
- Stats: 95 0 0
- Author: Konstantin Manthey
- Posted: 28 Dezember, 2025
- Category: Kalender, Kirchenporträts
St. Johannes Evangelist, Berlin-Südende (2025-27)
Johannes Evangelist ist der 27. Dezember gewidmet. Seit dem 4. Jahrhundert wird dem Lieblingsjünger und Evangelist gedacht. Johannes ist eine vielschichtige Gestalt in der Geschichte der Kirche und für die Theologie. Daher gibt es viele Kirchen, die ihm geweiht sind. Ebenso im Berliner Raum, dort gab es mindestens 4 Kirchen bzw. Kapellen, die dem Evangelisten Johannes geweiht waren. Drei davon sind heute allein im Stadtgebiet Berlins (noch) genutzt. In Johannisthal, dort ist der Abriss geplant, in Französisch Buchholz sowie in Südende. Um letztere Kirche soll es heute gehen. Schließlich gab es dort am 3. Dezember 2025 die letzte Kirchenführung in der Reihe Berlins Sakralarchitektur (ext.).
Über Südende und die katholische Gemeinde
Südende ist eine um 1890 gegründete Villenkolonie. Diese hatte zu Beginn einen hohen Erholungswert und lag dem Namen nach einst am Ende der Stadt. Ähnlich wie es auch bei dem Ortsteil Westend war. Dort gab es übrigens auch zwei spannende Kirchen, die Klosterkirche der Rosa Schwestern, seit 2023 Privatschule sowie die Pfarrkirche für das südliche Charlottenburg, Hl. Geist. Die Gemeinde in Südende wurde von Steglitz her gegründet. Zuvor hatten bereits Arenberger Dominikanerinnen, 1891 ein (Säuglings-) und Kinderheim gegründet. Mit der seit 1897 bestehenden St.-Anna-Kapelle gab es den ersten Gottesdienstort für Katholiken. Damit das Projekt einer eigenen Gemeinde und Kirche vorangeht, gründet sich 1922 sich ein katholischer Verein. Dieser firmiert ab 1929 als Pfarrverein St. Johannes. Dies geschieht nun unter dem ersten Lokalkaplan ab 1928. Schon ab 1929 wird die Gemeinde eine Kuratie und erlangt somit eine größere Unabhängigkeit von der Muttergemeinde. Mitten im Krieg, 1914, wird St. Johannes Pfarrei.
Pfarrer Felix Hinz (1891-1967)

Felix Hinz wird erster Pfarrer. Er wurde Pfarrer Hinz 1891 in Danzig geboren. 1920 wird Hinz zum Priester geweiht. Während der Gründungsphase neuen Bistums Berlin ist Hinz als Sekretär des Jugendamtes, also Jugendseelsorger eine wichtige Persönlichkeit im jungen Bistum mit vielen jungen Gläubigen. „Er ist zudem Mitbegründer der katholischen Friedens- und Versöhnungsbewegung Pax Christi, deren Berliner Vorsitzender er lange Jahre war. Weiterhin wirkte Pfarrer Hinz als Jugendseelsorger des Bistums Berlin und als Landeskurator der Pfadfinderschaft St. Georg.“ (Q: Dr. Josef Bordat, unter: https://jobo72.wordpress.com/2017/02/27/pfarrer-felix-hinz/, 27.12.25)
Pfarrer Hinz stirbt 1967 in Berlin. Außerdem ist er der zweimalige Erbauer der Kirche St. Johannes Evangelist. Zum einen bei der Gemeindegründung 1928 und zum anderen 1951 – nach der Zerstörung des Gotteshauses im Zweiten Weltkrieg.
Übrigens soll es schon zur Einführung von Hinz in Südende, 1928, geheißen haben:
„In der heutigen Zeit des Priestermangels kann vor allem die großstädtische Seelsorge die Mitarbeit der Laienwelt nicht entbehren“ (Q: Gebhard Streicher, in: Berlin Stadt und Kirche, 1979/80). Sollte das Zitat stimmen, müssen wir uns eigentlich auch heute keine Sorgen machen.
Die erste Johannes-Evangelist-Kirche in Südende

Q: M. Kolbe: St. Johannes Ev. […]. Vom Gartenlokal zur Kirche, Berlin 2025
Das Grundstück auf dem die erste und die heutige Kirche steht wurde im Juli 1928 erworben. Dort befand sich ein Ausflugslokal. Die Straße an der heute der Hauptzugang liegt, hatte viele Namen Berliner Straße, Priesterweg, Doellestraße und heute Sembritzkistraße. Dort wo diese auf den Hanstedter Weg trifft, liegt das dreieckige Grundstück. Wo die Restauration
darauf zur Notkirche umgebaut und Ostern 1929 von Erzpriester Maximilian Beyer von Lichterfelde benediziert wird.

Der Architekt für dieses Vorhaben war greifbar. Es war Carl Kühn (1873-1942) , Bau-Referent der fürstbischöflichen Delegatur und späterer Baurat der Diözese. Kurzum: es wurde zügig gehandelt. Wie so oft in den Jahren, mit starker wirtschaftlicher und arbeitsmäßiger Unterstützung durch die Gemeinde, in der auch wohlhabende Berliner Familien lebten. Schließlich war es ein umgebautes Gasthaus.

Es gab keinen Turm, dafür war die Glocke in einem hochgezogenen Giebel., Weiterhin wurde eine Johannesskulptur von Josef Dorls (1869-1945) aus Kunststein am Giebel angebracht. Er war in diesen Jahren ein wichtiger Bildhauer für die Katholiken in der Region. Mehr zu Dorls erfahren Sie hier auf den Seiten von Norbert Seyer (ext.). Die Figur des Patrons ist erhalten geblieben, ebenso wie eine Kreuzwegstation von Dorls. Beide sind heute außen über der Sakristeitür zu sehen.

Ausstattung und Innengestaltung

Es gab viele Ausstattungsspenden von Gemeindegliedern, u.a. Dr. Rudolf Brenninkmeyer, wohl dem Vater von Bernward Brennikmeyer SJ, der aus der Gemeinde stammte und dort öfter Urlaubs- und Messvertretungen machte. Der Kaufmann Rudolf stiftete den Hochaltar für ca. 11.400 RM. Hierfür kam der Entwurf vom Architekten Kühn. Die Gestaltung des Tabernakel besorgte wohl die Metallwerkstatt W.A. Falger in Münster. Das Altarbild hingegen mit dem Thema „Inkarnation des Logos“ schuf, laut Chronik, ein Maler Bardou vom Tegernsee.

Im Inneren kam es zum Um- und Ausbau des Festsaals. Die fast bodentiefe Fenster wurden verkleinert, damit die Stimmung im Kirchenraum „mystischer“ werden konnte, d.h. geschlossener wurde. Ebenso entstand aus Wirtschaftsräumen die Pfarrwohnung. Eine Wohnung im Obergeschoß wurde der Kirche zugeschlagen und daraus außerdem entstand die Empore. Weiterhin wurden Teil der Kegelbahn zur Sakristei und die Garderobe zur Taufkapelle. Weitere Details erfahren wir aus der Chronik:
„Unter Baurat Kühn und dem ausführenden Architekten Bunning erfolgt der Umbau des großen Tanz- und Bühnensaales zum Gotteshaus […] der ehemalige Bühnenraum das Presbyterium und der Garderobenraum am hinteren Saaleingang die Taufkapelle. Der Innenraum der so entstehenden Kirche erhielt eine einfache Ausmalung, in welchem das Motiv des Kreuzes als Zeichen des Glaubens, der Erlösung und der Beseligung vorherrschend ist. Die Ausmalung wurde von der Firma Alberti aus Steglitz durchgeführt. Die umgestalteten Fenster werden durch Glasmalerei der Südender Firma [Carl] Busch kirchlich gestaltet. Dargestellt wird die Vorgeschichte des Geheimnisses der Menschwerdung und Erlösung Christi. Die Bauarbeiten konnten trotz des harten Winters 1928/29 ununterbrochen glücklich durchgeführt werden. […]“

Übrigens war Hermann Bunning hier wohl als Bauleitung und Baufirma in Aktion. Die Gestaltung der Wandflächen war etwas besonderes, durchaus als modern zu bezeichnen. Ebenso ist das Bildprogramm bemerkenswert, dass sich ganz an dem wohl faszinierendsten Buch des Johannes, der Apokalypse orientiere: dem Präexistenten Wort (gr. Logos, vgl. Offb 1,1ff).
„Südendener Bartholomäusnacht“ die Zerstörung des Viertels
Als „Südendener Bartholomäusnacht“ ist die Nacht auf den Bartholomäustag also 23. auf 24.8.1943 in die Geschichte eingegangen. Die Schäden waren auch für Berliner Verhältnisse immens.

Am 23. August erfolgte dann über unsern Pfarrbezirk Südende –
Steglitz ein neuer Großangriff, der die Zerstörung der St. Johanneskirche mit Pfarrhaus, des St. Anna-Stiftes mit Kinderheim und des Altersheims der Aquinataschwestern am Hanstedter Weg zur Folge hatte. Nachts um 23:45 Uhr ertönte die Sirene, doch blieb es zunächst verhältnismäßig ruhig, so daß man nach Ablauf einer Stunde schon die Hoffnung wieder auf eine baldige Entwarnung hegen konnte.
Plötzlich aber 10 Minuten vor 1 Uhr, am 24. August, setzte ein heftiges Flakschießen ein, dem das Zischen vom Heruntersausen der Bomben folgte. Überall ein gewaltiges Krachen bei den Einschlägen der Bomben, nachdem zunächst ein fernes dumpfes Donnern zu vernehmen war. Das elektrische Licht versagte, die Fenster im Pfarrhaus und der Kirche klirrten, Steine aus der Mauerwand, am Dachgiebel der Kirche und des Pfarrhauses polterten herab, der Treppenaufgang füllte sich von oben bis unten mit Kalk, Schutt und Geröll und wurde teilweise durch schwere Sprengbombenstücke zerstört. (Q: Bericht Pfr. Hinz, in: PfAr Hl. Familie, Berlin-Lichterfelde)

Auf den folgenden sechs Seiten berichtet der Pfarrer sehr eindrücklich von den Verlusten aber auch, dass er das Allerheiligste bergen und sichern konnte. Nach der großflächigen Zerstörung sind von gut 3000 Katholiken von Südende noch ca. 400 Gemeindemitglieder vor Ort. Gottesdienste können zunächst in der evangelischen Kirche abgehalten werden, bis diese ebenfalls den Bomben zum Opfer fällt. Danach wechseln die Stätten u.a. die Regina-Lichtspiele und schließlich im Gemeindesaal der evangelischen Geschwister.

Verlorengegangen sind neben dem Altar auch Vasa Sacra sowie die beeindruckende Pieta von Anton Graue (1897-1971), einem Bildhauer aus Südende. Er war im Künstlerkreis von Georg Kolbe und Ernst Barlach aktiv. Die Schmerzensmutter in St. Johannes war inspiriert von den italienischen Meistern. Die Tabernakeltüren der heutigen Kirche sind entweder original oder nach dem Vorbild des ersten Schreins. Darüber hinaus ist ein nahezu alle Ausstattung Opfer der Flammen geworden. Erhalten weiterhin die Krippe von Ostermeier.

Die zweite Johannes-Evangelist-Kirche von Hinssen

Bereits 1948 gab es anscheinend Entwürfe eines Architekten Heide, erhaltene Modellfotos zeugen davon. Dabei handelt es sich um ein schlichtes Ensemble aus Gemeindebauten und Kirchensaal. Als verbindendes Element der beiden Bauteile fungierte ein kleiner Turm. Wieweit das Projekt gediehen war oder woher es kam ist unklar. Es passt jedoch zum unbedingten Willen von Pfarrer und Restgemeinde wieder eine eigene Kirche zu bekommen.


1950 im Sommer wurde der Kirchenneubau genehmigt. Dafür erhielt die Pfarrei 75.000 DM als Kredit bei der Sparkasse. Die Bürgschaft gab der Gesamtverband der Katholischen Kirchengemeinden Berlins. Somit war der Weg frei für die erste neugebaute Kirche im Bistum nach dem Zweiten Weltkrieg. Die beiden bekannten davor geweihten Sakralräumen waren Umbauten bzw. Barackenkirchen, so bspw. die erste Regina-Mundi-Kapelle von 1949 in Waidmannslust auf dem Gelände der Salvadorianerinnen oder 1951 in Lübars Christus König.

Also konnte am 29. Juni 1951 (Peter und Paul) die Benediktion der neuen Kirche erfolgen. Ihre Kosten beliefen sich Schluss endlich auf mehr als 100.000 DM. Nunmehr gab es wieder 1300 Katholiken im Pfarrsprengel. Der Bau war bescheiden, jedoch nicht ohne „Pfiff“. Der 2. Diözesanbaurat Felix Hinssen, geb. 1899 in Danzig (Beiträge zu Hinssen), hatte zwar eine Kirche mit romanischen Anklängen entworfen, deren Außenwirkung jedoch durch den an der Spitze des dreieckigen Grundstücks stehenden kleinen Portalturm mit modernem Pultdacht einen wirkungsvollen Abschluss erhielt, der zugleich den Eingang darstellte.

Q: Bilderchronik St. Johannes, Südende

Zur Ausstattung
Im Inneren war die Kirche ebenfalls, zeittypisch, schlicht gehalten. Zunächst erhielt der stützenfrei geplante Raum die Auflage der Baubehörden, dass Stützen einzuziehen seien. Dies erzeugt nun, mehr als gedacht eine dreischiffige Wirkung. Dies brachte jedoch keine Abbruch der klaren Wirkung. Die Altarwand war zunächst sehr klar. Über der Tabernakelnische hing ein schmales Kreuz ohne Körper. Nur die Engel auf den beiden Türen des Schreins waren bildlich.

Ab 1955 entstanden die Mosaiken an den Wänden vor dem eingezogenen Chor, in der alten Tradition der Seitenaltäre wurden dort eine „byzantinisch“ anmutende Madonna und der Hl. Josef dargestellt. Die Entwürfe lieferte von Prof. Ludwig Peter Kowalski (1891-1967). Dieser moderne Künstler wurde von den Nazis aus seinem Professorenamt in Breslau entlassen und arbeitete dann in Berlin. Die Ausführung besorgte die Berliner Firma „Vereinigte Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei“ in Neukölln unter der Geschäftsführung der Familie Wagner.



Rechts vom Altarraum bildet eine offene Kapelle den Taufort. Neben einem massiven Taufstein. Zeigt ein Fensterbild, das einzige in der Kirche, die Taufe Jesu. Das viergliedrige Fenster stammt von Emma (?) Senger-Heuser. Die mir leider bisher nicht weiter bekannt ist. Dieses Kunstwerk ist aus der Erbauungszeit. Aus gelben und roten Tönen zeigen die beiden zentralen Fenster Jesus und Johannes den Täufer, auf den Seitenfenstern sind Engel und Rotwild abgebildet. Von der Wirkung ein ausdrucksstarkes Bild.

Weiterhin befindet sich ein Kreuzweg von Rudolf Heltzel (1907-2005) im Kirchenschiff. Es ist die typische Umsetzung und Technik Heltzels, mir erscheint es auf den ersten Blick größer und präsenter als andere seiner Kreuzwegumsetzungen. Nicht ganz rekonstruiert ist bisher der Weg der Kreuzigungsgruppe, welche nach 1975 die Chorwand ziert. Zunächst waren Maria, Jesus am Kreuz und Johannes, also das typische Triumphkreuzprogramm vor hellem grün angebracht. Mittlerweile ist es ein sattes rot.

1970 kommt die heutige Orgel auf die Empore. Sie stammt von der Freiburger Firma Hugstetten (Orgelbau Späth). Ursprünglich hatte das Instrument 17 Register, diese wurde um die Cymbeln erweitert und 2010 überholt.

Würdigung der St.-Johannes-Kirche in Berlin-Südende
St. Johannes ist ein Zeuge einer besondere Zeitschicht im Kirchenbau, den 1950ern. Es ist die Phase in der in Ost- und Westberlin zaghaft gebaut wird. Es ist zudem eine Epoche die in der sakralen Architektur noch nicht eindeutig bei der Nachkriegsmoderne angekommen ist. Für viele ist diese Kirche von Felix Hinssen sogar im Heimatstil oder Wiederaufnahmestil gehalten. Jedoch ist hinzuzufügen, dass konventionelles Bauen oft günstiger und schneller war. Spätestens Ende der 1950er wird auch der Kirchenbau zu einer runden Moderne finden. Zudem hielt man sich auch bei diesen Projekten an die Wünsche und Möglichkeiten der Auftraggeber. Schließlich ist es eine markante Baugruppe. Sie schafft mit dem kleinen Turm und wenigen Mitteln viel Effekt. Schon das Pultdach oder der raue Putz schaffen eine markante Wirkung. Im Inneren ist die Kirche überzeugen schlicht und konzentriert. Bleibt zu hoffen, dass sie noch lange ihren Dienst tun kann.
Mein Dank gilt, wie an vielen Stellen und Kirchorten, den engagierten Gemeindemitgliedern, Herrn Kopp, Herrn Kolbe, meinem Kollegen P. Wohlwender und vielen, die mir mit Rat und Tat weitergeholfen haben.
Weiterleitungen
Informationen zur Orgel:
https://organindex.de/index.php?title=Berlin/Steglitz,_St._Johannes_Evangelist





