Thomaskirche in Berlin-Kreuzberg (1/3)

St. Thomas, Kreuzberg

Am 7. Februar konnte ich im Rahmen der Reihe Berlins Sakralarchitektur (intern) durch die Thomaskirche von Friedrich Adler führen. Dies ist der überarbeitete Führungstext.

Vorgeschichte der Thomaskirche

Der Mariannenplatz ist ein, in Form eines Hippodroms 1853, angelegtes Platzensemble von Peter Josef Lenné. Bald wurde die Gegend durch die Urbanisierung eingeholt, statt ländlicher Struktur dominierten Wohnbauten das Gebiet. 1864 wurde aus der Luisenstädtischen Kirchengemeinde das Gebiet ausgepfarrt. Bereits früh wurde ein Kirchenbau, später in nordöstlicher Lage des Platze, eingeplant. Eine Monumentalkirche war angedacht und das Projekt wurde im Juni 1862 in einem Architekturwettbewerb ausgeschrieben.

Fotopostkarte, Thomaskirche

Ansichtskarte, Blick auf den Mariannenplatz, links im Bild Bethanien, Q: http://www.zeno.org/Ansichtskarten/M/Berlin,+Kreuzberg,+Berlin/Mariannenplatz

Dieser forderte 1500 Sitz- und ebenso viele Stehplätze sowie gewölbte Nebenräume für Sakristei und Taufkapelle und die Möglichkeit eine 100-Zentner-Glocke aufzuhängen. Auch sollte es sich mit der Diakonissenanstalt, welche Friedrich Wilhelm IV gestiftet hatte, das Haus Bethanien, baulich in Einklang bringen lassen. Neben zahlreichen anderen Einreichungen kam auch ein Entwurf von Martin Gropius (1824-1880), eine streng klassizistische Predigtkirche in Form eines Ovals sowie von August Orth (1828-1901), eine malerische Stilmischung in die Auswahl.

Wettbewerbseinreichung, August Orth

Orth August (1828-1901), Entwurf zur Thomaskirche, Berlin-Kreuzberg: Perspektivische Ansicht. Tusche aquarelliert auf Karton, 65,5 x 89 cm (inkl. Scanrand). Q: Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. 14133.

Der Bau der Thomaskirche

Letztlich sollte der bedeutende Architekturtheoretiker seiner Zeit und Schüler Friedrich August Stülers (1800-1865), der 35jährige Professor an der Berliner Bauakademie Friedrich Adler (1827-1908) mit seinem symmetrischen Entwurf, nach 1864 eingereichten Änderungen (z.B. Tambour-Kuppel über der Vierung) den Bau realisieren. Der Grundstein wurde 1865 gelegt, doch verschiedene Beeinträchtigungen wie der Deutsch-Österreichische Krieg ließen das Projekt verlangsamen somit konnte die Kirche erst am 21. Dezember 1869 eingeweiht werden. Es entstand ein Bau der eher in Konkurrenz zu dem Haus Bethanien (1845-47) zu stehen schien, auch wenn Adler die Rundbogenstruktur mit dem älteren Bau abstimmte.

Grafik, Friedrich Adler

Ansichtszeichnung St. Thomas, Q: Berlin und Seine Bauten, 1896, S. 165.

Dies scheint auch mehr der Kirchengemeinde und ihrem Selbstverständnis entsprochen zu haben – bürgerlich-liberal kontra königlich-staatskirchlich. Der errichtete Bau erfuhr aufgrund der Bauplatzsituation keine Ostung, die Kirche wurde genordet.

(Fortsetzung folgt…)

Verwendete Quellen:

Matthias Hoffmann-Tauschwitz, Alte Kirchen in Berlin, 1988, S. 298-301. Marina Wesner, Kirchen in Kreuzberg, 2007, S. 43-49.
Denkmalamt Berlin, Denkmaltopgraphie Kreuzberg, S. 236ff.

Externe Links:

Programm der Kirchenführungen 2018 (extern)

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