Mariä Geburt, Viereck (Vorpommern)

Mariä Geburt in Viereck ist der Endpunkt in den Bemühungen um einen Kirchenbau in einer katholischen Siedlung. Heute ist zwar von der katholische Prägung wenig übrig geblieben. Ebenso gibt es keinen Geistlichen mehr vor Ort. Doch die prächtige katholische Kirche steht immer noch. „Ich kam nach Viereck und kann euch versichern, dass ich noch nie in meinem Leben mehr Glaube und mehr Liebe zu unserer heiligen Religion und Kirche angetroffen.“ Hatte der fürstbischöfliche Delegat und spätere Bischof von Mainz bei einem Besuch in Viereck, 1849, gesagt (zitiert n.: Schwillus/ Brühe, 2009, S. 338). Kaum eine Gemeinde in unserem Bistum mit soviel Geschichte, wie die Mariä-Geburt-Gemeinde.

Historische Außenansicht, vor 1968, Q: ZR EBO

Viereck entsteht

Viereck, ein Dorf, dessen Anlage als Karree eher an eine Vorstadtsiedlung erinnert. Es war ebenfalls eine Gründung aufgrund der Siedlungspolitik Friedrichs II. 1748/49 wurde das Dorf übrigens als Jägersberg durch pfälzische Siedler gegründet. Jedoch 1751 benannte man die Siedlung, mit ursprünglich zehn Familien, zu Ehren des gleichnamigen Staatsministers Viereck um. Dieser Adam Otto von Viereck (1684-1758) hat nach dem Erwerb des Gutes Buch auch diesen heutigen Ortsteil von Pankows ausgebaut und die dortige barocke Schlosskirche (interner Link) errichten lassen.

Satellitenbild von Viereck, Q: https://www.geoportal-mv.de/portal (Zugriff: 29.1.2022)

Die ersten Kapellen

In Viereck kamen die Nachfahren der katholischen Kolonisten erst spät zu einem repräsentativen Kirchenbau. Zunächst gab es ein Kapellenzimmer in einem Lehmfachwerkhaus. Ab 1776 gab es dann einen Betraum am Schulmeister- und Hirtenhaus. Zwar war ein Geistlicher in Aussicht gestellt, doch über Generationen war die Gemeindearbeit in Hand eines Laien. Er war Küster und Lehrer. Dieser Küsterlehrer „leitete den Gottesdienst und unterrichtete die Kinder, da er selbst wenigstens lesen, schreiben und rechnen konnte“ (Chronik auf der Gemeindeseite). Die erste Heilige Messe hielt der Stettiner Militärseelsorger P. Kirchhoff 1786.

Viereck erhält eine einfache Kirche

1838 weihte man eine Fachwerkkirche ein. Diese stand bereits auf dem heutigen Kirchengrundstück. In der Chronik steh dazu: „Wohl ist echter Glaube und christliche Liebe der Gemeinde doch bemüht gewesen, das Innere wenigstens einigermaßen kirchenähnlich zu gestalten; trotzdem verleugnet aber auch dieses nicht den Charakter eines armen Diaspora-Kirchleins. Der Altar ist ein recht ärmliches Lager des lieben Heilandes. Aus einfachen Brettern ist er zusammengefügt, und damit die Klötze derselben nicht gar zu sehr zum Vorschein kommen, hat man diese mit Silberpapier überzogen.“ (aus: Chronik 1748-1900) Für Besucher aus katholischen Gegenden war dieser Anblick, obwohl es eine katholische Siedlung war, sicher befremdlich.

Der erste Priester und eine große Kirche für Viereck

Rückansicht, vor 1968, Q: ZR EBO

Trotzdem kam erst 1903 mit Kuratus Carl Hoheisel ein eigener Geistlicher für die Gemeinde nach Viereck, also ein sehr spät eingelöstes Versprechen. Zuvor zählte Viereck übrigens zu Stettin, gut 50km entfernt. Mit dem eigenen Pfarrer ging es auch mit dem Kirchenbau voran. Den Auftrag erhielt der bekannte Architekt August Kaufhold aus Berlin-Friedenau, der mindestens 11 Kirchen zwischen 1905 und 1930 im heutigen Bistumsgebiet erbaut hat. Darunter ist die St. Eduard-Kirche, Kirche der Berliner Gesellen, in Neukölln (1906/07).

Grundriss der Kirche Mariä Geburt, mit späteren Einzeichnungen für eine Heizung, Q: ZR EBO

Die Kirche in Viereck erhielt in neugotischen Formen einen 38-Meter-hohen Kirchturm und einen basilikalen Aufbau mit zwei Seitenschiffen. 1911 wurde die Kirche Mariä Geburt in Viereck benediziert.

Mariä Geburt, Viereck, Foto: K. Manthey, 2015

Der Innenraum von Mariä Geburt

Im Inneren füllten die Seitenschiffe nur die Hälfte des Langhauses aus. Der vordere Bereich wirkte wie eine Querschiff. Mit diesem Kniff erweiterte der Architekt die Raumwirkung vor dem Chor. Welcher ferner durch einen spitzen Bogen vom Kirchenschiff getrennt war. Darin war ein drei gliedriger hölzerner Hochaltar aufgestellt. Im mittleren Schrein ist eine Marienfigur zu erkennen. An den Seiten vor der Chorwand befanden sich in eingelassenen Nischen Seitenaltäre. Dabei war einer dem Herzen Jesu und der andere wohl Josef gewidmet. Darüber waren Bilder mit biblischen Inhalt angebracht. Den Schwarzweißfotos nach waren die Wandflächen im Inneren verputzt. Darüber hinaus erscheinen die Wände in Steinmauerwerk ausgemalt. Außerdem erscheint die Wandfassung farbig unterschiedlich gefasst gewesen zu sein. Bögen und Gliederungen wirken dunkler, gut möglich, dass Sie rotbraun waren. Die Decke war anscheinend von Beginn an eine flache Konstruktion.

Kurz vor der Liturgiereform kam es 1960/61 zu einer grundlegenden Renovierung. Die Wände wurden einfarbig getüncht und der Großteil der Ausstattung aus der Kirche genommen. Obwohl die Gründe mir noch nicht bekannt sind, ist trotzdem festzuhalten, dass nach dem Zweiten Weltkrieg der Wunsch die Kirchenräume zu vereinfachen stark verbreitet war. Aufgrund der tiefgreifenden Änderungen in der römischen Liturgie war diese Umgestaltung nur von 20jähriger Dauer. 1981 wurde noch einmal umgebaut. Nun stand der Altar zum Volk ausgerichtet und vorgezogen.

Mariä Geburt, nach dem Umbau 1981, Foto aus den 1990er Jahren, Q: Slg. Brühe

Weitere Geschichte und Würdigung

1935 erhielt die 650-Seelen-Gemeinde das Pfarrhaus neben der Kirche. Bis 1980 gab es einen Pfarrer vor Ort. Heute gehört Viereck zur Gemeinde St. Otto in Pasewalk im Pastoralen Raum Hoppenwalde-Pasewalk. Zu dem über 1800 km² großen Gebiet zählen nun über 3100 Katholiken und 8 Gottesdienstorte. Darunter befindet sich übrigens eine weiteres Bauwerk von Kaufhold, die Kirche Heilige Familie in Strasburg, dort in neuromanischen Stilformen ausgeführt. Diese Kirche hat es mir besonders angetan obwohl ich leider noch nie drin gewesen bin. Sie ist durch ihre freie Lage und Größe ein besonderes Denkmal, mit wunderbarer Fernwirkung.

Fernblick auf Viereck mit Mariä Geburt, Foto: K. Manthey, 2015

In relativer räumlicher Nähe finden sich in den Siedlungen Hoppenwalde, Blumenthal und Viereck beeindruckende bauliche Zeugnisse des katholischen Siedlungswesens unter Friedrich dem Großen. Diese Kirchen gilt es zu bewahren!

(Dieser Beitrag wurde überarbeitet und erhielt weitere Abbildungen, er erschien erstmals im Februar 2015 als: Landpartie IV: Viereck (Vorpommern))

Ebenso eine Siedlerkirche in Vorpommern – Hoppenwalde
Auch eine Kirche in einem Siedlerdorf

Seite der Gemeinde mit Chronik:
https://www.katholische-gemeinde-pasewalk-hoppenwalde.de/kirchen/mari%C3%A4-geburt-viereck

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