St. Johannes Evangelist, Berlin-Buchholz

St. Johannes Evangelist ist eine meiner Lieblingskirchen von Carl Kühn. Dort habe ich als Junge manches Mal ministriert. Ebenso haben wir als Jugendliche dort Feste gefeiert und den Johannistag begannen. Vor kurzem war ich ferner wieder einmal zum Gottesdienst in der Kirche. Dabei fiel mir auf, dass ich Sie zwar zur Nummer eins meiner Serie der Kirchenportraits #täglichekirche gemacht habe. Wenngleich ich den Bau dort noch nicht ausführlich hier beschrieben habe. Gut zwei Jahre später möchte ich es hiermit nachholen. Da es sich um eine spannende Geschichte handelt, darin geht es von Vorbildern bis hin zu Herrmann Göring…

Vor- und Baugeschichte der St.-Johannes-Kirche

Der Ortsteil (Französisch-) Buchholz ist eine hugenottische Gründung. Bis 1935 gab es vor Ort auch einen Pfarrer für die französisch-reformierte Gemeinde. Ab 1926 war dort wieder eine Gruppe von Katholiken ansässig. Somit hielt der Pankower Pfarrer ab Dezember 1934 in Buchholz Gottesdienst, wofür er ein Kino anmietete.

Pfr. Oscar Feige fährt mit dem Rad von Pankow nach Buchholz, ca. 5,5 km, 20-30 Minuten,
Q: PfAr Mater dolorosa, Berlin-Buch

Im Herbst 1936 lieferte Diözesanbaurat Kühn übrigens erste Entwurfsskizzen mit Kostenvoranschlag von maximal 26 000 M. Ende Februar 1937 reichte Kühn dann leicht überarbeitete Pläne bei der Baupolizei des Bezirks Pankow ein. Somit erbat er im Auftrag der Pfarrgemeinde Pankow die Baugenehmigung. Hierzu betonte Carl Kühn, dass das Vorhaben öffentlich sei und Arbeitslöhne unter 25 000 M hervorrufe. Dies wurde anscheinend zuvor von der Behörde angezweifelt.

Carl Kühn, Grundrisse und Ansichten, um 1936, Q: PfAr Mater dolorosa, Berlin-Buch

Hilfe von Göring

Schreiben Herrmann Görings vom Februar 1937, Q: PfAr Mater dolorosa, Berlin-Buch

Daher war die Abschrift eines Schreibens des Preußischen Ministerpräsidenten und Beauftragten für den Vier-Jahresplan, Hermann Göring dabei. Diese hatte bereits beim Bau von St. Elisabeth in Königs Wusterhausen geholfen. Göring vertrat darin die Auffassung, dass Bauten der katholischen Institutionen in Berlin als öffentlich zu behandeln seien und somit im Interesse des Staates. Sogar das Arbeitsamt bestätigte der Baupolizei diesen Sachverhalt in einem Schreiben, damit die nötigen Arbeitsstunden freigegeben wurden. (Carl Kühn, Antwort an die Baupolizei, 4.3.1937, a.a.O.)

Fundament am Tag der Grundsteinlegung, Q: PfAr Mater dolorosa, Berlin-Buch

Angebote und Vorbild

Überdies kamen Angebote von Baufirmen hinein, diese wertete Kühn aus. So ergab sich, dass die Firma Kretschmann mit Büros in Charlottenburg und Wandlitz den Auftrag erhielt. Auch Carl Dirk machte ein Angebot, wie gefordert „in derselben Weise wie der Neubau [der] Marienkirche in Heiligensee.“ (Carl Dirk, Angebot, 11.02.1937, in: a.a.O.). Daraus wird ersichtlich, dass St. Marien BMV in Heiligensee eindeutig Vorbild war. Kühn und dem Bauherrn Pfarrer Feige lagen insgesamt vier Angebote für einen schlüsselfertigen Bau vor.

Das direkte Vorbild St. Marien BMV in Berlin-Heiligensee von 1936 (diese wurde wiederum nach St. Konrad in Falkensee, 1934, errichtet, alles Kühn-Bauten), Q: PfAR St. Marien BMV, Berlin-Heiligensee

Die Bauform

St. Johannes Evangelist in Berlin – Französisch Buchholz steht für die Bauform einer Dorfkirche im Siedlungszusammenhang, wie beispielsweise in Falkensee oder wie oben genannt Heiligensee. In Buchholz hatte der zuständige Pankower Pfarrer Oscar Feige für die wachsende Zahl der Katholiken in einem Brief die Unterstützung des Gesamtverbandes der Katholischen Kirchengemeinden Groß-Berlins erbeten. Er bezeichnete diese Region als „religiöses Notstandsgebiet“. (Pfarrer Feige, Antrag auf Unterstützung, 10.10.1936, in: PfAR Mater Dolorosa, Berlin-Buch, Bauakten Buchholz)

Carl Kühn, Entwurfsblatt aus den Bauakten, 1936, Q: PfAr Mater dolorosa, Berlin-Buch

Der Entwurf von St. Johannes Evangelist

Kühns Entwurf, der für die Kirche in der Eddastraße in Buchholz eingereicht wurde, zeigt eine Baugruppe mit L-förmigem Grundriss, wie er bereits 1936 in Heiligensee geplant war. Der Ausführungsplan wies, neben dem Wegfall des Anbaus mit Pfarrwohnung und Gemeinderäumen, nur wenige Änderungen auf. Zum einen kam es nun zu einem Heizungskeller unter dem Altarraum, dies war in der Skizze noch mit einem Anbau gelöst worden. Zum anderen wurde die Anzahl der Rundbogenfenster an den Kirchenlangwänden verändert; an der Südwand sieben statt neun, an der Nordwand sieben statt sechs. Damit wurde dem Wegfall eines Anbaus und des Heizungsraumes Rechnung getragen.

Außenansicht der Kirche, Q: PfAr Mater dolorosa, Berlin-Buch

Beschreibung von St. Johannes Evangelist

Der entstandene Bau war wieder ein rechteckiger Bau mit Halbwalmdach und einem halb eingestellten im oberen Bereich holzverschalten Turm. Im Gegensatz zu St. Marien blieb St. Johannes unverputzt. So trat der gelbe Backstein hervor. Kühn plante einen einschiffigen Raum mit 5/8 gebrochener Holztonne, bei der bauzeitlich die raue Schalung sichtbar war.

Messfeier in St. Johannes, bauzeitliche Aufnahme, Q: PfAr Mater dolorosa, Berlin-Buch

Die einfachen Fenster stammen übrigens von Carl Busch. Sie weisen eine einfache Wabengestaltung auf und einige davon haben Stifterinschriften. Der Hochaltar entstand nach einem Entwurf Kühns. Er schuf einen einfachen Tisch mit Tabernakel, darüber ein Kreuz, dessen Korpus aus dem Oberammergau kam und anscheinend nach einem Katalog bestellt worden war.

untersichtiger Blick auf das Kreuz, um 1937, Q: PfAr Mater dolorosa, Berlin-Buch

Übrigens entstand innerhalb von gut 7 Monaten für die ca. 650 Katholiken eine kleine Kirche, die am 10. Oktober 1937 durch den Bischof von Berlin, Konrad Graf von Preysing konsekriert werden konnte.

Spieltisch der Orgel während der Überholung, 2017, Foto: K. Manthey, 2017

1941 kam eine Orgel der Firma Walcker in den Kirchenraum. Außerdem wurden 1958 die Seitenaltäre am Chorbogen in Form als Relief in rosafarbenen Sandstein nach dem Entwurf von Ingeborg Tramnitz-Beckmann aus Bernburg fertiggestellt. Darüber hinaus gab es eine besondere Monstranz in Buchholz, welche sich die Gemeinde vor Ende des Zweiten Weltkrieges angeschafft haben muss.

Würdigung

Zwar ist St. Johannes äußerlich eine Schwesterkirche anderer Bauten, jedoch ein Serienbau ist es trotzdem nicht. Die Außenform ist vergleichbar, der Innenraum war dafür einzigartig. Hinzu kommt ein ganz persönliches Element. Zwar ist dieser Raum etwas weniger akkurat als beispielsweise die unlängst renovierte Kirche in Falkensee (St. Konrad) oder stärker überbaute Innenräume, wie in St. Nikolaus, Blankenfelde. Doch die Atmosphäre in der Buchholzer Kirche ist für mich besonders. Seit den 1990er Jahren wird die Gemeinde von der in Berlin-Buch mit betreut. Nun zählt sie sogar zur Großpfarrei Hl. Christophorus Barnim. Ein Besuch abseits des Hauptstraße, in der Eddastraße 13/15 inmitten einer beschaulichen Siedlung, unweit einer Sackgasse lohnt.

Weiterführungen im Netz

Seite der Kirchengemeinde http://www.katholische-kirche-berlin-buch.de/

Pfarrei-Homepage
Ein kleinerer Beitrag mit historischen Bildern
Über den Hochaltarentwurf von Kühn
Bilder kurz nach der Fertigstellung

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