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- Author: Konstantin Manthey
- Posted: 21 Dezember, 2025
- Category: Aktuelles, Kalender
Neuer Fund – Kirche für Grunwald 1923 (2025-21)
Ein neuer Fund ist in meinem Arbeitsalltag selten umso mehr freue ich mich, wenn ich Zeit in Archiven und Bibliotheken oder einfach zum Lesen meiner (Fach-)Bücher komme. Vor kurzem war ich wieder im Archiv der Grunewalder Gemeinde St. Karl Borromäus. Ich berichtete bereits kurz darüber. Dort arbeitete ich mit einem Kollegen das gut erhaltene Archiv durch. Dabei kam mir u.a. ein Plan in die Hände, der für die Berliner Kirchenbaugeschichte bemerkenswert ist. Denn er stammt aus dem Jahr 1923.

Dies ist vor allem daher selten, da in dieser durch Krisen geschüttelten Zeit besonders schwer war kirchliche Bauprojekte zu realisieren. So richtig konnte dies erst nach 1926 geschehen. Denn zu dieser Zeit war die Bauförderung für die Diaspora durch den Bonifatiusverein in Paderborn neu geordnet worden. Von dort kamen seit 1849 Gelder für die Katholiken in der Minderheit, so wie in Berlin mit seinen 9-10% Katholikenanteil. Zudem war man in Berlin nun soweit, dass man einen Plan für den Aufbau von Seelsorgestellen parat hatte. Dieser wird „Bunning-Plan“ genannt, da der Baumeister und -Unternehmer Herrmann Bunning diesen maßgeblich erstellt hat.

Offensichtlich wollten die Katholiken und die zuständige Pfarrei im Westen von Charlottenburg und Wilmersdorf bereits früh eine neue Kirche und neue Gemeinde errichten. Dafür gab es verschiedene Ideen bis auf dem heutigen Kirchengrundstück in der Grunewalder Delbrückstraße aus einer Villa eine erste (Not-) Kirche, St. Carolus, entstand. Zwar habe ich noch nicht alle Materialien durcharbeiten können, jedoch liegt ein Plan vor, der einen anderen Ort und eine große Kirche vorschlägt.
Der neue Fund: Entwurf einer Kirche am Flinsberger Platz in Schmargendorf

Der neue Fund war der Entwurf für eine Kirche am Flinsberger Platz in Schmargendorf. Gut möglich, dass dies der Vorgänger des o.g. Bauvorhabens für Grunwald und/ oder für Schmargendorf St. Salvator von Wilhelm Fahlbusch war. Interessant ist zum einen die prominente Lage auf dem Flinsberger Platz unweit vom Hohenzollerndamm. Außerdem ist die historisierende Form einer Saalkirche mit mehr als 400 Sitzplätzen im Schiff und einem seitlich stehenden Turm, der an einen Portalbau anschließt. Weiterhin ist das Blatt unterschrieben. Darunter steht Stadtbaurat und Beuster.

Wahrscheinlich war der Verfasser des Planes Fritz Beuster. Der bisher, übrigens, für katholische Projekte nicht bekannt ist. Es handelt sich hierbei um den ehemaligen Wilmersdorfer Stadtbaurat, Jahrgang 1876. Dieser behielt trotz der Bildung Groß-Berlins, 1920, anscheinend seinen Titel bei. Natürlich könnte die Unterschrift aufgrund der Umlaut-Striche auch für einen anderen Namen stehen, doch die Position und das Fehlen einer anderen Signatur bzw. einer weiteren Namensangabe in Reinschrift, stärken meine Vermutung.

Weiterhin ist es auffällig, dass der Architekt die 462 Sitze mit zwei weiteren katholische Kirchen verglich. Diese waren die Kirche Heilig Kreuz in der Hildegardstraßen und die Kirche St. Marien am Bergheimer Platz. Gut möglich, dass dies eine Anforderung der Auftraggeber war. Unter den drei Kirche in der Umgebung wäre diese Projekt das mit dem meisten Plätzen geworden. Auftraggeber war wohl die Pfarrei St. Ludwig in Wilmersdorf, übrigens ebenfalls auf einem Platz gelegen.

Q: PfAr St. Karl Borromäus, Repros: K. Manthey 2025
Auf den 30 m breiten Platz setzte der Entwerfer an den Rand die große Kirche mit einem etwas mehr als 20 m breitem Kirchenschiff. Hinzu kommt eine eingezogene Choranlage, die mit Nutzräumen umbaut sein sollte. Alles in allem ein interessantes Projekt, vor allem für 1923. Einer Zeit in der wenig, vor allem kaum große Kirchenbauten, entstanden.
Weiterleitungen zum Thema
Seite der heutigen Pfarrei: https://christi-auferstehung.net





