Landpartie IV: Viereck (Vorpommern)

„Ich kam nach Viereck und kann euch versichern, dass ich noch nie in meinem Leben mehr Glaube und mehr Liebe zu unserer heiligen Religion und Kirche angetroffen.“ 
(Wilhelm Emmanuel von Ketteler, 1849, kurzzeitig Fürstbischöflicher Delegat, zitiert n.: Schwillus/ Brühe, 2009, S. 338)

Ein Dorf, dessen Anlage als Karree eher an eine Vorstadtsiedlung erinnert.
Auch Viereck ist eine Gründung aufgrund der Siedlungspolitik Friedrichs II. 1748/49 als Jägersberg durch pfälzische Siedler gegründet und bereits 1751 zu Ehren des gleichnamigen Staatsministers Viereck umbenannt.
Dieser Adam Otto von Viereck (1684-1758) hat nach dem Erwerb des Gutes Buch auch diesen heutigen Ortsteil von Pankows ausgebaut und die dortige barocke Schlosskirche errichten lassen.

In Viereck kamen die Nachfahren der Kolonisten anscheinend erst spät zu einem repräsentativen Kirchenbau. Früh gab es bereits ein Lehmfachwerkhaus mit Schulraum und Kapelle. Auch ein Geistlicher war in Aussicht gestellt. Über 150 Jahre jedoch hielten Laien die Gemeinde am Leben. Erst 1903 kamen eigene Geistliche für die Gemeinde nach Viereck.
Nun ging es auch mit dem Kirchenbau voran. Den Auftrag erhielt der bekannte Architekt August Kaufhold aus Berlin-Friedenau, der mindestens 11 Kirchen zwischen 1905 und 1930 im heutigen Bistumsgebiet erbaut hat. Darunter ist die St. Eduard-Kirche in Berlin-Neukölln (1906/07).

Beide Außenansichten, Foto: K. Manthey, 2015

Die Kirche in Viereck erhielt in neugotischen Formen einen 38-Meter-hohen Kirchturm und einen basilikalen Aufbau mit zwei Seitenschiffen. 1911 wurde die Kirche Mariä Geburt in Viereck benediziert. 1935 erhielt die 650-Seelen-Gemeinde das Pfarrhaus neben der Kirche. Bis 1980 gab es einen Pfarrer vor Ort.
Heute gehört Viereck zur Pfarrei St. Otto in Pasewalk. Zu dem über 1000 km² großen Pfarrgebiet zählen 1300 Katholiken und eine weiteres Bauwerk von Kaufhold, die Kirche Heilige Familie in Strasburg, in neuromanischen Stilformen.

Innenansicht, Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten des Erzbistums Berlin/ Slg. Brühe

Diese Kirche hat es mir besonders angetan. Sie ist durch ihre freie Lage und Größe ein besonderes Denkmal, mit wunderbarer Fernwirkung.

Mariä Geburt von der Landstraße aus gesehen, Foto: K. Manthey, 2015

In relativer räumlicher Nähe finden sich in den Siedlungen Hoppenwalde, Blumenthal und Viereck beeindruckende bauliche Zeugnisse des katholischen Siedlungswesens unter Friedrich dem Großen.
Diese Kirchen gilt es zu bewahren!

Links zu den vorpommerschen Siedlerkirchen:

Landpartie II: Hoppenwalde
Landpartie III: Blumenthal

Link zum Auftaktbeitrag:

Landpartie I: Niesky (Oberlausitz)

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