Maria Meeresstern, Sellin auf Rügen (Tägliche Kirche, Nr. 46)

Maria Meeresstern auf Sellin ist heute wieder im Norden unterwegs. Maria Meeresstern in Sellin ist wohl die katholische Kirche mit der malerischsten Lage. Einst für vornehme Urlauber erbaut war sie nach dem Zweiten Weltkrieg religiöse jahrzehntelang Heimat für Vertriebene. Hoffen wir, dass in diesem Sommer wieder die Möglichkeit haben die größte deutsche Insel zu besuchen. Ferne konnte ich die Kirche vor kurzem Besuchen. Über die Geschichte der Kirche ist ein Videofilm entstanden und Sie erfahren ebenso hier etwas.

„[D]ie katholischen Badegäste von Sellin gesellschaftlich zu sammeln, um mit deren Hilfe die Abhaltung eines regelmäßigen katholische Gottesdienstes in Sellin während der Badezeit zu ermöglichen und den Bau der hierzu in erster Linie erforderlichen Kapelle thunlichst bald in die Wege zu leiten“

(zit. nach Schwillus/ Brühe 2009, S. 202)

Vorgeschichte

Dies stand am Beginn der Satzung des 1909 gegründeten katholischen Strandclubs. Rügen war zu einem deutschlandweiten Urlaubsort geworden. Um 1900 war aus dem Fischerdorf ein mondäner Badeort geworden. Katholische Urlauber unter ihnen auch etliche Priester wollten auch während ihrer Sommerfrische das Messopfer feiern. Ab 1906 gab es dann in den Sommermonaten Gottesdienst. Dafür wurde ein Urlaubsgeistlicher als Stranddechant eingeteilt. 1907 startete dann der katholische Pfarrer von Rügen, Maximilian Kaller, mit Sitz in Bergen einen Spendenaufruf für einen Kirchenbau.

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M. Kaller: Spendenaufruf zum Bau einer Kapelle in Sellin (Rügen),
Q: ABW Paderborn, Mappe Rügen

1912 konnte die Katholische Kapelle Maria Meeresstern, stella maris, eingeweiht werden. Zur gleichen Zeit wurde auch die 1913 geweihte evangelische Gnadenkirche begonnen. Diese war hingegen im Stil des neubarock gehalten. Die Katholische Kirche errichtete der Kölner Architekt Heinrich Krings (1857-1925). Dieser kam durch einen der Urlaubsgäste auf die größte Insel Deutschlands. Darüber hinaus war er selbst Präsident des Standclubs.

In einer Dissertation von 2005 über Krings fehlt die Selliner Kirche sogar. Obwohl Sakralbau meist eine regionale Angelegenheit war, kam es durch Orden oder eben, wie im Fall auf Rügen, durch rheinländische Ostseeurlauber auch zu Ausnahmen. Im Erzbistum Berlin gab es besonders in der Kaiserzeit verschiedene Beispiele hierfür (so z.B. die Kirche in Neuruppin).

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Die Kapelle in der heutigen Form, farbige Ansichtskarte
Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten EBO

Außenbau

In Sellin entstand somit eine malerische Kirche direkt am Wasser und doch mitten im Wald. Sie weißt eine basilikale Struktur auf. Der weiß verputzte Bau in frei gotisierenden Stilformen erhielt eine plastisch-dekorative Architekturgliederung (Lisenen, Eck- und Strebepfeiler) aus Feldsteinen. Auf dem Fassadengiebel war ursprünglich ein Dachreiterturm mit barockisierender Haube angebracht. Heute befindet etwas weiter hinten ein einfacher rechteckiger Turmaufsatz über dem Querdach.  

Die ursprüngliche Bauform mit Glockenträger am Giebel,
Q: PfAR St. Bonifatius, Rügen, Kirche Sellin
Der heutige Glockenträger; Foto: K. Manthey, 2021

Innenraum

Der einstige Hochaltar
Q: PfAR St. Bonifatius, Rügen, Kirche Sellin

Im Inneren befinden sich übrigens noch einige historische Glasfenster und ein Hauptaltar. Die Chorfenster kamen vermutlich erst in den 1990er Jahren. An der Chorrückwand ist heute die Mitteltafel des Altarretabels erhalten. Dort ist ein getriebenes Kupferblechrelief, angebracht. Dies hat den reichen Fischzug zum Thema und stammt vermutlich vom Berliner Künstler Wilhelm Haverkamp (1864-1929), der auch in Berlin tätig war (z.B. in Steglitz Rosenkranz oder St. Marien Friedenau)

Chorraum heutiger Zustand
Foto: K. Manthey, 2021
Detail des Reliefs von Wilhelm Haverkamp
Foto: K. Manthey, 2021

Darüber hinaus gab es vier Seitenaltäre die in der Urlaubssaison reichlich genutzt wurden. Dafür war ebenfalls der Stranddechant zuständig. Während die Herz-Jesu-Kirche in Garz für die auf Rügen tätigen Schnitter errichtet wurde, waren diese in Sellin zuerst nicht erwünscht. Dafür hatte die Stella-Maris-Kirche vielen Seitenaltäre für die Priester auf Urlaub. Die bis zum 2. Vatikanischen Konzil täglich eine (Privat-)Messe zu halten hatten.

Historische Innenansicht aus der Erbauungszeit
Q: PfAR St. Bonifatius, Rügen, Kirche Sellin

Die beiden erwähnten Kirchen entstanden in der Dienstzeit (1905-1917) des späteren Bischofs des Ermlandes Maximilian Kaller. Er verstärkte die katholische Seelsorge auf der Insel. Die zum Beginn der Missionspfarrei in Bergen, 1864, gut 200 dauerhafte Gemeindemitglieder hatte. Dafür werden 1938 2500 Gläubige benannt und nach dem 2. Weltkrieg aufgrund der Fluchtbewegungen sind es sogar 8000 Katholiken, die sich auf der Insel niederlassen. Heute sind es gut 1500 festansässige Gemeindeglieder.

Marienwallfahrt

Besonders aufgrund der Flüchtlinge entsteht in 1951 die Marienwallfahrt nach Sellin. Dafür stiften die Pilger 1952 einen Marienaltar, den der Berliner Holzbildhauers Georg Tyllack (1911–1975) schnitzt. Maria schreitet mich dem Jesuskind über die Ostsee. Aufgrund behördlicher Bedenken wurde die Wallfahrt Ende der 1960er Jahre nach Bergen verlegt.

Georg Tyllack: Marienaltar, um 1952
Foto: K. Manthey, 2021

Würdigung

Die idyllisch im Wald gelegene Kirche, unweit der Strandpromenade, ist heute wieder ein Ort für Sommergäste. Ebenso wurde die Wallfahrt zum Marienbild wieder belebt. Eine Kirche die sich nicht nur aufgrund ihrer früh rheinisch anmutenden Gotik lohnt.

(Dieser Beitrag ist die 3. Überarbeitung, 1. Fassung 2019, 2. Fassung 2020; Nun wurden vor allem aktuelle Fotos hinzugefügt.)

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Marienwallfahrt nach Sellin, Aufnahme der 1950er,
Q: https://www.katholischekirche-ruegen.de

Die Videos zu Kirche und zur Wallfahrt

Interne Weiterleitung

Die Reihe: https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

Externe Links

https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Meeresstern_(Sellin)

https://www.katholischekirche-ruegen.de/kirchen.html

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