Tägliche Kirche, Nr. 62 St. Clara, Berlin-Neukölln

St. Clara ist heute #täglicheKirche. Die Mutterkirche der Neuköllner Katholiken ist die St. Clara-Kirche. Sie wurde 1895-97 errichtet. Bis dahin war Rixdorf, wie das Ursprungsdorf des Stadtbezirkes hieß, katholisch betrachtet, Gemeindeteil von St. Hedwig. Ab 1837 gründeten einige der 20 katholischen Familien am Ort eine Zimmerkapelle. Dort hielt man „Laiengottesdienste“, weitere Kapellen folgten. Ab und an kam ein Geistlicher. Ab 1863 wurde die Messe (regelmäßiger) durch den Pfarrer von St. Michael gehalten.

St. Clara, Aufnahme von der Straßenecke, Ende der 1990er Jahre
Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten des Erzbistums Berlin

Der Kirchenbau

Der Architekt August Menken (1858-1903) schuf überdies einige Kirchen in Berlin. Überdies sind die St. Johannes-Basilika und die St. Ludwig-Kirche von ihm. Doch mit St. Clara bot er ein ganz besonderes Konzept. Dabei schuf er einen zweischiffigen Hallenraum, mit einem Eckturm, der mit 57 Metern Höhe damals ein imposantes Zeichen war.

Innenansicht mit ursprünglicher Ausstattung, Q: Pfarrchronik St. Clara

Der Innenraum ist eine neugotische Halle mit Kreuzgewölbe. Vier Säulen befinden sich in der Mitte dadurch entstehen die zwei Schiffe. Doch der halbrunde Chorabschluß entstand im Rahmen des Umbaus von 1929. Wobei die seitlichen Kapellenräume geraden Wandabschlüsse behielten. Die ursprüngliche Ausstattung war deutlich neugotisch.

Ursprünglicher Hochaltar von St. Clara, mit einer Kopie der sixtinischen Madonna, die Kirche war auch der Rosenkranzkönigin geweiht (bis ca. 1922), Q: Pfarrchronik St. Clara

Der Hauptaltar aus Holz hatte im Mittelteil eine Kopie der Sixtinischen Madonna von Raffael (später als Marienaltarbild am linken Seitenaltar verwandt).

Blick in die umgestaltete Kirche, um 1930, Q: Pfarrchronik St. Clara

Der moderne Innenraum um 1930

Doch ein besonderes Augenmark, verdient die heute nicht mehr sichtbare Umgestaltung des Kirchenraums 1929/30 unter dem Pfarrer Viktor Trawnik. Der darüber hinaus auch Filiationen forcierte. Bischof Dr. Schreiber weihte die – nun neugestaltete – Kirche schließlich am 22.4.1930. Zuvor war sie, wie viele Berliner Kirchen vor der Bistumsgründung nur benediziert worden.

Der Hochaltar. Beeindruckend sind die goldenen Figuren und die Formen am Altar selbst
Q: Pfarrchronik St. Clara

Der Architekt und andere Beispiele

Gestalterisch lag die umfassende Umgestaltung hierzu bei Felix Hinssen (Beiträge zu Hinssen), der damals für die Ostdeutschen Werkstätten in Neisse tätig war. Zudem wurde Hinssen 1946 2. Diözesanbaurat des Bistums Berlin. Dementsprechend ist der Verlust dieser Ausstattung spätestens durch die Umgestaltung im Zuge des zweiten Vatikanums (Paul Brandenburg u.a.) ein wenig zu bedauern. Denn somit ist die Vielfalt die die Zwischenkriegsmoderne besonders in Kircheninnenräumen Berlins erzeugt hatte nahezu flächendeckend verloren. Dafür stehen beispielsweise die kriegszerstörte Umgestaltung von St. Matthias auf dem Winterfeldtplatz durch Fritz Wingen oder die Altarwandgestaltung durch Hans Perathoner in der 1930 neugebauten St.-Martins-Kirche (über St. Martin).

Der Marienaltar, vermutlich im hinteren Teil der Kirche, wo er sich heute noch befindet
Blick zum Seitenaltar, der Kirchenpatronin geweiht, über die goldene Chorschranke,
Beide Fotos aus der Pfarrchronik St. Clara

Weitere Entwicklungen der 1930er

Pfarrer Trawnik war außerdem der Motor verschiedener Kirchenbauvorhaben. So ist die bereits seit 1914 geplante Kirche am Reuterplatz, St. Christophorus, unter ihm realisiert worden, ebenso wie die Notkirche St. Richard. Übrigens bei beiden hatte Carl Kühn die architektonische Leitung. Ebenso fällt die Erweiterung des Pfarrhauses in die Zeit Trawniks. Dieses ist ebenfalls ein (zurückhaltendes) Zeugnis der Moderne.

Das 1927 fertiggestellte Pfarrhaus, bereits vom Vorgänger Trawniks begonnen.
Q: Pfarrchronik St. Clara
Der heutige Innenraum, nach der Umgestaltung von 1968, Foto: Constantin Beyer, Q: Bildarchiv EBO

Würdigung

St. Clara ist übrigens bis heute ein spiritueller Mittel- und Ruhepunkt in Neukölln. Die Kirche lohnt es zu besuchen. Die Ästhetik des Raumes ist nichtsdestotrotz schlüßig. Der hohe klare Raum die Hauptstücke von 1968 und der Bildteppich von Paul Corazolla bilden ebenfalls eine Einheit. Hinzu kommt ein lebendiges Gemeindeleben. Unweit der pulsierenden Karl-Marx-Straße bietet sich eine Oase.

Weiterführende Links (intern):

Die Reihe, informativ seit 62 Tagen: https://kirchenbauforschung.info/taegliche-kirche/

Der erste Beitrag zu dem Thema von 2015: https://kirchenbauforschung.info/2015/05/28/moderne-umgestaltung-1929-30-in-st-clara/

Über die Krippe von St. Clara

Weiterführende Links (extern):

Wikipediabeitrag über August Menken

Die Seite der Gemeinde: http://sankt-clara.de/?p=3036

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