwoch darf ich also diese Kirche Zeigen (die Anmeldedaten finden sie hier). Es ist ein herausragender und dennoch schlichter Bau. Bis heute kann man in den Details unglaublich viel von einem Aufbruch in die Moderne finden. St. Theresia zeugt davon wie es trotz schwerer Zeiten weiterging. Dabei ist die Kirche bis heute im Dorf geblieben. Ein Besuch lohnt – dafür eignet sich vielleicht der 2. Juni 2021. Insoweit, herzliche Einladung nach Finow (unter Einhaltung aller geltenden Regeln) !

Links

Hier geht es zur Kirchenführung am Mittwoch:

hier finden Sie eine Reihe von Beiträgen rund um die Kirche St. Theresia
St. Theresia in Finow I: Vorgeschichte
St. Theresia in Finow II: Eigene Kirche, Entwurfskizze Carl Kühn
St. Theresia in Finow III: Entwürfe Josef Bachems
St. Theresia in Finow IV: Umsetzung Josef Bachems

Über die Orgel:
https://www.orgellandschaftbrandenburg.de/orgelinventar/barnim-on/eberswalde-finow-ka/

Rückansicht, Foto: K. Manthey 2014

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