Missionshaus St. Jakobus, Grimmen (1926)

Das Missionshaus in Grimmen war ein typisches Diasporaprojekt. Dabei wurde ein Bautyp gewählt, der neben einer Kapelle Platz für die Katechese in der weit verstreuten Gemeinde bot. Also eine damals übliche Bauform, bevor man sich eine Kirche leistete, brauchte es meist Räume für die Gemeindearbeit und die Ausbildung der Kinder. Der Paderborner Dombaumeister Kurt Matern realisierte in Tapiau (Ostpreußen) ebenso ein Missionshaus, wie viele andere deutschlandweit. Die Muttergemeinde in Demmin war übrigens ebenfalls aus einer Missionshausgründung entstanden. Kühns Planungen boten Erweiterungsoptionen für das Gemeindehaus und eine freistehende Kirche.

Lagezeichnung aus Schlesisches Bonifatiusblatt 1926

Gemeindegeschichte und erste Kapelle

Als 1869 in Demmin endlich eine Pfarrei im Binnenland Vorpommerns entstand, war diese flächenmäßig sehr groß. Dabei hatte die Gemeinde zur Benediktion der Maria-Rosenkranz-Kirche, erbaut von Josef Welz im Januar 1915, 471 Katholiken. Im 30 km nördlich von Demmin gelegenen Grimmen entstand nach dem Ersten Weltkrieg ebenso erhöhter Seelsorgebedarf vor allem aufgrund polnischer Saisonarbeiter. Also wurde in einer Barracke eine erste Kapelle eingerichtet.

Die Barackenkapelle während des Einführungsgottesdienst des 1. Kuratus, Q: Schlesisches Bonifatiusblatt 1926

Da die Lage Grimmens zwischen der Mutterpfarrei Demmin und denen in Stralsund und Greifswald für die große Pfarrei günstig war plante man dort den Ausbau der Strukturen. Obwohl es starken protestantischen Gegenwind für den Pfarrer von Demmin gab.

Entwürfe für ein Missionshaus und Kirche

1924 und 1926 lieferte Carl Kühn Entwürfe für kirchliche Gebäude. Beide waren als Kombinationsbauten von Pfarrhaus und Kirche gedacht, doch zeigt der spätere Entwurf keine detaillierte Ausarbeitung einer Kirche mehr. Hingegen wurde 1924 noch eine repräsentative Kirche angedacht. Ein Turm mit markantem Zwiebeldach sowie ein eingezogener Chor auf quadratischem Grundriss und einem fünfjochigem langrechteckigen Kirchenschiff mit hoher Voutendecke, lassen einen barocken Raum entstehen. Diesem angefügt war ein niedriger Mansarddach-Verbindungsbau, der zum Pfarrhaus mit zwei Stockwerken führen sollte.

Carl Kühn, Entwurf für eine Kirche und Pfarrhaus für Grimmen, 1924, Q: PfA Demmin/ Repro: M. Lissok

Schließlich stellte der ausgeführte Entwurf vom April 1926 nur noch einen Kirchenbau im Grundriss dar. Dafür wurde eine Kapelle im Haus eingeplant. Die umgesetzten Pläne vom Mai des Jahres wiesen erneute Änderungen auf, nun ragte die Kapelle aus dem Baukörper des Pfarrhauses heraus. Ähnlich, wie später im Projekt für Berlin-Reinickendorf (spätere St.-Rita-Kirche), wo Kühn 1934 an das neuerrichtete Pfarrhaus ebenfalls ein Anschlussbau als Interimskirche angliederte, sollte dieser Bau später als Verbindungsbau zu einer möglichen Kirche dienen.

Seitenansicht, erkennbar die Kapelle, war später als Verbindungsgang gedacht, Foto: K. Manthey, 2015

Das Missionshaus St. Jakobus

Einweihung im November 1926, Q: PfA Demmin, Bilderchronik Grimmen

Am 28. November 1926 wurde das Pfarr-, Gemeinde und Missionshaus Grimmen mit seiner Kapelle benediziert. Zwar war der Gottesdienstraum bescheiden im Vergleich zu den 2,5 geschoßigen Haus, doch für die zunächst rund 100 Katholiken vor Ort reichte dies aus. Sicherlich war ein Kirchenbau weiterhin im Blick. Die von außen gut erkennbare Kapelle betritt man durch einen Eingang in der Schmalseite des Gebäudes, von dort kommt man rechter Hand in den langen Anbau. Ein einfacher Saal mit eingezogenem Chor und einem kleinen Seitenschiff. Zunächst war die Kirche sehr schlicht eingerichtet.

Blick Richtung Altar, Foto: K. Manthey, 2015

Mit der seelsorglichen Selbstständigkeit, 1936, erhielt die Gemeinde Jakobus den Älteren als Patron. 1938 übernahmen Herz-Jesu-Priester die Seelsorge in der Region. Dank der Ordensgeistlichen erhielt die Kirche nun ihre, bis heute erhalten gebliebene Ausstattung. Besonders erwähnenswert erscheinen neben dem Kruzifix mit seinem Eichen-Korpus hinter dem Altar die Glasmalereien von Egbert Lammers (1908–1996), die neun Bilder auf den Seitenfenstern wurden 1938 bis 1941 ausgeführt. Dieser Zyklus stellt durch biblische Szenen die Artikel des Glaubensbekenntnisses dar.

Weihnachtsfenster von Lammers, Foto: K. Manthey, 2015

Würdigung

Heute gehört Grimmen wieder zur Mutterpfarrei. Nachwievor ist die Lage günstig. Die Kapelle ist sehenswert und in seiner Funktion als Missionshaus m. W. n. einmalig im heutigen Bereich des Erzbistums Berlin. Wie die Zukunft solcher Standorte aussieht, kann wohl niemand sagen. Vielleicht würde es sich lohnen mit der ursprünglichen Idee, von dort aus Gemeinde zu bilden, weiter zu machen. Wer nach Grimmen kommt, sollte einmal vorbei schauen, schon die einzigartigen Fenster lohen sich!

Links zum Missionshaus

Gemeindeseite: https://www.heiliger-bernhard.de/grimmen

Ein Fenster in St. Jakobus
Und noch eines
Kirche in der Nähen, mittlerweile verkauft

Verwendete Quellen

H. SCHWILLUS / M. BRÜHE, Erzbistum 2009, S. 308.

MICHAEL LISSOK, Die Katholische Kirche St. Jakobus und deren Pfarrhaus in Grimmen, in: NORBERT BUSKE [u. a.] (Hrsg.), Die Marienkirche in Grimmen und ihre Gemeinde. Beiträge zur Kirchengeschichte einer pommerschen Stadt, Kiel 2015, S. 369–373.

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