Mater dolorosa, Berlin-Buch (Kalender 20, tägliche Kirche)

Die Mater-dolorosa-Kirche in Berlin-Buch ist eine Saalkirche in der sogenannten Kolonie Buch, sie wurde 1936 geweiht. Dort siedelten im Zusammenhang mit den Heilanstalten am Ort immer mehr Leute, vorrangig in Einfamilienhäusern. Buch war erst eine Domäne mit eigenem Schloss und später im Besitz der Stadt Berlin bis es vor 100 Jahren eingemeindet wurde. Weiterhin gab es im Umland Rieselfelder und bis heute verschiedene Wälder. Heute ist Buch ein prosperierender Ortsteil im Bezirk Pankow. Die Katholische Gemeinde wurde übrigens von Bernau ausgepfarrt. Somit wurde 1933 eine Lokalie gegründet, deren erster Geistlicher war Bernhard Stein.

Vorderansicht der Kirche, Foto: K. Manthey, 2020

Baugeschichte und Architekt von Mater dolorosa

Bevor die Kirche gebaut werden konnte hielt man an Sonn- und Feiertagen zwei mal Gottesdienste „in den Betsälen der hiesigen Heilsanstalten“ wie Bernhard Stein in einem Bericht für den Bonifatiusverein 1935 festhielt. Damals war jedoch die Kirche schon kurz vor der Vollendung. Immerhin gab es in den vom Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann geplanten Krankenhäusern und Sanatorien Räume für den Gottesdienst oder sogar Kapellen.

Die Kapelle der Irrenanstalt Buch, später Hufelandkrankenhaus, erbaut von Ludwig Hoffmann 1907, Außerdem erster Gottesdienst Ort der katholischen Gemeinde in Buch, Aus: Hermann Schmitz: Ludwig Hoffmann’s Wohlfahrtsbauten der Stadt Berlin, 1927.
Grundsteinlegung 1934, Q: PfAr Mater dolorosa, Berlin-Buch

Der Grundstein zur Kirche wurde 1934 gelegt. Allerdings kam es erst 2 Jahre später zur Weihe. Dies lag sicherlich an dem Bischofswechsel 1935. Denn die Benediktion fand 1935 statt. Der Architekt war Josef Weber (intern). Er war zu dieser Zeit als Bauberater des Gesamtverband der Katholischen Kirchengemeinden Groß-Berlins. Jener Verbund sammelte Gelder und verteilte diese in gemeinsam Projekte. Somit konnten viele neue Gottesdienststandorte enstehend. Dementsprechend schuf der Verband auch Regularien und Planungen für einen schnellen Aufbau der Gemeindestruktur in der schnell boomenden Metropole Berlin.

Vor der Kirche am Tag der Benediktion 1935, Q: http://www.katholische-kirche-berlin-buch.de (Zugriff: 19.12.2020)

Der Kirchenbau

Mater dolorosa oder „Schmerzhafte Mutter“ erhielt diesen Namen aufgrund der vielen Kranken am Ort. Ferner scheint die Architektur noch vom Geist des Bauhauses geprägt zu sein. Der ziegelsichtige Rechteckbau mit Satteldach weist mit der vor geblendeten Fassade einen besonderen Stufengiebel auf, dessen Abschluss ein Kreuz bildet. Übrigens war ein Turm zwar geplant, konnte aber aus Kostengründen nicht realisiert werden. Das Mauerwerk weist eine plastische horizontale Gliederung der Wandfläche durch vorkragende Ziegelbänder auf. Eine kleine Sakristei wurde an den Altarbereich angebaut und für eine Heizung unterkellert. Die Außentüren sind nach einer Renovierung wieder im ursprünglichen Blauton gestrichen und zeugen von einem klugen Kontrast.

Der Innenhof, Foto: C. Beyer 2017

Architektonisch sensibel befindet sich an die Kirche angebunden das Gemeindezentrum von 1992 nach Plänen des Büros Architekturbüro: Meyer/Bach/Hebestreit/Sommerer (intern). Im Inneren findet der Besucher einen einschiffigen Saalraum mit flacher Holzbalkendecke. Dabei übernimmt diese Holzkonstruktion durch Abstufung im Mittelteil eine Art von Raumaufteilung vor, d.h. die Mitte des Saals ist leicht erhöht. Der Chor ist nicht eingezogen und hat einen geraden Wandabschluss.

Vor dem Altar zur Benediktion 1935, Q: http://www.katholische-kirche-berlin-buch.de (Zugriff: 19.12.2020)

Dafür trennten links und recht zwei Stützen den Altarraum vom Kirchenschiff. Dort befand sich links eine Kanzel und rechts eine Pietadarstellung von Theodor Nüttgens (intern). Zwei Bankreihen mit Mittelgang und Seitengängen gliedern darüber hinaus die Längsausrichtung eindeutig. Die regelmäßige Wandgliederung durch die farbverglasten Rundbogenfenster von „L. Ritzinger Glasmalerei Stettin“ erzeugt eine sehr klare Raumwirkung. Die Fenster mit ihren filigranen grafischen Motiven erinnern an Stilformen des Art Deco.

Fenster, Foto: K. Manthey, 2020

Ausstattung

Bauzeitlich war die Kirche mit einer Hochaltaranlage ausgestattet. Das Kernstück war der Altar mit seinem Retabel, dabei gingen von dem breiten vermutlich vergoldeten Tabernakelschrein nach oben eine Lisenen artige Marmorblende mit drei gestaffelten Kronen ab. Ferner flankierten zwei Reliefbänder mit den sieben Schmerzen Mariens den Schrein mit dem Allerheiligsten. Diese Arbeiten jedoch sind bis heute Teil der Altarraumwand.

Der Hochhochaltar um 1936, Q: PfAr Mater dolorosa, Berlin-Buch

Die teilvergoldeten Betonreliefs sind von Felix Weber. Dabei sind zu sehen die Weissagung des Simeon: Deine Seele wird ein Schwert durchdringen, die Flucht nach Ägypten, die Suche nach dem 12jährigen Jesus im Tempel, der Abschied Jesu von seiner Mutter, der Kreuzweg und die Kreuzigung sowie die Kreuzabnahme (Pieta). Ob es sich beim Künstler um einen Verwandten des Architekten handelt ist mir noch nicht bekannt. Jedoch ist dies gut möglich da Josef Weber neben der Architektur auch Kunstgewerbe im Angebot hatte.

Die Kirche von Innen, Aufn. 1990er, Q: Bildarchiv EBO

1988/89 wurde die Kirche im Inneren grundlegend umgebaut und neugestaltet. Hans Wachter aus dem Allgäu schuf die Neuausstattung, z.B. Christus am Kreuz aus Betonguß mit geringer farbiger Fassung. Ebenso entstand der neue Altartisch aus Muschelkalk, der Tabernakel aus Bronze mit einem Relief der Emmausgeschichte dessen Stele ist die ehemalige Mensa. Darüber hinaus sind auch der bronzene Ambo und die Pieta, ebenfalls Betonguß, von Wachter. Mein Lieblings Kunstwerk ist der farbige Kreuzweg aus Holz, der von Georg Nawroth aus dem Jahr 1979 stammt. Die Orgel wurde von der Firma Schuke 1991 eingebaut.

Schlussbemerkung

Zwar ist mater Dolorosa meine Heimatkirche, doch ehrlich gesagt habe ich den Qualität des Raumes erst viel später richtig wahrgenommen. Bis heute existiert vor Ort eine lebendige Gemeinde. Mittlerweile bildet sie mit dem Gebiet der Mutterpfarrei Herz Jesu in Bernau und weiteren einen pastoralen Raum. Trotz der Neugestaltung Ende der 1980er Jahre hat der Raum weiterhin große Qualität, die ebenso von der aktuellen Ausstattung getragen wird. Bedauerlich ist für mich jedoch, dass es auch hier zum Verlust der modernen Altargestaltung der 1930er Jahre kam. Dabei zeugten diese Werke von einen sehr aufgeschlossenen Umgang mit den modernen Strömungen der Künste. Dabei war dies ja in kirchlichen Kreisen lange verpönt.

Detail der Wandgestaltung, Foto: K. Manthey, 2018

Links

Eintrag bei Landesdenkmalamt Berlin https://www.berlin.de/landesdenkmalamt/denkmale/liste-karte-datenbank/denkmaldatenbank/daobj.php?obj_dok_nr=09050174

Seite der Kirchengemeinde
http://www.katholische-kirche-berlin-buch.de/

Die evangelische Kirche in Buch

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