Tägliche Kirche, Nr. 27, St. Nikolai, Brandenburg, älteste katholische Kirche

Die älteste Kirche im Bereich des Erzbistums Berlin ist seit 1992 St. Nikolai in Brandenburg an der Havel. Hier liegt mit dem mittelalterlichen Bistum Brandenburg einer der Ursprünge des modernen Bistums. Bis heute hat die Havelstadt wunderbare Kirchen zu bieten und damit viel Kirchengeschichte. Gleichzeitig spielte das Zuchthaus in Brandenburg-Görden eine unrühmliche Rolle in der Stadtgeschichte. Auch den Opfern des Gefängnisses besonders im NS ist die Kirche St. Nikolai gewidmet.

Lange und spannende Baugeschichte

Wohl zwischen 1166 und 73 entstand eine Kirche in Luckenberg. Da Händler die Geschichten des Heiligen Nikolaus von Myra bis in die Mark trugen, kam es auch hier zu vielen Kirchen mit diesem Titelheiligen. Der Ort Luckenberg hatte sicher einen slawischen Vorgänger. Es war einer der Altstadtteile Brandenburgs. Doch in der weiteren Entwicklung der Stadt, schien die Ansiedlung keine besondere Rolle mehr zu haben. So lag das Gebiet um 1400 vor der Stadtmauer. Die Kirche war wüst, sie gab einem Raubritter ein Versteck. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts war sie die Friedhofskirche der Stadt. Dann gab es kaum- oder ungenutzte Zeiten.

Druckgrafik, beschriftet mit: St. Nicolai Kirche zu Brandenburg / zur Erinnerung an die Einweihung derselben von der deutsch-kath. Gemeinde / am 4ten Januar 1846.
Hier ist die Friedhofsituation klar erkennbar ebenso wie ein kleiner Doppelturm.
Q: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel, Frey-Haus
https://brandenburg.museum-digital.de/singleimage.php?imagenr=9985

Baulich stets fragil war St. Nikolai dann Lager, ab 1810 Erbbegräbnis und nach einer weiteren Sanierung, 1910, kurzzeitig wieder kirchlich genutzt. Ab 1926 erneut baufällig, lief der Bau kurzzeitig Gefahr als NS-Erinnerungsstätte missbraucht zu werden.

Walter Garski, St. Nikolai, 1945, Aquarellierte Zeichnung
bezeichnet: Nikolai-K. Herbst 45, W. Garski / Herbst 1945 Garski
Q: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel, Frey-Haus
https://brandenburg.museum-digital.de/data/brandenburg/images/201702/10161043299.jpg

In den 1950er Jahren wurden die Kriegsschäden behoben und die Kirchen war nun Filiale von St. Gotthard in der Neudorfer Vorstadt. Denn auch im 2. Weltkrieg wurde St. Nikolai stark beschädigt. Schon 1976 verlor sie diese Nutzung wieder. St. Nikolai wurde der katholischen Dreifaltigkeitsgemeinde angeboten, doch hier sah man keine finanziellen Möglichkeiten. Erst nach der friedlichen Revolution kam das Kirchlein unter katholische Obhut und wurde nach behutsamer Sanierung und Gestaltung 1993 von Georg Kardinal Sterzinsky, dem Berliner Bischof, eingeweiht.

Der Außenbau

Baulich zeigt die Kirche heute eine dreischiffigen Grundriß. Es ist eine romanische Basilika aus Handstrichziegeln im Klosterformat – eine Typische Bauform der Gegend. Vor 1230 entstand der zweijochige Chor im Osten des Baus. Die Verlängerung um die Kirchenschiffe geschah bis 1467.

Seitenansicht auf St. Nikolai, Foto: Constantin Beyer, 2017
Gut erkennbar ist der ursprüngliche Bau im Osten
(bis zum höheren Ansatz des Seitenschiffs)

Der Westabschluß ist danach fertiggestellt worden. Hierfür wird ein Baumeister benannt, Steffen Boxthude. Nach einer Überlieferung aus Zerbst habe dort ein Baumeister gleichen Namens seine Dienste angeboten und auf erfolgreiche Arbeiten in Stendal, Tangermünde, Werben, Berlin (St. Marien) und Brandenburg verwiesen. Anscheinend war dieser Boxthude ein gefragter Meister seines Faches. Der westliche Abschluss zeigt sich heute in der Stufengiebelform mit einem einfachen Turmaufbau aus der Nachkriegszeit.

Portalansicht auf St. Nikolai, Foto: Constantin Beyer, 2017

Das Kircheninnere und die Ausstattung

Innen ist die Kirche schlicht. Die rot gehaltenen Flächen sorgen für einen warmen Grundeindruck. Die sparsame aber wesentliche Ausstattung unterstützt die dezente Raumgestalt. Das Triumphkreuz stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist das zentrale Bildwerk.

St. Nikolai, Brandenburg an der Havel, Innenansicht mit Triumphkreuz und Altarraum,
Q: Bildarchiv EBO

In der Apside des nördlichen Seitenschiffs steht ein Taufstein aus Namurer Blaustein. Er stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist ein beeindruckendes Zeitzeugnis.

Der Taufstein aus dem 12. Jahrhundert, Foto: Gregor Rom, 2018
Q: Wikipedia commons
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Taufstein_St._Nikolai.jpg

Im südlichen Seitenschiff ist eine Gedenkstätte den Opfern ungerechter Gewalt gewidmet. Insbesondere für die politischen Häftlinge im Zuchthaus Brandenburg-Görden und die psychiatrischen Patienten, die im Rahmen des sogenannten „Euthanasie“-Programms der Nazis umgekommen sind.

Die Pietá von Werner Nickel, 1992
Q: Tag des Herrn, 2010
https://www.tdh-online.de/upload/bilder/2010/tdh46_16_1.jpg

Aus einem Wurzelstück hat der Bildhauer Werner Nickel 1992 hierfür eine Pietá geschaffen. Von ihm stammt auch eine Nikolausfigur. Am ersten Mittwoch im Monat findet in der Gedenkstätte um 18:30 Uhr das ökumenische Friedensgebet statt. Ebenso gibt es eine Vorabendmesse am Wochenende um 18 Uhr.

Würdigung

St. Nikolai ist ein wichtiger Erinnerungsort. Der, wenn auch bis heute eher in einer Randlage, die Geschichte der Kirche in Brandenburg und das Leid der Opfer durch Menschenhand lebendig hält. Dieser einfache romanische Sakralbau ist eine Reise, zurück zu den Wurzeln von Kirche und Stadt, allemal wert.

Die Reihe im Überblick

https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

Weiteres im Netz

Die Seite von St. Nikolai bei der Pfarrgemeinde
https://hl-dreifaltigkeit.de/home-standart/gottesdienstorte/st-nikolai/

St. Nikolai auf den Seiten der Stadt Brandenburg
https://www.stadt-brandenburg.de/stadt/sehenswertes/st-nikolaikirche/

Die Seite rrbb.info berichtet von der Romanik in der Mark

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